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Göttingen Herumstreunern
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05:00 26.10.2019
Märchenwelt im Unterholz Quelle: Anke Weber
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Herbsttage sehen von drinnen betrachtet oft grau aus, ein bisschen nebelfeucht und irgendwie ungemütlich. Ich neige dazu, an solchen Tagen im Haus zu bleiben. Am Wochenende lieber ein Buch auf dem Sofa zu lesen. Vor dem Ofen mit Tee und Keksen. Auch als Kind schon. Aber damals hatte man Eltern, die einem gesagt haben, dass man draußen spielen soll. Wir wussten dann oft nicht, was wir machen sollten und sind einfach herumgestreunert. Wir prokelten mit Stöcken im Bach herum und streiften durch Gebüsche, bauten Buden, sammelten Kastanien oder kletterten in Bäume. Heute sagt mir niemand mehr, dass ich mal vor die Tür gehen soll.

Deshalb wäre ich neulich, an einem trüben aber recht milden Herbsttag, fast wieder mit dem Buch auf dem Sofa gelandet. Aber irgendwie ahnte ich wohl, dass mir das Grau die Kälte nur vorgaukelt. Vielleicht war es auch der Hund, der mich letzten Endes vor die Tür trieb. Jedenfalls war ich nun dort, vor der Tür, und wusste nicht so recht, was ich machen sollte. Ich ging durch den Garten und sammelte ein paar Äpfel und Birnen auf, die bei der Baum-Schüttel-Ernte übrig geblieben waren. Dabei erinnerte ich mich, wie gut der heiße Apfelsaft in der Mosterei geschmeckt hatte, als wir neulich unsere Ernte dort hatten verarbeiten lassen. Also machte ich Apfelsaft heiß und setzte mich mit meinem Mann auf die Gartenbank, auf die wir erst eine alte Decke gelegt haben, weil sie selbst am Nachmittag noch ganz herbstfeucht war. Mehrere Schwärme von Gänsen zogen schnatternd über uns hinweg. Anschließend schlenderten wir mit dem Hund zu einem Walnussbaum, sammelten ein paar Nüsse auf und ließen uns weiter zum Kastanienbaum treiben. Der ganze Boden war mit Kastanien bedeckt. Der Traum meiner Kindheit. Damals war es ein Glück, wenn man eine kleine Tüte mit Kastanien füllen konnte. Alle Kinder waren scharf auf die Kastanien und sammelten eifrig. Vielleicht ist Kastaniensammeln nicht mehr angesagt. Oder der Baum steht an einem zu abgelegenen Ort. Aus Gewohnheit sammelte ich meine Jackentaschen voll.

Weiter ging es am Bach entlang, über den ich mit dem Hund sprang. Wir krochen unter Zäunen hindurch, bestaunten Beeren und verfärbte Blätter und entdeckten schließlich eine zauberhafte Märchenwelt. Kleine Pilze – wie gemalt – säumten ein winziges Loch im Erdboden. Es war so zugewuchert, dass es kaum sichtbar war. Aber unsere Augen waren an diesem Tag auf Wunder programmiert. Und so konnten wir sogar die kleinen Elfen und Trolle erahnen, die dort irgendwo in einer Höhle wohnen mussten. Jedenfalls war es damals in unseren Kinderbüchern so. Und hinter diesen Bilderbuch-Pilzen mussten ja wohl auch Märchenwesen wohnen. Das war ganz klar. Also ich finde, auch Erwachsene sollten häufiger mal herumstreunern.

Info: Sie erreichen die Autorin unter E-Mail: autorin@anke-weber.de

Instagram: https://www.instagram.com/ankeweber_author

facebook: https://www.facebook.com/ankeweberautorin

Von Anke Weber

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