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Göttingen Kolumne: Haben alle Zeit?
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22:24 15.03.2019
Bürgermeister Wolfgang Nolte vor dem Stadthaus. Quelle: Niklas Richter
Göttingen

„Alles hat seine Zeit“ – mit dieser Weisheit hat Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) seinen Amtsverzicht garniert – Anfang Februar in Aussicht gestellt für die zweite Häfte des Jahres 2019. Der Satz blieb hängen. Zunächst bei Nolte selbst, der sich ein vorzeitiges Ende seiner Amtszeit gestattet hat. Zuletzt im Rat der Stadt. So hat nun auch die Bürgermeisterwahl ihre Zeit, und zwar ihre ganz eigene. Am 1. September können die Bürgerinnen und Bürger über einen neuen Hauptverwaltungsbeamten abstimmen, eine eventuelle Stichwahl stünde am 15. September an. Schade. Chance ­vertan.

Wäre, wäre, Fahrradkette

Wäre Wolfgang Nolte ein wenig früher aus der Deckung gekommen, und wäre der Rat früher mit der Frage befasst gewesen, hätte die Wahl zeitgleich und sehr elegant mit der zum Europaparlament am 26. Mai über die Bühne gehen können. ­Wäre, wäre, Fahrradkette.

Wer Recht hat, soll den Streit auch anfangen

Noch irritierender als dieser einsame und verirrte Bürgermeister-Wahltermin allerdings war der Hinweis der Fraktionsvorsitzenden Lothar Dinges (WDB) und Thorsten Feike (FDP). Offenbar drängten die beiden auf ein möglichst einheitliches Votum zum Wahltermin. Ein nicht einstimmiger Beschluss gebe kein gutes Bild nach außen ab. Aha. Fehlt eigentlich nur noch der Klassiker: „Ruhe ist erste Bürgerpflicht.“ In aller gebotenen höflichen Zurückhaltung bieten wir da doch mal eine zusätzliche Perspektive.

Christoph Oppermann Quelle: Hinzmann

70 Jahre nach Verabschiedung des wohl besten Verfassungstextes, den dieses Land sich vorstellen kann, muss man Streit nicht als Zwist missverstehen und Vielstimmigkeit nicht als Zwietracht. Und wenn wir schon dabei sind: Anfang des 21. Jahrhunderts sollten Hinterzimmerkungeleien in der Kommunalpolitik auch endlich mal aus der Mode kommen, und Wahlen dürfen ruhig auch Auswahl bedeuten.

Was wissen Kinder wirklich?

Wie irritierend ein bisschen bürgerliches Selbstbewusstein sein kann, hat jetzt Christian „lieber nicht regieren als schlecht regieren“ Lindner gezeigt. Die „Fridays for Future“-Bewegung kommentierte er mit den Worten: „Von Kindern und Jugendlichen kann man aber nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen. Das ist eine Sache für Profis.“ Der junge Mann scheint zu wissen, wovon er spricht und hat ja seine eigenen Konsequenzen gezogen. Beim Regieren jedenfalls stört er nicht.

Auf der Straße lernen

Ich wäre mir nicht sicher, ob die Kinder und Jugendlichen, die freitags für eine konsequentere Umweltpolitik auf die Straße gehen, dabei nicht mehr über politische Teilhabe, Politikprozesse und Grundzüge des Demonstrationsrechtes gelernt haben als in einem halben Jahr Politikunterricht an der Schule.

Schönes Wochenende.

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E-Mail: c.oppermann@goettinger-tageblatt.de

Twitter: https://twitter.com/tooppermann

Facebook: https://www.facebook.com/christoph.oppermann

Von Christoph Oppermann

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