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Göttingen Kneipenfußball: Sky erhöht in Göttingen drastisch die Preise
Die Region Göttingen Kneipenfußball: Sky erhöht in Göttingen drastisch die Preise
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00:18 13.07.2013
Von Andreas Fuhrmann
„Ganz schöner Batzen“: Die Betreiber des Stadions in der Speckstraße müssen 2520 Euro pro Jahr mehr für ihr Sky-Abo zahlen.
„Ganz schöner Batzen“: Die Betreiber des Stadions in der Speckstraße müssen 2520 Euro pro Jahr mehr für ihr Sky-Abo zahlen. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

„Wir mussten bisher 370 Euro pro Monat zahlen, jetzt sind es 580. Das bedeutet 2520 Euro Mehrkosten im Jahr“, ärgert sich Christoph Köchy, Geschäftsführer des Stadions in der Speckstraße. „Für uns ist das ein ganz schöner Batzen, den man erst mal berappen muss.“

Grundlage für die Preiserhöhungen ist ein neues Tarifmodell. Nach Angaben einer Sprecherin hat Sky, das zum Medien-imperium Murdoch gehört und rote Zahlen schreibt, in die Preiskalkulation neben gewohnten Kriterien wie Kneipengröße auch regionale Besonderheiten einfließen lassen. „In sportaffinen Gebieten mit großer Bevölkerungsdichte und hoher Kaufkraft steigen die Preise, in anderen Gegenden sinken sie“, erklärt die Sprecherin. Sky wolle seine Zielgruppe erweitern und wachsen. Göttingen gehört offenbar zu den Regionen, in denen die Kriterien die Preise anschwellen lassen.

Vor einigen Tagen Post von Sky

So ist es auch Jule Schröder, Chefin des Café Schroeder in der Jüdenstraße, ergangen. Als sie vor einigen Tagen Post von Sky erhielt, freute sie sich anfangs. Denn was da in dem Schreiben mit dem Briefkopf „Neue Angebots- und Preisstruktur“ stand, die zu „insgesamt transparenteren Preisen“ führe, hörte sich anfangs recht positiv an. „Super, habe ich gedacht, wir sind eine Studentenstadt. Die kommen uns bestimmt entgegen“, erinnert sich Schröder. Ihre gute Laune war allerdings spätestens verflogen, als sie am Ende des Schreibens las, dass sie ab September 299 statt wie bisher 224 Euro zahlen muss. „Happig“ nennt sie das für ihren vergleichsweise kleinen Laden.

In Hannover haben die aktuellen Preissteigerungen sogar schon eine Protestbewegung von Gastronomen hervorgerufen. Sie planen Unterschriftensammlungen. Außerdem haben sie eine Facebook-Gruppe zum Thema gegründet.

20 Lokale in Göttingen

So weit ist es in Göttingen noch nicht, auch wenn es im Stadtgebiet immerhin rund 20 Lokale gibt, in denen Sportveranstaltungen auf Sky übertragen werden. Der Protest dürfte auch wenig bringen. Denn selbst der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hat sich an Sky bislang die Zähne ausgebissen.

Der Bezahlsender sei schon in der Vergangenheit nicht bereit gewesen, Dehoga-Betrieben Partnerrabatte einzuräumen, teilt der Dehoga Niedersachsen mit. Nun weigere sich Sky, „in Verhandlungen zur Abmilderung der Auswirkungen des neuen Tarifsystems einzutreten. Hier zeigt sich deutlich, welche Probleme Monopolstrukturen in unserer Wirtschaftsordnung mit sich bringen.“ Betriebe, die die Übertragung der Bundesligaspiele zur Grundlage ihres Geschäftsmodells gemacht haben, gerieten durch die teilweise Verdoppelung der Sky-Preise nun in existenzielle Nöte, teilt der Dehoga weiter mit. „Sky zeigt sich dennoch kaltherzig und nimmt auch die drohende Schließung dieser Betriebe in Kauf.“

„Sonst können wir den Laden dicht machen“

Trotz der gestiegenen Preise: im Café Schröder und im Stadion wollen die Betreiber auch weiterhin die Bundesliga live zeigen. „Sonst können wir den Laden dicht machen“, sagt Köchy. Das gehöre einfach dazu, sagt Schröder. „Dieses Feeling ist unvergleichlich, besonders die Champions-League-Abende sind immer ein Erlebnis.“ Köchy überlegt nun, „die Mehrkosten auf anderen Wegen reinzuholen“. Ihm schweben Zusatzaktionen wie Spiele oder ein Kickerturnier vor.

►Info: Sky Deutschland

Sky Deutschland ist der Nachfolger des Bezahlsenders Premiere und strahlt vor allem Sport aus. Neben der Fußball-Bundesliga überträgt Sky auch Euro- und Championsleague, DFB-Pokal, die Premier League, Formel 1 oder Tennis. Für Gaststätten existieren spezielle Gastronomie-Verträge. Laut Sky Deutschland ist die Zahl der Abonnenten zum Jahresstart um 42 100 auf etwas mehr als 3,4 Millionen gestiegen. Sky fährt aber weiterhin Verluste ein.