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Göttingen Unterstützung von „Keiner soll einsam sein“ für Besuche der Kinder
Die Region Göttingen Unterstützung von „Keiner soll einsam sein“ für Besuche der Kinder
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14:43 19.12.2017
An Krebs erkrankter Familienvater erzählt Anja Schweitzer (Diakonieverband), Vera Wölk (Göttinger Tageblatt) seine Geschichte. Quelle: Richter
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Göttingen

2013 ist Gerald E. (Name geändert) erstmals an Krebs erkrankt, doch bereits bis dahin hat der heute Ende 30-Jährige einiges erlebt. 1998 kommt er für sein naturwissenschaftliches Studium nach Göttingen, hier lernt er die Mutter seiner beiden Kinder kennen, die heute im Teenageralter sind. „Nach sieben Jahren haben wir uns leider getrennt, und meine Ex-Freundin lebt mittlerweile mit den Kindern 300 Kilometer entfernt“, sagt E. Dennoch sehe er seine Kinder nach wie vor regelmäßig. E., der seit seiner Kindheit zu 50 Prozent schwerbeschädigt ist, beginnt nach seinem Studium eine Promotion.

Doch während er dabei ist, seine Dissertation zu schreiben, erkrankt 2009 seine Mutter an Krebs. „Mein Bruder und ich haben unsere Mutter dann gepflegt, denn uns lag es am Herzen, uns um sie zu kümmern“, schildert er. Während dieser Zeit haben auch seine Kinder, die nach seinen Angaben ein inniges Verhältnis zu ihrer Großmutter hatten, diese noch immer besucht. Die Eltern sind zu diesem Zeitpunkt schon getrennt. Nach dem Tod der Mutter im Jahr 2011 möchte E. im seine Dissertation fortsetzen, doch seine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter wird nicht verlängert.

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Geschwollenes Bein zunächst ignoriert

„Daher habe ich dann Arbeitslosengeld I bekommen“, erklärt E. Außerdem habe er, nachdem seine Mutter gestorben war, bemerkt, wie sehr ihn die Pflege doch beansprucht hatte. Dennoch sei es 2012 auch beruflich vorangegangen, und er habe viel Zeit am Schreibtisch verbracht. Deshalb schiebt er sein geschwollenes Bein Anfang 2013 auch zunächst auf eine Reizung vom vielem Sitzen, bevor er aufgrund einer früheren Borreliose-Erkrankung doch zum Arzt geht.

Bei einer Magnetresonanztomografie (MRT) und einer anschließenden Gewebeentnahme im Bein diagnostizieren die Ärzte bei E. Krebs. „Nach drei Operationen und acht Wochen Krankenhausaufenthalt war meine Beweglichkeit eingeschränkt“, erinnert E. sich. Und bis heute ist er beim Laufen auf Gehhilfen angewiesen. Auch wenn er erst einmal wieder gesund werden wollte, habe er seine Dissertation fortführen wollen. Die meiste Zeit sei er auf sich allein gestellt gewesen, da seine Familie nicht mehr in Göttingen gewohnt habe. Um die Situation besser verarbeiten zu können, habe er sich psychologische Hilfe gesucht. „Trotz der Erkrankung habe ich meine Kinder weiterhin regelmäßig sehen können, wofür ich meiner Ex-Freundin sehr dankbar bin“, sagt E.

Plötzlich Probleme mit der Wade

Bis 2015 sei er wieder so mobil geworden, dass er sein Fahrrad mit zur Reha nehmen konnte. „In der Reha habe ich Probleme mit meiner Wade bekommen, die ich zunächst für Muskelkater gehalten habe“, berichtet er. Doch trotz der Einnahme von Medikamenten seien die Schmerzen nicht besser, sondern eher schlimmer geworden. „Bei den ersten Untersuchungen haben die Ärzte in der Nähe der Rehaklinik nichts finden können“, sagt E. In den folgenden Wochen seien die Schmerzen, die mittlerweile von der Wade bis zum Steißbein reichten, so unerträglich gewesen, dass er nicht mehr gewusst habe, wie er liegen soll. Doch bis durch eine erneute MRT-Untersuchung die Ursache für die Schmerzen gefunden wurde, sei noch weitere Zeit verstrichen. „Ich habe einen Tumor im Rückenmark, der nicht heilbar ist“, berichtet E. von der zweiten Diagnose. Die zur Behandlung des Tumors eingesetzten Bestrahlungen und Chemotherapien hätten ihn verändert. Auch wenn er gern arbeiten würde, schaffe er es körperlich nicht mehr.

Seit 2016 ist E. jetzt dauerhaft verrentet. Doch durch die Umstellung von Hartz IV auf Rente stand er im Dezember 2016 ohne Geld da, weshalb er sich an die Kirchenkreissozialarbeit wendete. Denn das wichtigste für ihn seien seine Kinder, und denen wollte er trotz der Umstände ein schönes Weihnachtsfest bereiten. Hierfür erhielt er Geld von der Aktion „Keiner soll einsam sein“. „Außer finanzieller Hilfe habe ich hier auch eine Sozialberatung bekommen, und es wurde für mich ein Antrag bei der deutschen Krebshilfe auf Unterstützung gestellt“, erklärt E. Er ist nach eigenen Angaben froh über das deutsche Gesundheitssystem, denn ohne dessen guten Behandlungsmöglichkeiten wäre er vermutlich schon verstorben.

Trotz aller Schicksalsschläge und geringer Rente, ist für E. wichtig, dass er seine beiden Kinder, regelmäßig sehen kann und ihnen auch Wünsche erfüllen kann. „Die beiden stehen für mich absolut an erster Stelle“, betont er. Deshalb sei er froh, dass es seiner Ex-Freundin und ihm über all die Jahre gelungen sei, trotz der Trennung gemeinsam für die Kinder dazusein.

Von Vera Wölk

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