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Göttingen Polterabend
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19:31 27.09.2019
Anke Weber Quelle: R
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Eine Woche – so lange dauert eine Hochzeit auf dem Land. Plus Ausnüchterungsphase. Als Freundin der Braut war ich nun Teil einer solchen Dorfhochzeit inklusive Kranzbinden und Spalierstehen. Eigentlich war ich sicher, alle Hochzeitsbräuche auf dem Land zu kennen. Doch der Polterabend hielt auch für mich noch Überraschungen bereit.

Mein Mann und ich rückten mit einem Fahrradkorb voller Porzellan an. Angeschlagene Restbestände aus verschiedenen Haushalten. Irgendwie war ich froh, den Tassen und Tellern, die so lange Teil einer Familie waren, noch eine letzte schöne Bestimmung zukommen zu lassen. Die Scherben sollen dem Ehepaar Glück bringen. Großes Glück versprach der entstandene Haufen aus Omas Kaffeeservice und Kloschüsseln. Gleichermaßen soll der Lärm beim Zerschlagen des Porzellans böse Geister vom Brautpaar fernhalten. Auch das müsste gelungen sein, das Scheppern an jenem Abend dürfte bis ins Nachbardorf zu hören gewesen sein. Bei der Entsorgung des Scherbenhaufens soll das Paar dann zum ersten Mal unter Beweis stellen, dass es in der Lage ist, gemeinsam schwierige Aufgaben zu bewältigen. Was für eine niedliche Prüfung im Vergleich zur Hochzeits-Organisation inklusive der einwöchigen Beifeiern.

Wer das übersteht, ohne sich zu trennen, sollte doch genug unter Beweis gestellt haben. Die Freunde des Bräutigams schienen sich weniger sicher zu sein. Sie schnappten sich im Verlauf des Polterabends die Schuhe der Braut und nagelten sie höchstmöglich an einen Baum. Damit sie nicht mehr weglaufen kann, klärte mich jemand auf. Beim Tanzen kam die Braut allerdings auch barfuß bestens voran, im Zweifel würde sie auch barfuß flüchten können. Meine Vermutung. Aber auf den Realitätsbezug kommt es bei Ritualen ja nicht an. Und weil der morsche Baum sowieso gefällt werden soll, kam ihm auf diese Weise noch eine letzte Ehre als Hüter der Brautschuhe zu.

Aber warum tanzte der Bräutigam plötzlich nur noch in Unterhose? Ich hatte keine Ahnung und machte mir außerdem Sorgen wegen des Brandgeruchs, der sich draußen ausbreitete. Die Feuerwehrleute unter den Gästen blieben entspannt. Sie wussten natürlich, was dort brannte. Es war die Hose des Bräutigams. Übrigens kein Symbol für Feuer in der Hose während der Ehe, wie ich zunächst vermutete. Einfach ein Zeichen dafür, dass der Mann in Zukunft nicht mehr die Hosen anhat. Hatte er das jemals? Egal. Rauch stieg auf und verkündete das Ende seiner selbstbestimmten Junggesellen-Zeit. Zum Trost legten seine Freunde der verkokelten Hose vor dem Zuschaufeln der Grube noch eine Flasche Schnaps bei. In einem Jahr soll sie wieder ausgegraben und geleert werden. So ist das auf dem Land. Nach dem Fest ist vor dem Fest.

Sie erreichen die Autorin unter E-Mail: autorin@anke-weber.de, Instagram: https://www.instagram.com/ankeweber_author, facebook: https://www.facebook.com/ankeweberautorin

Von Anke Weber

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