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Göttingen Urkraut mit Nebenwirkungen
Die Region Göttingen Urkraut mit Nebenwirkungen
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15:00 29.03.2019
Vogelmiere begleitet den Menschen schon seit der Steinzeit. Quelle: Anke Weber
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Göttingen

Meistens ist das Grünzeug, das ich auf dem Markt gekauft habe, mittwochs aufgegessen. Gemüse und Salat aus dem Supermarkt nerven mich jedoch zunehmend, weil sie immer noch überwiegend in Plastik verpackt sind. Das fand ich früher schon überflüssig, seit der ganzen Plastik-Diskussion erscheint es mir aber gar nicht mehr nachvollziehbar. Also stand ich mal wieder vor einem fast leeren Kühlschrank, während ich gleichzeitig absolut keine Lust hatte, das Auto für eine Biogurke in Plastik etwa acht Kilometer zum Supermarkt zu bewegen. Das war eine ziemlich schlechte Ausgangslage bei steigendem Heißhunger auf etwas Frisches. Woher dieser plötzlich kam, konnte ich mir nur mit Frühling erklären. Jedenfalls musste Salat her. Etwas Giersch hatte ich im Garten schon entdeckt, allerdings hatte ich es damit die Jahre zuvor wohl übertrieben, sodass mich ein Salat, komplett aus Giersch bestehend, nicht direkt in Begeisterung versetzte. Allerdings war mir die letzten Tage vermehrt der entstehende Teppich aus Vogelmiere auf dem Weg zu meinem Kompost aufgefallen. Irgendwo hatte ich doch gelesen, dass Vogelmiere essbar ist. Aber war das Kraut in meinem Garten wirklich Vogelmiere? Oder eventuell eine zum Verwechseln ähnliche Giftpflanze, wie es bei Bärlauch und Maiglöckchen der Fall ist?

Im Internet fand ich ein Video von einem Selbstversorger, der ein paar klare Erkennungszeichen der Vogelmiere beschrieb: Härchen an nur einer Seite des Stängels und eine Art Innenstängel – wie bei einem isolierten Kabel. Beides überprüfte ich. An meinem Kompost wächst zweifelsfrei Vogelmiere. Eigentlich sogar überall in meinem Garten. Ich knabberte daran und schmeckte eine Mischung aus Gras und Erbse. Oder so ähnlich. Jedenfalls durchaus als Salat tauglich. In der Zwischenzeit meldete mein Hunger allerdings schon Alarm. Für die Zubereitung eines ansprechenden Salats hatte ich keine Geduld mehr. Ich entschied mich für Rührei mit Vogelmiere, rupfte das üppig wachsende Kraut ab und hatte innerhalb kürzester Zeit eine kleine Mahlzeit mit Grünzeug. Seitdem bin ich von der Vogelmiere, die auch den schönen Namen Sternenkraut trägt, begeistert und experimentiere mit ihr in der Küche. Wie konnte ich sie all die Jahre nur aus meinen Beeten reißen? Was für eine Verschwendung. Ich habe schon Vogelmiere auf Nudeln und Vogelmiere als Kresse-Ersatz auf Brot getestet und beides für gut befunden. Rezepte gibt es im Internet ohne Ende. Und dann soll die Vogelmiere sogar Heilwirkung haben, das Immunsystem stärken und dem Alterungsprozess entgegenwirken. Besonders Letzteres finde ich super.

Die Ernte von etwas, das sich auch noch selbst anpflanzt, ist ein reines Vergnügen und hat mich direkt ein Liedchen trällern lassen. Heißt ja auch Vogelmiere. Hätte ich mir ja denken können, dass man davon sofort anfängt zu singen.

Sie erreichen die Autorin unter E-Mail: autorin@anke-weber.de

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Von Anke Weber