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Göttingen Abgerechnet wird zum Schluss
Die Region Göttingen Abgerechnet wird zum Schluss
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17:25 23.01.2018
Fundamentbeseitigung und Sondermüll: Abbau und Erneuerung ausgedienter Windräder sind teurer als oft angenommen. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Viele Windkraftanlagen kommen mittlerweile in die Jahre und müssen abgebaut werden. Nicht selten bleiben dabei die Fundamente zum Ärger betroffener Landwirte im Boden. Im Landkreis Göttingen geht das nicht: Windrad-Besitzers müssen bereits im Verlauf des Genehmigungsverfahrens eine Bescheinigung des Anlagenherstellers über die Höhe der Beseitigungskosten nachweisen und eine Bankbürgschaft über diese Summe vorlegen, erklärt Kreisverwaltungssprecherin Andrea Riedel-Elsner. Die Kosten decken auch die vollständige Beseitigung der Fundamente ab. Die Folge:„Im Landkreis Göttingen sind bei einem Rückbau der Windenergieanlagen die Fundamente bislang immer vollständig entfernt worden“, sagt Riedel-Elsner.

Diese Prozedur dürfte in den kommenden Jahren regelmäßig auftreten. Zwei Gründe dafür: Die Windräder der ersten Generation geraten nach etwa 20 Jahren ans Ende ihrer Lebensdauer. Und viele jüngere Anlagen werden derzeit durch größere Windräder mit größerer Effizienz und höherer Leistung ersetzt – das sogenannte Empowering. Nur selten können die alten Fundamente unverändert weiterbenutzt werden, weil die neuen Anlagen in der Regel wesentlich größer und schwerer sind.

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Dazu müssen nicht nur die Anlagen selbst abgebaut werden, sondern laut Baugesetzbuch und dessen Erläuterungen auch die Fundamente komplett entfernt werden. Doch laut NDR halten sich nicht alle Kommunalverwaltungen daran. Vor allem an der Nordseeküste, wo sehr viele Anlagen stehen, begnügen sich viele Landkreise damit, nur den ersten Meter unter Flur abtragen zu lassen. Der Rest bleibt im Boden, die Fläche ist damit auch nach dem Abbau des Windrades versiegelt. Auch in der Region Hannover wird so verfahren. Die Argumentation: Mit einem Meter Bodenauflage könne dort wieder ganz normal Landwirtschaft betrieben werden, die Eigenschaften des Bodens seien damit weitgehend wieder hergestellt. Landwirte und Umweltschützer sehen das allerdings anders.

In den weiter südlich gelegenen Landkreisen Niedersachsens und in Mecklenburg-Vorpommern bestehen die Kommunalverwaltungen auf der kompletten Entfernung der Fundamente. Auch in der Region: Nicht nur der Landkreis Göttingen verfährt so, sondern auch die Kreise Northeim, Holzminden und Hildesheim. Hier werden die Anlagenbetreiber komplett in die Pflicht genommen.

Das treibt die Kosten für Windrad-Betreiber in diesen Landkreisen gegenüber den Belastungen ihrer Kollegen an der Nordseeküste in die Höhe. Zu dem erheblichen Aufwand für die Entfernung der Fundamente kommen außerdem weitere Kosten, die bei der Errichtung der Anlagen nicht immer bekannt waren. Während die Stahlsegmente in den Hochofen wandern können und das Fundament zu Recycling-Beton beispielsweise für den Straßenbau verarbeitet werden kann, werden die faserverstärkten Teile wie Rotorblätter und Gondeln seit Inkrafttreten der Technischen Anleitung für Siedlungsabfälle (TASi) im Jahr 2005 als Sondermüll eingestuft.

Seitdem ist die zuvor gängige Deponie-Ablagerung solcher Stoffe verboten. Und das wird richtig teuer. Hauptgrund: der hohe Organik-Anteil dieser Stoffe, der den zulässigen Grenzwert in Höhe von fünf Prozent Kohlenstoff deutlich überschreitet, erklärt das Unternehmen E-World aus Essen. Eine Beseitigung in Müllverbrennungsanlagen sei schwierig, weil große Mengen von Feinstaub entstünden und die Materialeigenschaften der Verbundstoffe zu Verklebungen in technischen Teilen der Müllverbrennungsanlage führten. Alles in allem führen diese Probleme dazu, dass die Beseitigung alter Windkraftanlagen mit deutlich höheren Kosten verbunden ist als zu Zeiten der Errichtung kalkuliert – alles in allem nicht selten eine böse Überraschung für Anlagenbetreiber.

Von Matthias Heinzel

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