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Göttingen Landesarchiv erhält einzigartige „Fremdenbücher“
Die Region Göttingen Landesarchiv erhält einzigartige „Fremdenbücher“
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16:35 22.11.2017
Ein Eintrag vom schottischen Erfinder James Watt aus dem Jahr 1786 ist im Bergarchiv in Clausthal-Zellerfeld in einem Fremdenbuch der Grube Dorothea zu sehen. Quelle: dpa
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Clausthal-Zellerfeld

Das Niedersächsische Landesarchiv hat einen besonderen Bücher-Schatz erhalten. Es handelt sich um neun sogenannte Bergbau-„Fremdenbücher“ aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Die Bände, in denen sich zahlreiche Prominente verewigt haben, wurden vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), das die Schätze in seinem Bergarchiv in Clausthal lagerte, an das Landesarchiv übergeben. In den „Fremdenbüchern“ ist dokumentiert, welche Gäste damals die Grube „Dorothea“ in Clausthal-Zellerfeld besucht haben.

„Den 13. August 1784 zur Caroline eingefahren und zur Dorothea ausgefahren“, so lautet ein Eintrag, den der Dichterfürst Johann Wolfgang Goethe im Fremdenbuch Nummer 2 der Grube „Dorothea“ hinterließ, als er Ende des 18. Jahrhunderts den Harz besuchte. Und Heinrich Heine, der während seines Studiums in Göttingen (1820 – 1825) ebenfalls das nahe gelegene Mittelgebirge erkundete, hinterließ den Eintrag: „H. Heine aus Düsseldorf, stud. juris in Göttingen.“

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"Fremdenbücher der Dorothea" stehen im Bergarchiv in Clausthal-Zellerfeld im Harz (Niedersachsen). Die Bücher, die von 1753 bis 1886 entstanden sind, gelten als wichtige historische Quellen und werden vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie an das Bergarchiv übergeben. Quelle: dpa

Die beiden Dichter sind nicht die einzigen Prominenten, deren Einträge sich in den Fremdenbüchern finden. Denn der Harz mit seinen Naturschönheiten und der Bergbautechnik war schon vor Beginn des Massentourismus ein wichtiges Ziel der Studienreisen von Geistesgrößen und Gelehrten. Neben der Besteigung des 1141 Meter hohen Brockens waren damals sogenannte Befahrungen von Bergbaugruben besonders beliebt.

So hinterließen in den Gästebüchern der „Dorothea“ unter anderem auch der Philosoph Arthur Schopenhauer, der schottische Erfinder James Watt (Dampfmaschine), die Gebrüder Humboldt, der Theologe Friedrich Schleiermacher oder der norwegische Gelehrte Henrich Steffens Beiträge.

"Hier befand sich der Schacht Grube Dorothea" steht auf einer Dennert-Tanne in Clausthal-Zellerfeld im Harz (Niedersachsen). Quelle: dpa

Die Einträge in die Gästebücher, die von 1753 bis zur Einstellung der Befahrungen im Jahr 1886 am Eingang der „Dorothea“ auslagen, waren wichtig für die Betreiber der Bergwerke. Sie wussten so im Fall eines Unglücks, wer sich gerade in der Grube befindet. Heute gelten die Bücher als historische Quellen von einzigartigem europäischen Rang. Weil das niedersächsische Archivgesetz das Landesarchiv verpflichtet, entsprechende Quellen aufzubewahren, seien sie jetzt vom LBEG an das Archiv übergeben worden, sagte ein Sprecher.

Von Matthias Brunnert