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Göttingen "Kultur und Leben" in ehemaliger JVA
Die Region Göttingen "Kultur und Leben" in ehemaliger JVA
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18:00 26.03.2017
Von Michael Brakemeier
Quelle: Brakemeier
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Göttingen

"Kultur und Leben sollen in die ehemalige JVA einziehen", sagt Dietmar Linne, Vorstand der Beschäftigungsförderung. Das geplante Hostel soll als "Leuchtturm" für das "Maschstraßenquartier" entwickelt werden. Das seit langem ungenutzte JVA-Gebäude soll saniert und zu einem "Ort der Begegnung, Beratung und Kultur" werden. Schon bei der Sanierung sollen Flüchtlinge beteiligt und dabei an unterschiedliche Berufe und Arbeiten herangeführt werden.

Haus mit Beratungsangebot geplant

Nach der Sanierung soll das Haus als gemeinnütziges Hostel mit rund 100 Übernachtungsplätzen betrieben werden, ebenfalls mit der Beteiligung von Flüchtlingen. Laut Projektbeschreibung sind das Deutsche Jugendherbergswerk und die Dehoga als Kooperationspartner am Betrieb beteiligt.

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Ein Teil des Gebäudes soll zudem für Kulturveranstaltungen wie etwa Theater, Konzert, Ausstellungen und Seminare genutzt und über Partner wie etwa das Boat People Projekt sollen Anwohner und Geflüchtete beteiligt werden. Schließlich ist geplant, in dem Haus auch Beratungsangebote, etwa Sozialberatung, Arbeitsmarktberatung oder Gründungsberatung  unterzubringen. Partner seien hier, so die Konzeptbeschreibung, das Migrationszentrum der Diakonie und die Beschäftigungsförderung. Nach Linnes Auskunft ist auch eine Sanierung und Umgestaltung des in die Jahre gekommenen, "unattraktiven" Waageplatzes geplant.

Sechs Millionen Euro Investitionsvolumen

Derzeit feilen er und sein Team noch am Feinschliff für das Konzept für die Quartiersentwicklung. EFRE-Mittel aus dem EU-Programm "Urban Innovative Action" (Innovative Maßnahmen der Stadtentwicklung) sollen damit eingeworben werden. Bis zu fünf Millionen Euro könnten bei Erfolg zwischen 2018 und 2020 nach Göttingen fließen, von der Stadt mit einer Million kofinanziert. Das gesamte Investitionsvolumen beträgt damit sechs Millionen Euro. Für die Erarbeitung des Konzeptes, das spätestens bis Mitte April eingereicht werden muss, stehen 20000 Euro im städtischen Haushalt bereit. Eine Entscheidung, ob Göttingen in das Förderprogramm aufgenommen wird, soll im September fallen.

Zurück geht die Bewerbung auf EU-Förderung auf einen Ratsantrag von SPD, CDU, Grünen und Antifa Linke im Rat der Stadt. Im Dezember hat der Rat den Antrag gegen die Stimmen von FDP, Piraten und Partei angenommen.

Linke teilen Kritik der Anwohner

Doch im Quartier gibt es auch Kritik an dem Vorhaben und vor allem an dem Vorgehen der Planer. Anwohner kritisieren, dass sie vor vollendete Tatsachen gestellt werden, ohne dass informiert worden sind noch in den Planungsprozess mit einbezogen worden sind. Und das, obwohl der Ratsantrag eine "aktive Beteiligung der Nachbarschaft" vorsieht. Die Fraktion der Linken im Rat, die sich bei der Abstimmung enthalten hatte, teilt die Kritik der Anwohner.

Aus Reihen des gerade gegründeten Bürgerforum Waageplatz-Viertel heißt es, dass etwa ein Hostel gar nicht ihren Bedürfnissen in dem Viertel entspräche. Eine große Befürchtung der unmittelbaren Nachbarn: Durch das Hostel kommt mehr Lärm ins Viertel. Ihre Vorschläge für die Nutzung der ehemaligen JVA reichen von Sporträumen über eine Bibliothek und Werkstätten bis hin zu Bandräumen und bezahlbarem Wohnraum.

Ehemalige JVA

Das Gebäude der ehemalige JVA am Waageplatz wurde 1836 gebaut und steht unter Denkmalschutz. Seit dem Bau einer neuen JVA bei Rosdorf vor neun Jahren wird das alte Gefängnis mitten in der Altstadt nicht mehr genutzt und steht leer. 2008 hat es die Stadt Göttingen gekauft – das Gebäude sollte als eines von drei Wissenshäusern für Ausstellungen der Universität entwickelt werden. Diese Pläne haben sich zerschlagen. us