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Göttingen Renaissance des Haferschleims
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07:00 30.11.2019
Aufbewahrung von Haferflocken in alten Küchenschränken. Quelle: Weber
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Kreis

Alle essen plötzlich Porridge. Im Internet gibt es unzählige Rezepte und in trendigen Stadt-Cafés steht Porridge auf der Speisekarte. Vage konnte ich mich an diese Mahlzeit nur erinnern, weil sie früher in meinem Englischbuch thematisiert wurde. Wahrscheinlich im Kapitel über Schottland, wo das Gericht quasi beheimatet ist. Trotzdem musste ich erst nachlesen, woraus Porridge besteht. Ergebnis: Haferflocken mit Wasser oder Milch. Im Vergleich zum ähnlich gearteten Müsli wird Porridge aber warm zubereitet und verzehrt. Ich war überrascht, dass der mir in Kindheitstagen verhasste Haferschleim nun äußerst angesagt ist. Aber der Kürbis hat es ja auch wieder ganz nach oben geschafft.

Anke Weber Quelle: R

Namen verdrängen

Tatsächlich ist Haferschleim die Grundlage für sehr wohlschmeckende Kombinationen, wenn man es schafft, seinen unattraktiven Namen zu verdrängen – oder eben durch einen englischsprachigen zu ersetzen. Das Wort Schleim ist und bleibt für mich ein absoluter Appetit-Blocker. Bei meiner Kindheitsfreundin gab es jeden Morgen Haferschleim und er wurde auch so genannt. Ihre Mutter kochte ihn mit Milch. Ich konnte noch so hungrig sein, ich schüttelte immer den Kopf, wenn mir diese Masse angeboten wurde. Allerdings war Milch – bis auf wenige Ausnahmen – sowieso noch nie mein Ding. Wegen dieser Milch-Aversion und der gleichzeitig positiven Einstellung zu Haferflocken, aß ich letztere früher trocken mit Zucker und Zimt.

Aus Versehen Porridge

Die Zutaten für diese staubige Kombination bewahrte meine Oma in den kleinen Schubladen ihres Küchenschranks auf. Vielleicht liebte ich das Hantieren mit den Schubladen sogar mehr als den Geschmack meiner kulinarischen Kreation. Vor Jahren, in einer Zeit mit knapp bemessenen Mittagspausen, kam ich auf die Haferflocken zurück und kreierte erneut ein eigenes Gericht, wie ich meinte: Haferflocken mit Gemüsebrühe und etwas kochendem Wasser. Das gab mir am Mittag das Gefühl einer warmen Mahlzeit, die in weniger als drei Minuten fertig war. Bis heute ist diese Variante in Kombination mit einer Mohrrübe mein Mittags-Fast- Food. Dass es sich dabei um Porridge handeln könnte, sogar um die klassische Variante mit Wasser, habe ich bisher nicht geahnt.

Nachdem ich jedoch einiges über Porridge gelesen habe, weiß ich, dass diese einfache Mahlzeit einst besonders schottische Bauern und Hirten gewärmt und gestärkt hat. Ein echtes Land-Essen also. Praktischer Eintopf, günstig, sättigend und serviert in einer Schüssel. Hätte man der Mutter meiner Freundin damals einen Blick in die Zukunft gewährt, sie hätte nicht daran geglaubt: Junge Menschen, die voller Genuss Haferschleim aus Schüsseln essen, das Ganze Porridge-Bowls nennen und wegen des sogenannten Toppings aus Chiasamen und Nüssen obendrauf dafür in der Stadt sechs Euro zahlen. Ich bleibe gespannt, wie der Kartoffelbrei es wieder ins Rennen schafft.

Sie erreichen die Autorin unter:

E-Mail: autorin@anke-weber.de

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facebook: https://www.facebook.com/ankeweberautorin

Von Anke Weber

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