Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Kritik an Kruzifix-Anordnung in Bayern
Die Region Göttingen Kritik an Kruzifix-Anordnung in Bayern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:16 25.04.2018
Auch aus Göttingen kommt Kritik an den Kruzifix-Plänen aus Bayern.
Auch aus Göttingen kommt Kritik an den Kruzifix-Plänen aus Bayern. Quelle: epd-bild / Jens Schulze
Anzeige
Hannover/Göttingen

„Ich halte von solchen Aktionen gar nichts“, sagte Weil dem RND mit Blick auf den Vorstoß seines bayrischen Amtskollegen Markus Söder (CSU).

„Der Staat ist religiös neutral, wir haben keine Staatsreligion“, betonte Weil. „Wir sollten lieber das Verbindende in unserer Gesellschaft suchen.“ In Niedersachsen sei die AfD schwächer als in Bayern: „Vielleicht fragt sich die CSU einmal, warum das so ist.“

Das bayerische Kabinett hatte in seiner Sitzung am Dienstag die allgemeine Geschäftsordnung für die Behörden des Freistaats geändert. Im Eingangsbereich eines jeden Dienstgebäudes im Freistaat sei ab dem 1. Juni als Ausdruck der geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayerns deutlich wahrnehmbar ein Kreuz als sichtbares Bekenntnis zu den Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung in Bayern und Deutschland anzubringen.

Debatte um das Verhältnis von Religion und Staat

Die Anordnung löste eine breite Debatte um das Verhältnis von Religion und Staat aus. Religionsexperten von SPD, Grünen, FDP und Linke sahen am Mittwoch durch die Kreuz-Pflicht die Neutralitätspflicht des Staates in Gefahr. Die AfD begrüßte den Vorstoß. Kirchenvertreter warnten davor, das Kreuz für politische Zwecke zu missbrauchen.

Der Göttinger Kirchenrechtler Hans Michael Heinig sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), evident verfassungswidrig sei die Entscheidung des Kabinetts von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nicht. Sie berühre aber die Verpflichtung des Staates zur religiös-weltanschaulichen Neutralität und stelle daher „einen heiklen Grenzfall“ dar, argumentierte der Universitätsprofessor.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) verteidigte die Pläne. ZdK-Präsident Thomas Sternberg sagte dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“, das Kreuz betone den Stellenwert von Religionen und bedeute keinesfalls Ausgrenzung. Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, begrüßte die Anordnung. Er warnte aber zugleich davor, das Kreuz für politische Zwecke zu missbrauchen. Ein Kreuz an der Wand sei auch eine Selbstverpflichtung, sagte der bayrische Landesbischof.

Von epd

28.04.2018
25.04.2018
25.04.2018