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Göttingen Kritik an Baumfällungen am Kiessee
Die Region Göttingen Kritik an Baumfällungen am Kiessee
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00:17 23.02.2017
Von Andreas Fuhrmann
Lösen Streit aus: Baumfällungen am Kiessee. Quelle: r
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Göttingen

„Der Ascherberg, genauer seine östliche Hälfte nahe dem Kiessee, war ein wilder, verwunschener Ort, an dem sich die Natur in den letzten 50 Jahren ungestört entwickeln konnte“, schreibt der Göttinger Ornithologe Hans Heinrich Dörrie auf der Internetseite des Arbeitskreises. Jetzt aber  hätten Mitarbeiter des städtischen Bauhofs „in diese Idylle Schneisen der Verwüstung geschlagen“. Aus Sicht des Natur- und Artenschutzes sei „die ganze Aktion überflüssig und von horrender Sinnlosigkeit“, so Dörrie. „Nichts hätte dagegen gesprochen, das Gebiet weiterhin in seinem urwüchsigen Zustand zu belassen. In den letzten 50 Jahren hat sich niemand daran gestört.“ Zumal der Ascherberg „Heimat von bis zu 35 Brutvogelarten (...) mit knapp 100 Paaren auf ganzen dreieinhalb Hektar“ sei. Erst 2016 habe eine Brutvogelkartierung, die die Stadtverwaltung beauftragt habe, „die außerordentlich hohe Arten- und Individuenzahl der ansässigen Vogelwelt“ bestätigt, so Dörrie.

„Die Kritik des Arbeitskreises Ornithologie gibt uns ein wenig Rätsel auf“

„Die Kritik des Arbeitskreises Ornithologie gibt uns ein wenig Rätsel auf“, sagt Verwaltungssprecher Detlef Johannson auf Anfrage: „Denn wir tun hier, worüber wir den Arbeitskreis informiert, was wir mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt und anschließend im Übrigen auch im Umweltausschuss in öffentlicher Sitzung vorgestellt haben.“ Und weiter: „Wir haben mit unserer Maßnahme Belange der Verkehrssicherungspflicht, der Naherholung und vor allem des Vogelschutzes optimal miteinander verbunden.“

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Erst nachdem die Verwaltung das Gebiet ornithologisch kartiert und alle für die Vogelwelt wichtigen Bäume erfasst habe, habe sie einen Plan entwickelt, der dem Schutz der Vogelwelt diene, so Johannson. Unter anderem werden demnach vom Kiessee bis zur ursprünglichen Grenze des Ascherbergwaldes  „kranke und hinsichtlich der Verkehrssicherung gefährliche Bäume entnommen. Wegen des Eschentriebsterbens musste hier relativ stark eingegriffen werden“, erklärte Johannson.         Am Rosdorfer Weg seien alle Bäume, die auf die Straße fallen könnten, entfernt und die Böschung freigeschnitten worden. Der eigentliche Wald sei für Menschen unbegehbar gemacht worden, „weil wir mit dem angefallenen Material die vorhandenen Wege verbarrikadiert haben“. Damit sei wesentlich mehr Ruhe für die brütende Vogelwelt garantiert als vorher, so der Verwaltungssprecher. Denn dass sich dort bislang keine Menschen aufgehalten hätten, wie der Arbeitskreis behauptet, „können wir nicht bestätigen“. Die Arbeiten seien damit abgeschlossen, so Joahnnson. Dörries Fazit: „Der einzigartige Charakter des Ascherbergs als faktische Naturwaldzelle ist dahin.“

35 Vogelarten

Vor einem Jahr war das Vogelparadies mutmaßlich vor einem Kahlschlag gerettet worden. Mitarbeiter des Stadtforstes standen schon mit Sägen bereit. Damals hatte ein zufällig vorbeikommender Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde die Kollegen gestoppt. Dass sich dort 35 Vogelarten tummeln, habe man schlichtweg nicht gewusst, räumte das Forstamt danach ein.