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Göttingen Landeskriminalamt: Ein Sprengsatz-Eigenbau
Die Region Göttingen Landeskriminalamt: Ein Sprengsatz-Eigenbau
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19:54 23.04.2010
Tatort Teeküche: Linker Hintergrund „klar belegt“.
Tatort Teeküche: Linker Hintergrund „klar belegt“. Quelle: Hinzmann
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45-mal ist Göttingen in dem 261 Seiten starken Bericht für das Jahr 2009 genannt. Die seit 2006 anhaltende Serie von Brandstiftungen an Dienstfahrzeugen und Nobelautos, die Vorkommnisse rund um die nicht angemeldete Conny-Demonstration sowie – obwohl erst im Januar 2010 verübt – der vermeintliche Brandanschlag im Göttinger Kreishaus nehmen besonderen Raum ein.

Gestern hat Polizeipräsident Robert Kruse zu dem Bericht Stellung bezogen. Auf Anfrage bestätigte er auch, dass ein kriminaltechnisches Gutachten des Landeskriminalamtes (LKA) für den Kreishaus-Anschlag einen linksradikalen Hintergrund klar belege. Es sei als Tatmittel ein unkonventioneller Sprengsatz-Selbstbau benutzt worden, wie er vom Aufbau her auch bei anderen linksmotivierten Taten bereits zur Verwendung gekommen ist. Gleichartige, simple Baupläne kursierten in der linken Szene, so Kruse.

Kruse: „Linksmotivierte Straftaten haben 2009 in der Polizeidirektion Göttingen deutlich zugenommen. In allen anderen Bereichen politisch motivierter Kriminalität verzeichnen wir erfreuliche Rückgänge.“ Es seien 2009 insgesamt 536 derartige Taten registriert worden. Im Vorjahr waren es 643 (minus 17 Prozent). 249 Taten (Vorjahr 278) würden Tätern aus der rechten, 240 (Vorjahr 186) aus der linken Szene zugerechnet. Besonders deutlich falle der Rückgang bei politisch motivierter Ausländerkriminalität aus.

Kruse bezieht auch Stellung zu Taten, die sich erst 2010 ereigneten: Die beiden Überfälle vermutlich linker Täter gegen Personen, die Thor-Steinar-Jacken trugen, obwohl sie nach polizeilicher Erkenntnis keine Beziehung zur Neonaziszene haben, kommentiert Kruse: „Straftaten gegen tatsächlich oder vermeintlich Andersdenkende haben in einem Rechtsstaat keinerlei Rechtfertigung und werden unabhängig von der jeweiligen Motivation konsequent verfolgt.“

Kommentar von Jürgen Gückel

Tatsachen ins Auge sehen
Die Erkenntnis wird Sympathisanten der Linken und Gegnern der Ausländerpolitik nicht gefallen: Was am 22. Januar im Kreishaus geschah, war mit allergrößter Wahrscheinlichkeit die Tat eines politischen Wirrkopfs aus der linken Szene. Die Ergebnisse des kriminaltechnischen Gutachtens lassen nur diesen Schluss zu. Was anfangs nur Vermutung oder nicht belegte Behauptung von Polizeibeamten war, ist jetzt durch seriöse Untersuchung belegt. Damit sind krude Verschwörungstheorien, eine Kaffeemaschine sei geplatzt (angeheizt durch eine unglückliche Mail aus dem Göttinger Rathaus), und die Spekulation, Spürhunde seien einzig auf Linke angesetzt gewesen, endgültig vom Tisch. Tatsachen muss man ins Auge sehen.

Von Jürgen Gückel

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