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Göttingen Friedensbündnis demonstriert gegen Aufrüstung und Kriegsgefahr
Die Region Göttingen Friedensbündnis demonstriert gegen Aufrüstung und Kriegsgefahr
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16:00 31.08.2019
Die Geschäftsführerin der DGB-Region Südniedersachsen-Harz Agnieszka Zimowska tritt „Hass- und Spaltungsparolen“ entgegen. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Reden gegen Rüstungspolitik und aktuelle Kriegsgefahren haben am Sonnabend viele Passanten am Nabel zum Innehalten bewegt. Dem Aufruf von Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) und Göttinger Friedensforum zur Kundgebung am Vortag des Weltfriedenstages sind Veteranen der Friedensbewegung ebenso gefolgt wie der 13-jährige Tim Wiedenmeier von Fridays for Future. Wortbeiträge drehten sich um Auslandseinsätze der Bundeswehr, Aufrüstung in Europa, Rüstungsexporte, den Iran-Konflikt, die Kündigung des INF-Vertrages über Mittelstreckenraketen und ein weltweites Atomwaffenverbot.

„Give Peace a Chance“, „Bildung statt Bomben“. „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“ Die Protestsongs, Zitate und Parolen sind nicht neu, aber alles andere als verstaubt. Das meinte nicht nur Eckhardt Stedeler vom Friedensforum, der von besonders bedrohlichen Vorzeichen und Konflikt-Brisanz sprach. „Die Welt ist nicht sicherer geworden. Sie gleicht nach wie vor einem Pulverfass“, sagte Gerd Nier. Das Urgestein der Göttinger Friedensbewegung räumte „Phasen des Erlahmens nach vermeintlicher Beendigung des Kalten Krieges“ ein: „Die Hoffnung hat leider getrogen.“

„Krieg ist eine Krankheit“

Jetzt ist die Friedensbewegung wieder da, in deren Fahrwasser alte und neue Verbündete ebenso wie politische Gruppierungen mitschwimmen. DKP und Linkspartei verteilten am Nabel Flugblätter, Vertreter verschiedener Initativen meldeten sich zu Wort. „Frieden ist die Grundvoraussetzung für ein gesundes Leben, Krieg eine Krankheit“, sagte Tim Bunk von der Ortsgruppe der Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) und zählte die aktuellen Konflikte von Syrien bis zum Südsudan auf. Auch der Klimawandel beraube Menschen ihrer Lebensgrundlage, werde ganze Regionen unbewohnbar machen und habe das Potenzial, militärische Konflikte zu entfachen oder weiter zu befeuern. Der Annäherung an das Nato-Ziel, zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für deutsche Rüstungsausgaben zu verwenden, erteilte Bunk eine Abfuhr. Statt bei einem Bundesetat von 350 Milliarden Euro 75 Milliarden in die Rüstung zu stecken, sollte das Geld für drängende soziale und ökologische Probleme verwendet werden.

„Blowin in the wind“. Das Göttinger Friedensforum baut darauf, dass seine Forderungen nicht im Wind verhallen. Quelle: Peter Heller

Unser Lebensstil schaffe jeden Tag mehr Fluchtursachen, Deutschland sei seit dem Jugoslawien-Krieg Kriegspartei geworden – von Afghanistan bis Syrien, kritisierte Bunk. „Viele Menschen leiden unter Kriegen, die wohlhabende Länder zu verantworten haben“, schloss sich Wiedenmeier an. Der Achtklässler erinnerte an die dunkle Geschichte Europas, jahrzehntelangen Frieden als Produkt diplomatischer Bemühungen und warnte, dass Klimawandel und Krieg die Zukunft gefährden würden: „Wir müssen immer das Gespräch suchen. Krieg bringt nichts.“

Kritik an Aufrüstung

Das weiß auch Bruce Springsteen („War“), als dessen Fan sich DGB-Regionsgeschäftsführerin Anieszka Zimowska outete. Es gebe so viele Baustellen, für die das Geld besser verwendet werden könne als für Rüstung. Besorgt äußerte sich Zimowska über die weltweite Militarisierung. Autokraten würden Feindbilder schüren, Deutschland führe Kriege und sei Adressat von Rüstungsforderungen. „Die EU darf nicht zur Rüstungsunion werden“, mahnte Stedeler.

Den Iran-Konflikt thematisierte Pastor i.R. Ludger Gaillard: „Atomwaffen für Iran waren wegverhandelt worden, bis Trump alles zertrampelt hat.“ Deutschland müsse zur Deeskalation beitragen, dürfe keine Nibelungentreue zeigen und sich nicht in eine Militärmission am Golf verwickeln lassen: „Kein Blut für Öl hatten wir schon einmal.“

Ute Simmerling von der Göttinger Anti-Atom-Initiative kritisierte die Stadt Göttingen für die Ehrung von Robert Oppenheimer. Die Gedenktafel für den „Vater der Atombombe“ müsse wieder entfernt werden.

Sorge um Eskalation am Golf

Der Antikriegstag am 1. September wird traditionell von Gewerkschaften genutzt, um Frieden und Abrüstung anzumahnen – unter der Losung „Nie wieder Krieg. Nie wieder Faschismus“. Das war auch am 80. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen, mit dem der Zweite Weltkrieg begann, nicht anders. In der Bundesrepublik wurde der Gedenktag 1957 vom DGB initiiert. Bei der Kundgebung am Wochenende in Göttingen wurde der DGB vom örtlichen Friedensbündnis unterstützt, das sich als Friedensforum neu konstituiert hat.

Vortragsabende zum Thema Krieg und Frieden bieten das Friedensforum und die Ortsgruppe der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs im September an. Andreas Zumach spricht am Montag, 9. September, um 19 Uhr im Saal der Reformierten Gemeinde, Obere Karspüle, über den „Iran Konflikt – wie lässt sich ein Krieg noch vermeiden?“. „Aufrüstung zur Kriegsmacht Deutschland, eine Anleitung gegen den Krieg“ lautet der Titel des Vortrags von Henrik Paulitz am Donnerstag, 5. September, um 19 Uhr im Emmi-Nöther-Saal der Uni am Wilhelmsplatz. ku

Von Kuno Mahnkopf

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