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Göttingen Superkräfte der Natur
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20:14 25.01.2019
Verzuckerte Landschaft bei Raureif. Quelle: Weber.
Göttingen

Der erste Arbeitstag der Woche ist eigentlich der Tag, an dem der Widerwille beim Aufstehen besonders groß ist. Im Winter erhebt der innere Aufsteh-Verweigerer seine Stimme erfahrungsgemäß noch stärker als im Sommer. Diese Woche sind am Montag jedoch Scharen von Menschen freiwillig frühzeitig aus dem Bett gesprungen. Manche haben sich sogar mit einer Kamera stundenlang in die eisige Kälte gestellt. Und das alles nur, um einen Schatten zu sehen – den Schatten der Erde.

Da der Erdschatten nicht so gewöhnlich auf der Straße herumlungert, wie zum Beispiel der eigene Schatten, sondern gemeinsam mit anderen Himmelskörpern ein kleines Schauspiel am Himmel aufführt, erweckt er jedes Mal ziemlich viel Aufmerksamkeit. Alles, was am Himmel leuchtet, fasziniert die Menschen offenbar sehr. Auch mich. Und seit die Mondfinsternis immer häufiger Blutmond genannt wird, erscheint mir das Spektakel noch poetischer.

Also bin ich ebenfalls aufgestanden und in Schlafanzughose und Parka durch den Garten gestreift, um den Blutmond zu sehen. Lange musste ich nicht suchen. Es war eine klare Nacht und der Mond hing wie eine orangefarbene Laterne tief am Himmel. Da ich ihn ja nun gesehen hatte, wäre es naheliegend gewesen, wieder ins Haus zu gehen. Zumal ich ja nur die Schlafanzughose trug. Aber der romantische Anblick fesselte mich derart, dass ich mich auf die tiefgefrorene Gartenbank setzte und einfach immer weiter den Mond anschaute. Bis die Wolken wieder lila wurden. Oder blutorange. Ein bisschen von beidem. Jedenfalls war ich selbst schon tiefgefroren.

Ich zitterte mich noch eine ganze Weile durch den Morgen, presste meinen Körper an jede Heizung, doch keine war mir heiß genug. Trotzdem beflügelte mich eine Art Glücksgefühl, was bei mir im Zusammenhang mit Minusgraden und Frost sonst eher nicht vorkommt. Da mein Wagen nicht ansprang, wäre dieser Montagmorgen prädestiniert gewesen, ihn zu hassen. Aber ich lächelte immer weiter vor mich hin.

Die Kälte hatte an diesem Morgen ein äußerst reizvolles Gesicht. In der Sonne funkelnder Raureif zierte die Landschaft, die Bäume schienen wie in Zuckerguss gehüllt und zusammen mit dem Blutmond-Erlebnis haftete dem Tag etwas Märchenhaftes an. Zum ersten Mal seit langer Zeit hegte ich wieder eine Sympathie für den Winter.

Tatsächlich ist Frost ja auch etwas Wunderbares. Abgesehen davon, dass er in der Lage ist, die trostlos graue Landschaft zu verzaubern, sorgt er auch für Sauberkeit im Haus. Weder Matsch noch Sand haben bei Frost eine Chance. Alles ist so hart gefroren, dass nur wenige Partikel an Schuhsohlen oder Hundepfoten haften bleiben.

Vielleicht war auch dieses Phänomen ein wesentlicher Grund für meine gute Laune am Montagmorgen. Wahrscheinlich hat so ein Blutmond aber einfach magische Kräfte. Daher kommt dann wohl auch sein anderer Spitzname: Supermond.

Anke Weber Quelle: r

Sie erreichen die Autorin unter E-Mail: autorin@anke-weber.de

Instagram: https://www.instagram.com/ ankeweber_author 

facebook: https://www.facebook.com/ ankeweberautorin

Von Anke Weber

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