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Göttingen Gedankenfäden über Rhabarber
Die Region Göttingen Gedankenfäden über Rhabarber
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15:00 17.05.2019
Rhabarber – farbenfrohes Frühlingsgemüse Quelle: Anke Weber
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Göttingen

Lange Zeit meines Lebens war mir Rhabarber nur als schwieriges Wort bekannt. Als Kind habe ich mich mit ihm ausschließlich im Zusammenhang mit Diktaten gequält. Essen musste ich dieses merkwürdige „Barbara-Zeug“ nicht. So nannte ich es, weil ich mir Barbara besser merken konnte und Rhabarber für mich schlichtweg kein gefälliges Wort war. Es musste erst die moderne Limonaden-Welle das Land ereilen, damit auch ich auf Rhabarber aufmerksam wurde. Trotzdem blieb ich dabei: Für mich bitte keinen Rhabarber.

Ein Stück Rhabarber-Kuchen, das ich aus Höflichkeit nicht ablehnen konnte, veränderte alles. Die Mischung aus süß und säuerlich bescherte mir vor zwei Jahren einen Genuss-Moment. Schon am nächsten Tag kaufte ich Rhabarber-Kuchen. Meine Ambitionen, selbst einen solchen Kuchen zu backen, wuchsen jedoch nur langsam, da ich nicht wusste, wie Rhabarber geschält wird.

Mutig ein paar Stangen gekauft

Aber dieses Jahr kaufte ich mutig ein paar Stangen, ging vom Markt und traf auf eine Frau gleichen Alters, die ebenfalls kaum Erfahrung mit Rhabarber hatte. Unfassbar. Mit über 50 Jahren? Wir amüsierten uns darüber, was unsere Omas zu der Unfähigkeit ihrer Enkelinnen gesagt hätten. Unsere Großmütter, die sich regional ernährten und Kartoffeln mit dem Messer hauchdünn in Kringeln am Stück schälten, damit nicht das kleinste nahrhafte Gramm verloren ging. Schande über uns. Ich wusste noch nicht einmal mit Sicherheit, ob es sich bei Rhabarber um Obst oder Gemüse handelte.

Zu Hause habe ich mir ein Internet-Tutorial angesehen, das mir zeigte, wie Rhabarber geschält wird. So läuft das, wenn die Großmutter nicht mehr verfügbar ist. Das Internet weiß fast alles. Auch, dass Rhabarber Gemüse ist, sehr gesund, trotzdem wegen seiner Fruchtsäure nicht roh verzehrt werden sollte und kaum Kalorien hat. Letzteres fand ich besonders großartig. Stolz zog ich die ledrigen Streifen von den Stangen ab, fand die Verarbeitung kinderleicht und erfreute mich an den farbenfrohen Schäl-Locken.

Laber Rhabarber

Obwohl – das Schälen kann sich ja im wahrsten Sinne des Wortes hinziehen. Überall noch ein kleiner rosaroter Faden. Und noch einer. In meiner Unkenntnis war mir nicht sofort klar, wann eine Stange fertig geschält sein würde. Das kann quasi ins Nichts führen. Ob schon mal jemand Rhabarber so lange geschält hat, bis kein nahrhafter Inhalt mehr übrig war? Woher sonst käme der Spruch „Laber Rhabarber“, der langes Gerede ohne verwertbare Essenz umschreibt?

Wieder einmal hatte sich mir in der Küche eine Lebensweisheit offenbart. Rhabarber benötigt die beherzte Entschlossenheit, zum Ende zu kommen. Waschen, schälen, schneiden, legen. Sogar Küchenversagerinnen wie ich können das. Also dieser Barbara ist einfach super. Punkt. Schließlich möchte ich hier nicht Laber-Rhabarber betreiben.

Info: Sie erreichen die Autorin unter

E-Mail: autorin@anke-weber.de

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Von Anke Weber