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Göttingen Keine Besserung ohne Bußgelder
Die Region Göttingen Keine Besserung ohne Bußgelder
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00:28 22.03.2018
Anwohner Rudolph Neitz sieht bisher keine Verbesserung in Sachen Verkehrslärm.
Anwohner Rudolph Neitz sieht bisher keine Verbesserung in Sachen Verkehrslärm. Quelle: Foto: Lieske
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Göttingen

„Ich merke jetzt keinen großen Unterschied zu vorher“, sagt Rudolph Neitz. Seit 20 Jahren wohne er in der Parisstraße. Vor allem im Winter sei der Verkehrslärm wegen der meist geschlossenen Fenstern aus seiner Sicht sowieso kein großes Problem. „Es kommt immer drauf an, wie der Wind steht“, sagt ein anderer Anwohner. Bei der Reduzierung um 20 Kilometer pro Stunde seien seiner Meinung nach aber keine große Veränderung zu erwarten. „Aber das stört doch nicht“, findet er.

Der nun durchgesetzten Reduzierung war eine lange Debatte in der Lokalpolitik vorausgegangen. Möglich wurde sie durch ein neues Gutachten, dass von einem höheren Verkehrsaufkommen durch den Anschluss des Güterverkehrszentrums Göttingen (GVZ) ausgeht. „Und so ist es ja dann auch gekommen“, sagt Karin Schultz (CDU), Mitglied im Ortsrat Hotlensen. Sie und die CDU-Fraktion hatten sich federführend für die Lärmschutzmaßnahme eingesetzt.

Etliche werden sich ärgern

Das es bisher keinen hörbaren Erfolg gebe, wundert Schultz nicht. „Ich bin der festen Überzeugung, dass sich da niemand dran halten wird, weil das vorher auch nicht passiert ist“, sagt die Politikerin mit Blick auf das Tempolimit. Schon vor der nun eingeführten Reduzierung galt Tempo 60 für Lkw. Geschwindigkeitskontrollen hatten aber gezeigt, dass sich nur die wenigsten daran hielten. „Wenn da jetzt andere Schilder stehen, werden sich etliche darüber ärgern, aber daran halten wird sich niemand“, so das resignierte Fazit von Schultz.

Diese Beobachtung hat auch Anwohner Heino Dorn gemacht: „Wenn ich hier 80 fahren, werde ich von den Lkw überholt. Bisher habe auch er keinen Unterschied in Sachen Verkehrslärm zu vorher bemerkt. Auch ein weiterer Anwohner ist dieser Meinung: „Die hören ja nicht auf“, sagt er in Bezug auf die Autofahrer, die weiterhin zu schnell unterwegs sind. Eine Verbesserung habe auch er bisher nicht bemerkt.

Lärmschutzmauer zu teuer

Als einzige Lösung, um das Tempolimit durchzusetzen, sieht Schultz Radarkontrollen. Diese seien fester Bestandteil der Maßnahmen zur Lärmreduzierung. Wann sie starten sollen, sei allerdings noch nicht klar.

Zur Debatte standen auch noch andere Lösungen, die scheiterten allerdings bisher an den Kosten: „Flüsterasphalt ist zu teuer und eine Lärmschutzwand ist auch zu teuer“, fasst Schultz zusammen. Denn die Straße liegt als Bundesstraße im Zuständigkeitsbereich der Verkehrsbehörde in Bad Gandersheim.

„Die rechtlichen Möglichkeiten der Stadt, im Sinne der Anwohner den Lärmschutz zu verbessern, sind beschränkt“, stellt auch Stadtbaurat Thomas Dienberg klar und fügte an: „Trotzdem ist es laut da und wir wollen was daran ändern.“ Daher sei auch der Austausch der Fahrbahndecke noch nicht vom Tisch. „Das Land will eine neue Decke auf die Straße bringen und da haben wir ins Gespräch gebracht, den Flüsterasphalt zu verwenden.“ Gespräche darüber seien bereits vereinbart. Weil der leisere Asphalt teurer sei als herkömmlicher, habe das Land Niedersachsen die Bedingung gestellt, dass die Stadt Göttingen die Mehrkosten trage. Wie hoch diese ausfallen werden, könne er aber erst nach den Gesprächen mit Vertretern der Behörde sagen, so Dienberg. Die Zahlen könnten dann dem Rat zur Entscheidung vorgelegt werden.

Eine Lärmschutzwand hingegen wird es nach Dienbergs Aussage nicht geben: „Die Lärmschutzwand ist so kostspielig, dass die Stadt sie nicht tragen wird.“ Auch das Land werde dafür nicht zahlen, weil es dazu rechtlich nicht verpflichtet sei.

Ob das Tempolimit nun schon die optimale Lösung ist, weiß auch Schultz nicht. Aber: „Das Tempolimit ist ein Anfang, wenn das immer noch nicht ausreicht, müssen wir weiter kämpfen“.

Von Finn Lieske