Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Neue Müllanlage für Northeim und Göttingen für 15 Millionen Euro?
Die Region Göttingen Neue Müllanlage für Northeim und Göttingen für 15 Millionen Euro?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:31 28.12.2018
In Deiderode wird der Abfall zunächst „sortiert“. Die Anlage, in der dann organische Restanteile vergären, soll jetzt erneuert werden.
In Deiderode wird der Abfall zunächst „sortiert“. Die Anlage, in der dann organische Restanteile vergären, soll jetzt erneuert werden. Quelle: Christina Hinzmann
Anzeige
Deiderode

Die Landkreise Göttingen, Northeim und die Stadt Göttingen wollen ihre gemeinsame Abfallbehandlung in Deiderode komplett umstellen. Organische Abfälle aus dem Hausmüll sollen nicht mehr nass, sondern weitgehend trocken vergoren werden. Gut 15 Millionen Euro wird die neue Anlage nach einer ersten vorsichtigen Schätzung kosten. Trotz der hohen Investition sollen die Kosten für die beteiligten Kommunen nicht steigen.

Stimmen die politischen Gremien zu, wird in Deiderode bis voraussichtlich 2043 weiter Abfall sortiert, zerkleinert, gesiebt und lagerfähig gemacht. Nach bestehender Verbandsordnung könnte 2030 Schluss sein.

Thomas Hunger kontrolliert den Betrieb vom Leitstand aus. Quelle: Christina Hinzmann / GT

„Wir haben heute den zweiten Knoten durchgeschlagen“, sagte die Umweltdezernentin des Landkreises Göttingen, Christel Wemheuer, in ihrer Funktion als stellvertretende Vorsitzende des Abfallzweckverbandes Südniedersachsen (AS) nach einer Verbandsversammlung der AS-Träger. Mit der von allen Beteiligten „sehr zufrieden“ aufgenommen Information sei die Zukunft der MBA gesichert.

MBA steht für „Mechanisch-Biologische Abfallbehandlung“. Sie wird seit 2005 vom AS auf der Deponie bei Deiderode betrieben. Hier wird Sperrmüll und Restmüll aus dem großen Verbandsgebiet mechanisch und biologisch vorbehandelt. Zunächst wird der Abfall gesiebt und Metalle werden abgetrennt. Organische Stoffe – die organikhaltige Feinfraktion – aus dem Hausmüll werden dann biologisch behandelt: Sie vergären unter Zugabe von viel Wasser, erklärte Verbandsgeschäftsführer Markus Rybarczyk. Der vergorene Rest wird entwässert, getrocknet und auf die Deponie Blankenhagen im Kreis Northeim gebracht.

30 Meter lange Tunnel

Diese Nassvergärung ist wartungsintensiv und es fallen große Mengen Sickerwasser an. Und. In absehbarer Zeit endet die Nutzungsdauer (Abschreibung) für Anlagenteile. „Damit stehen demnächst hohe Reinvestitionen an“, erklärte Rybarczyk weiter.

Diesen Zeitpunkt wolle der Verband nutzen und die bisherige Nassvergärung umbauen – in eine Anlage mit Trockenvergärung. Dabei wird eine gröbere Feinfraktion als derzeit in liegenden Fermentern (geschlossenen Behältern) vergoren. Das sind etwa 30 Meter lange, sechs Meter breite und drei Meter hohe Tunnel. Das Verfahren ist robuster, weniger aufwendig, und es wird weniger Wasser benötigt, so Rybarczyk.

Zurzeit vergärt der organische Müll unter Beigabe von sehr viel Wasser. Quelle: Christina Hinzmann

Die Investitionen für die geplante Anlage seien zwar höher als eine Reinvestition in die bestehende, „aber wir können damit die Betriebskosten deutlich senken“. Folge: Die Behandlungskosten, die die Kommunen bei Anlieferung von Müll zahlen, bleiben stabil. Die Kommunen wiederum müssen die Investitionen nicht durch höhere Müllgebühren auffangen.

Zweiter Knoten gelöst

Dass das alles technisch funktionieren kann, hat ein Ingenieurbüro bestätigt und damit den ersten Knoten gelöst. Der jetzt durchgeschlagene zweite Knoten bezieht sich auf die Struktur des Verbandes und seines Umlageverfahrens, nachdem die Behandlungskosten von den Mitgliedern zu tragen sind.

2003 haben sie die Abfallmengen aus ihren Gebieten prognostiziert und sich verpflichtet, eine bestimmte Abfallmenge pro Jahr zu liefern. Wer tatsächlich weniger liefert, zahlt einen höheren Behandlungspreis. Darunter hat in den vergangenen Jahren vor allem der Altkreis Osterode (jetzt Landkreises Göttingen) gelitten. Dort waren die Gewerbeabfälle massiv weggebrochen.

Neue Satzung ist „gerichtsfest“

Jetzt wollen die Verbandsmitglieder die Umlageregelung vereinfachen. Eine Anwaltskanzlei hat bestätigt, dass die geplanten Änderungen inklusive Verlängerung der Zusammenarbeit im Abfallzweckverband juristisch haltbar und damit „gerichtsfest“ sind, falls Gebührenzahler klagen sollten, erklärte Wemheuer zum zweiten gelösten Knoten.

Der Antrag auf eine Genehmigung nach Bundesimmissionsschutzgesetz für den Umbau ist bereits gestellt. Mitte nächsten Jahres sollen die Kreistage in Northeim, Göttingen und der Rat der Stadt Göttingen entscheiden. „Stimmen sie zu, können wir sofort ausschreiben“, so Rybarczyk. Anfang 2020 könne dann umgebaut werden.

Der Abfallzweckverband und die MBA

Der AbfallzweckverbandSüdniedersachsen (AS) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und wurde 2003 von den Landkreisen Göttingen, Northeim, Osterode (heute Landkreis Göttingen) und der Stadt Göttingen gebildet. Gemeinsam wollten und wollen die Mitglieder Abfälle aus der Region wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll entsorgen. Seit 2005 betreibt der Verband auf dem Gelände der Zentraldeponie Deiderode eine Anlage zur mechanisch-biologischen Abfallbehandlung – die MBA Südniedersachsen.

In diesem Jahr wurden dort etwa 94000 Tonnen Abfälle behandelt. Die Anlage ist für 133000 Tonnen genehmigt. Hinter den Verbandsmitgliedern standen bei der Gründung etwa des AS etwa 500000 Einwohner, die rund 118000 Tonnen Abfälle im Jahr erzeugten. Für das nächste Jahr haben die Mitglieder folgende Abfallmengen gemeldet: Stadt Göttingen – 26000 Tonnen, Altkreis Göttingen – 24000 Tonnen, Altkreis Osterode – 14500, Landkreis Northeim –25 700 Tonnen.

Von Ulrich Schubert

Göttingen Stadtbaurat antwortet auf Kritik - Ärger über Baustelle Groner Tor
31.12.2018
Northeim Vorschriften für Südniedersachsen - Silvester: Bei Regelverstößen droht hohes Bußgeld
31.12.2018