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15:00 31.05.2019
Gutschein-Einlösung: Neuer Korb für Feuerholz. Quelle: Anke Weber
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Göttingen

Seit Weihnachten lag auf meinem Schreibtisch ein Gutschein für den Einkauf in einem Hofladen. Fast ein halbes Jahr nachdem ich ihn geschenkt bekommen hatte, entwickelte er sich so langsam zu einer unangenehmen Mahnung. Achtung! Einkaufen nicht vergessen! Da der Hofladen fernab meiner üblichen Strecken liegt, brachte der Gutschein nicht den wahrscheinlich beabsichtigten Nutzen, dort die in der Woche sowieso benötigten Waren wie Obst und Gemüse zu kaufen. Daher unternahmen mein Mann und ich schließlich einen Gutschein-Ausflug mit dem einzigen Zweck, dieses Papier von meinem Schreibtisch und der Unerledigt-Liste zu entfernen.

Im Hofladen streiften wir ratlos umher. Eierlikör? Zusätzlich zu den zwei Flaschen, die wir zu Hause hatten? Marmelade? Kürbiskernöl? Halbherzig legten wir Waren in den Korb. Mein Mann gab die Preise in den Handytaschenrechner ein. Immer noch acht Euro übrig. Doch dann, als der Betrag fast erreicht war und wir uns der Kasse näherten, sah ich ihn – meinen Korb. Geflochten. Meinem kaputten Feuerholz-Korb, für den ich bisher keinen Ersatz gefunden hatte, zum Verwechseln ähnlich. Fast perfekter Preis – plus zwei Äpfel und fünf Cent aus meinem Portemonnaie war exakt die Summe auf dem Papier erreicht. Challenge gemeistert.

Mit Gutscheinen verhält es sich so ähnlich wie mit Rechnungen. Werden sie nicht direkt bearbeitet, geraten sie leicht in Vergessenheit. In meiner Schreibtisch-Schublade existiert sogar ein Gutschein-Grab. Zum Glück beanspruchen auf Papier verewigte Absichten nicht sehr viel Raum. Drei Restaurantbesuche, ein Hausputz, ein Frühstück im Bett und eine Reise passen zusammen mit einer ganzen Treppe in eine einfache Klarsichthülle. Das grenzt schon fast an Zauberei. Erst kürzlich weggeworfen habe ich den Gutschein für den Einkauf in einem Laden, den es inzwischen gar nicht mehr gibt. Der Betrag war nicht ganz aufgebraucht worden. Ich benötigte damals wohl einfach keine Deko. Über den Restbetrag von immerhin zehn Euro wird sich wohl der Ladenbesitzer gefreut haben.

Komplizierter ist es mit Gutscheinen, die Leistung versprechen. Auch ich habe schon Arbeitseinsätze oder Kinobesuche verschenkt. Das zuerst nur aufgeschobene und schließlich nie eingelöste Versprechen kann penetrant am Gewissen nagen. Insofern können Gutscheine für die Schenkenden und Beschenkten gleichermaßen zur Herausforderung werden. Für mich war der Hofladen-Gutschein am Ende aber tatsächlich eine Freude. Allerdings dauerte es nur wenige Tage, bis wieder ein Gutschein auf dem Tisch landete. Für einen Hofladen-Einkauf. Mein Mann bekam ihn geschenkt. Er meinte, wir könnten ja wieder einen Gutschein-Ausflug machen. Ich habe eingewilligt. Auch auf die Gefahr hin, dass ich im Laden von ihm einen Korb bekomme.

Info: Sie erreichen die Autorin unter E-Mail: autorin@anke-weber.de

Instagram: https://www.instagram.com/ankeweber_author

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Von Anke Weber