Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Knochen von knapp 50 Göttingern
Die Region Göttingen Knochen von knapp 50 Göttingern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 30.01.2017
Von Britta Bielefeld
Quelle: Harald Wenzel
Anzeige
Göttingen

Wer waren diese Menschen, was können ihre Knochen über sie aussagen: Die archäologischen Funde sind jetzt Gegenstand zweier Bachelor-Arbeiten am Institut für Anthropologie der Universität Göttingen. Evelyn Zmuda und Silja-Marie Schulz sortieren dort kleine Knochenteile. Vor ihnen liegt ein nicht ganz vollständiges aber gut erkennbares Skelett auf dem Tisch. Einer der Mönche, der in dem Kloster lebte, das bis 1522 dort stand, wo heute die frisch renovierte alte Mensa steht? „Nein“, sagt Dr. Birgit Großkopf. „Hier, dieser Beckenknochen, der ist eindeutig weiblich“, sagt die Wissenschaftlerin. Bei dem Skelett, das die beiden Studentinnen wie viele andere aus Einzelteilen zusammenpuzzeln und anschließend untersuchen, besteht kein Zweifel am Geschlecht. Ob es eine Nonne oder jemand anderes war, das können die Anthropologen nicht anhand der Knochen bestimmen. Sie treffen andere Aussagen über die Funde: Die Schädelplatte der auf dem Tisch ausgebreiteten Frau zeigt innen deutliche Verfärbungen. „Das könnte beispielsweise von einer Hirnhautentzündung verursacht worden sein“, sagt Großkopf. Auffällig an dem Schädel sind auch die dicken Augenwülste, die der Göttingerin vermutlich ein eher herbes Aussehen verlieh. Die archäologischen Ausgrabungen am Wilhelmplatz wurden im Dezember abgeschlossen. Bei den wenigsten Funden handelt es sich um vollständige Skelette, nur elf gelten als gut erhalten. Die Frage danach, welche Göttinger auf dem Gelände ihre letzte Ruhestätte fanden, ob es Nonnen eines nahen Franziskanerklosters waren oder ob es sich um einen öffentlichen Friedhof handelte, müssen später auch Archäologen und andere Fachleuten diskutieren. Gegraben wurde nur auf einem Ausschnitts des eigentlich deutlich größeren Bestattungs-Areals. Großkopf: „Die Auswertung der Funde wird sicherlich noch das ganze Jahr über dauern.“