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Göttingen Stadthalle Göttingen: „Lieber fünfmal statt dreimal überlegen“
Die Region Göttingen Stadthalle Göttingen: „Lieber fünfmal statt dreimal überlegen“
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00:22 25.03.2019
Die Göttinger Stadthalle ist eingezäunt. Der Bau soll saniert werden, derzeit gibt es jedoch eine Pause.. Quelle: Christina Hinzmann / GT
Göttingen

In einer gemeinsamen Sitzung des Bau- und Kulturausschusses am Donnerstag waren die Parteien übereingekommen, weitere Informationen einzuholen und Alternativen zur bereits begonnenen Sanierung der Göttinger Stadthalle neu zu bewerten. Diese Denkpause sei für die Göttinger Kulturszene prinzipiell gut, erklärt Nico Dietrich, Intendant des Jungen Theaters.

Die mehr als 90.000 Nutzungen im vergangenen Jahr zeigten, meint Dietrich, dass die Stadthalle „ein ziemlich großer Player“ im Göttinger Veranstaltungsgeschehen sei. Es sei vollkommen klar, dass die Stadt eine Veranstaltungsstätte in der Größenordnung der Stadthalle benötige. Ganz wichtig sei nun, „dass definiert wird, was für eine Art Stadthalle gebraucht wird“. Sehr sinnvoll sei es, dies nicht nur auf verwaltungs- oder politischer Ebene zu klären, „sondern vor allem mit den Nutzern, also vor allem mit dem Göttinger Symphonie Orchester, den Händelfestspielen und der GWG. Daraus sollte ein Nutzungskonzept abgeleitet werden“, erklärt Dietrich.

Erhalt oder Neubau? Im Stadtrat wird diskutiert, ob nach der Kostensteigerung von 10 Millionen Euro, es nicht die bessere Lösung wäre, die Stadthalle abzureißen.

Wichtig in diesem Abstimmungsprozess mit den einzelnen Veranstaltern und Organisatoren sei es, „dass nicht die eine Nutzung gegen die andere ausgespielt wird“. Unterschiedliche Nutzer hätten unterschiedliche Konzepte, die miteinander in Einklang gebracht werden müssten.

Was den Standort einer Göttinger Stadthalle – Albaniplatz oder anderswo – angehe, habe er keine eindeutige Meinung, erklärt Dietrich. Klar sei nur, dass die Göttinger Kulturszene in der Stadthallen-Frage gespalten sei.

Unstrittig sei zudem, dass eine mehr als siebenjährige Spielstättenpause, wie von der Verwaltung bei einem Stadthallen-Neubau errechnet, fatal sei. Dietrich: „Das wäre ein großer Einbruch, ein Riss in der Kulturszene der Stadt.“

Pause „unerträglich“

Das meint auch Johannes-Peter Herberhold, Geschäftsführer des Göttinger Literaturherbstes. Eine derart lange Pause sei „völlig unerträglich. Dann zieht der Tourneebetrieb an Göttingen vorüber.“ Es gebe viele Veranstaltungen für ein Publikum mit 800 bis 1500 Zuschauern.

Dass der Entscheidungsprozess über die Zukunft der Stadthalle wieder neu eröffnet wurde, findet auch Herberhold gut. Es gebe für eine Spielstätte in deren Größe „sehr viele Optionen“, die jetzt noch einmal diskutiert werden könnten: „Wenn ich so viel Geld ausgeben müsste, würde ich lieber fünfmal statt dreimal überlegen.“

Die alte Stadthalle, sagt Herberhold, habe ihm sehr gut gefallen. Die von anderen als veraltet angesehenen technischen Voraussetzungen seien für seine Veranstaltungen hervorragend gewesen. Herberhold räumt allerdings ein, dass das Drumherum wie beispielsweise die Garderobe „eigentlich nicht optimal“ war. Aber: „Göttingen braucht in jedem Fall eine solche Halle.“

Der Literaturherbst-Chef fragt sich unter anderem, warum die Möglichkeit nicht geprüft worden sei, an anderer Stelle eine neue Stadthalle zu errichten, um für diesen Zeitraum die alte Halle weiterzubetreiben. So hätte eine Veranstaltungspause im Stadthallen-Segment vermieden werden können.

Bindungen an Göttingen

Um eine solche Pause zu vermeiden, führt Herberhold noch eine weitere Überlegung ins Feld: Warum für die Bau- oder Sanierungszeit nicht systematisch andere Hallen in der näheren Umgebung nutzen? Dem Literaturherbst-Chef fallen dabei die Northeimer Stadthalle („eine hervorragend geeignete Halle“), die frühere Eichsfeldhalle, jetzt „Ballhaus zum fidelen Anreischken“ oder der PS-Speicher in Einbeck ein. Die Entfernungen seien zwar nicht ideal, aber mit einer geeigneten Vermarktung könnten Anbieter kultureller Veranstaltungen doch eher an Göttingen gebunden werden als bei einer echten Pause.

Noch eine andere Sorge treibt Herberhold um: dass bei allzu hohen Kosten, beispielsweise für einen Neubau, die Stadt sich gezwungen sehen könnte, aus Geldmangel an der Zuschüssen für die vielfältigen kulturellen Einrichtungen empfindlich zu sparen. Das könne im schlimmsten Fall dazu führen, dass das Kulturleben der Stadt abgewürgt wird, erklärt der Literaturherbst-Chef. Andererseits bleibt er Optimist: „Ich bin sicher, Göttingen wird die richtige Lösung finden.“

Pläne hängen noch

Die könnte ganz in der Nähe der Lokhalle zu finden sein, meint Klaus Hoffmann, Geschäftsführer des GSO. „Vor der Erweiterung der Lokhalle um die Halle 3 (Westschiff)“ im Jahr 2011, erklärt Hoffmann, „hat die GWG nach einer eingehenden Marktanalyse ein öffentliches Gutachterverfahren zur Schaffung neuer Veranstaltungsflächen durchgeführt.“

Sieger war damals der Berliner Architekt Prof. Claus Anderhalten. In der Nachbearbeitung des Entwurfes habe es bereits konkrete Pläne für die Schaffung einer Konzerthalle in dem neuen Hallenkomplex gegeben, betont Hoffmann. Angesichts der damaligen Finanzprobleme der Stadt sei dies jedoch nicht umgesetzt worden.

„Die Pläne des Wettbewerbs“, erklärt Hoffmann weiter, „hängen aber nach wie vor im Treppenhaus des GWG-Gebäudes, öffentlich zugänglich. Eine traurige Entwicklung.“ Angesichts der Kostensprünge in der Größenordnung von 50 Prozent „muss man neu nachdenken“.

Von Matthias Heinzel

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