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Göttingen Kunsthandwerk: Mit guten Ideen die Krise überstehen
Die Region Göttingen

Kunsthandwerk: Mit guten Ideen die Krise überstehen

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08:00 21.12.2020
Schaufenster des Popup-Stores für Kunsthandwerk in Göttingen
Schaufenster des Popup-Stores für Kunsthandwerk in Göttingen Quelle: Foto: r /Wintergalerie
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Göttingen

Das Ende eine jeden Jahres ist die Zeit der Kunsthandwerker, die mit ihren Angeboten die dunkle Jahreszeit aufhellen. Doch in diesem Jahr der Shutdowns, da war alles ziemlich anders, was die in diesem Bereich tätigen Mensch in ein Situation brachte, die durchaus existenzgefährdend sein kann. Gute Ideen und Zusammenarbeit waren gefragt.

Mit dem ersten Shutdown brach das Ostergeschäft weg, das war für die Kunsthandwerker ärgerlich, aber noch gut zu überstehen. Doch das Virus bewirkte, dass über das gesamte Jahr ein Markt nach dem anderen abgesagt wurde. Und auch Veranstaltungen, auf denen an Ständen Produkte verkauft werden konnten, die fielen ebenso aus. Wo sollten die Kunsthandwerker, die zumeist keine eigenen Ladengeschäfte vorhalten können, ihre Preziosen an Frau und Mann bringen? Die Hoffnung blieb, vieles mit dem Weihnachts- und Vorweihnachtsgeschäft wieder hereinzuholen.

Wenige Möglichkeiten zum Verkauf der Waren

„Wir hatten schlichtweg über das Jahr hinweg viel zu wenige Möglichkeiten, unsere Waren zum Verkauf anzubieten“, sagt Buchbinderin Renate-Katrin Zimmermann. Doch sie und einige ihre Mitstreiter hatten eine sehr gute Idee.

Anstelle der Stände auf dem nicht existierenden Göttinger Weihnachtsmarkt wurde kurzerhand eine Möglichkeit geschaffen, in ein bestehendes Geschäft in der Göttinger Innenstadt einen Kunsthandwerk-Popup-Laden zu installieren, also ein kurzfristiges und provisorisches Einzelhandelsgeschäft. Sechs Kunsthandwerker mit ihren Produkten Schmuckdesign, Strickmode, Textil, Keramik, Holzdesign und Papier- und Buchdruckkunst kamen im von Dagmar Kleinsorge gemieteten Textildruck-Geschäft unter. „Ab dem 1. Dezember haben wir in der Roten Straße unsere Waren angeboten, uns die Ladendienste aufgeteilt, und selbstverständlich wurde im Laden streng auf die Hygienebestimmungen geachtet.“

Doch mit dem kompletten Lockdown am Mittwoch, 16. Dezember, war es damit auch schon wieder vorbei. „Das hat uns alle schon etwas heruntergezogen, dass wir schließen mussten“, sagt Zimmermann. „Doch der Laden in der Roten Straße hat uns gezeigt, dass unsere Produkte, von der Weihnachtskarte bis zum wertvollen Ring, stark nachgefragt werden. Das war Balsam für die Seele. Das Geschäft lief sehr gut – bis wir schließen mussten“, sagt Zimmermann, deren Buchwerkstatt an der Carl-Giesecke-Straße 3 im Groner Industriegebiet liegt.

„Wir haben in der City wirklich gute Umsätze in dieser kurzen Zeit erzielen können, die stärksten Tage waren die Sonnabende und der Montag und der Dienstag vor dem Lockdown. Wenn wir doch bis Weihnachten hätten verkaufen können...“, sie holt tief Luft. „Jetzt hoffe ich, dass wir ab 10. Januar wieder öffnen können, denn bis 28. Februar können wir unsere Produkte in der Roten Straße weiter verkaufen.“ Dann ende für Ladenmieterin Kleinsorge der Mietvertrag, sie ziehe an einen neuen Standort an der Gotmarstraße, berichtet Zimmermann.

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Im Fenster des derzeit geschlossenen Ladens hängt nun ein Plakat mit den Adressen der Kunsthandwerker. „Wir würden uns über Kontaktaufnahme und Bestellungen sehr freuen“, sagt Zimmermann. „Natürlich gibt es bei uns auch Gutscheine.“

Ende Februar endet der Mietvertrag

Ende Februar des kommenden Jahres schließt der Popup-Laden an der Roten Straße seine Tore. „Doch wir würden unser liebgewonnenes Projekt gerne weiterführen, dafür suchen wir Räumlichkeiten in der Göttinger Innenstadt, die bezahlbar und möglichst zentral gelegen sind, um unsere hochwertigen Produkte zeigen und auch verkaufen zu können“, sagt Zimmermann.

Gerne seien weitere Mitanbieter bei diesem Projekt willkommen, und sie sieht eine Perspektive für das Jahr 2021. Ihr Fazit: „2020 war das schlechteste Jahr meiner Selbstständigkeit, schlechter darf es nicht werden. Doch das Projekt Popup-Laden hat mir und meinen Kollegen Mut gemacht, und ich hoffe, dass wir gemeinsam Möglichkeiten finden, es fortsetzen zu können.“

Support auch im Eichsfeld

In Duderstadt gab es unverhoffte Unterstützung für die Kunsthandwerker – natürlich auch hier keine Weihnachtsmarkt, keine Veranstaltungen, auf denen ein Stand mit Kunsthandwerk für besonders weihnachtliches Ambiente sorgte. Doch es gab Draeger & Heerhorst.

Das Brillengeschäft an der Marktstraße, das auch während des Lockdowns geöffnet sein darf, ermöglichte es hiesigen Kunsthandwerkern, ihre Stücke zu präsentieren. Besitzer David Gerlach hatte via Instagram Kunsthandwerkern angeboten, sich im gut sechs Meter großen Schaufenster zu präsentieren. „In Gieboldehausen war auch der traditionelle Weihnachtsmarkt ausgefallen, so kam ich auf diese Idee“, sagt Gerlach.

Der Aufruf fruchtete: Engelskerzen aus Bienenwachs, Weihnachtskugeln, Gemälde und afrikanische Holzkunst fanden den Weg in das Schaufenster des Ladens und das Interesse der Menschen. „Wir haben das mit Freude umgesetzt und die Kunstschaffenden auch beim Verkauf unterstützt“, sagt Gerlach. Bis Anfang des kommenden Jahres werden die Produkte dort zu sehen sein. „Die Krise hat eben nicht nur negative Seiten“, sagt Gerlach. „So etwas würden wir immer wieder machen.“

Von Frank Beckenbach