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Göttingen „Kriegskasse“ für zivilen Ungehorsam
Die Region Göttingen „Kriegskasse“ für zivilen Ungehorsam
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20:01 25.09.2009
Emmenhäuser gegen den Schleichverkehr: Anlieger bremsen auswärtige Autofahrer spontan aus.
Emmenhäuser gegen den Schleichverkehr: Anlieger bremsen auswärtige Autofahrer spontan aus. Quelle: Hinzmann
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Wegen der Arbeiten an dem Kreuzungspunkt zwischen Harste, Lenglern und Erbsen fährt viel Schleichverkehr durch Emmenhausen. An die 50 Bürger sind am Donnerstagabend im Dorfgemeinschaftshaus zusammengekommen, um über eine „Gegenwehr“ zu beraten. Die Sicherheit der Kinder liege ihm am Herzen, betonte der Ortsbürgermeister Gerd Ofiera (parteilos), außerdem die Sicherheit am Bahnübergang und die Kosten, die durch die starke Belastung der Straße später für die Instandsetzung veranschlagt würden. Die Gemeinde könne nichts mehr tun. Und auch nach der strengeren Beschilderung sei für das Dorf kaum Entlastung festzustellen. Die Sperrung für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen musste für Lieferverkehr wieder aufgehoben werden: Ein Heizöl-Laster hatte den Liefertermin wegen des Durchfahrverbots nicht einhalten können.

Mit Ortsrat Hartmut Wintzenburg (CDU) sammelte der Bürgermeister Vorschläge für das weitere Vorgehen der Emmenhäuser, um den Verkehr wieder einzudämmen. Ofiera betonte: „Wer hier langfährt, fährt legal. Die enge Straße durch das kleine Dorf ist eine öffentliche Straße.“ Nicht legal sei allerdings die Raserei. Einem Anlieger sei in diesen Tagen die Mülltonne entwendet worden. Ein aufgebrachter Autofahrer habe sie wohl als Hindernis betrachtet und kurzerhand aus dem Weg geräumt. „Mit etwas zivilem Ungehorsam“ wollen die Emmenhäuser nun den Weg durch ihr Dorf für Autofahrer möglichst unbequem machen. Von der Befragung eines Verkehrsexperten über das Verlegen von Schwellen und der Einrichtung von Gehweg und Zebrastreifen oder Spielstraße bis zur Pförtnerampel reichten die Vorschläge, von denen aber viele ein langwieriges Genehmigungsverfahren auslösen würden.

Für ein schönes Dorf

So wollen die Bürger Unterschriften sammeln, Plakate malen und Handzettel an Autofahrer verteilen. Ofiera sprach sich für eine einspurige Öffnung der Baustelle zu den Feierabendzeiten der Bauarbeiter aus. Andere stellten in Frage, ob die Umgestaltung sich wirklich bis in den November hinziehen müsse. „Dass so viele gekommen sind, zeigt doch, dass die Solidargemeinschaft im Dorf noch funktioniert“, sagte Wintzenburg. Damit keiner auf den Kosten für seinen Einsatz in der „zivilen Bürgerwehr“ sitzen bleibt, wurde eine „Kriegs-Kasse“ für die Ausgaben gebildet.
Dass die Emmenhäuser nicht nur reden, sondern auch Taten folgen lassen, haben sie gestern Nachmittag gezeigt. Gemeinsam machten sich 30 Frauen und Männer daran, die schon zerfahrenen Seitenstreifen wieder auszubessern. Für die Verschönerung ihres Dorfes waren sie mit Schubkarren und Schaufeln unterwegs auf der engen Dorfstraße. Manchem Autofahrer brachte die Fahrt durch den Ort deshalb nicht den gewünschten Zeitvorteil, sondern vielleicht sogar eine größere Verzögerung als der Weg über die Umleitung. Und die Emmenhäuser wollen nicht ruhen: Eine Demonstration wird bereits vorbereitet.

Von Ute Lawrenz

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