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Göttingen Landkreis Göttingen nimmt 55 Kinder in Obhut
Die Region Göttingen Landkreis Göttingen nimmt 55 Kinder in Obhut
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22:52 16.07.2014
Von Andreas Fuhrmann
Quelle: Hinzmann
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Göttingen

2013 waren es 80 Kinder, die deswegen in einer Pflegefamilie oder einer Jugendhilfeeinrichtung untergebracht werden mussten.

Die Zahlen seien konstant, sagt Kreisrat Marcel Riethig (SPD). Es zeichne sich aber ein besorgniserregender Trend ab: „Die Kinder müssen immer länger in Obhut bleiben.“

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Das liege vor allem daran, „dass die Missstände nicht so schnell abzustellen sind“. Grund: „Die Familien können oft nicht das leisten wie früher. Die Strukturen in der Gesellschaft brechen weg“, so Riethig. Ziel müsse es daher sein, in strukturelle Angebote zur Kinderbetreuung zu investieren.Dazu stehe das Betreuungsgeld in Konkurrenz. Wenn das von Familien, in denen es Probleme gebe, angenommen werde, „ist das der falsche Anreiz“, sagt Riethig.

„Wir wünschen uns aber noch mehr solcher Hinweise“

Auch in der Stadt Göttingen ist die Gefährdung des Kindeswohls ein Thema. Hier mussten allein im ersten Halbjahr 2013 22 Minderjährige in Obhut genommen werden. Doch wie erfährt das Jugendamt davon, dass es Kindern schlecht geht?

Zum Beispiel erhalte das Jugendamt Meldungen von Dritten, aus Kitas oder Schulen, erklärt Jugenddezernent Siegfried Lieske (Grüne). „Wir wünschen uns aber noch mehr solcher Hinweise.“ In Einzelfällen seien es auch die Kinder selbst, die sich meldeten.

So wie in einem Fall in Hann. Münden im April. Damals sei dem Jugendamt des Landkreises „Staatsterror“ unterstellt worden, erinnert sich Riethig. „Dabei sind wir verpflichtet, ein Kind in Obhut zu nehmen, wenn es sich bei uns meldet.“ Das Jugendamt bekomme häufig „Prügel“ dafür, dass es den staatlichen Schutzauftrag annehme.

„Dennoch ist man nie davor gefeit, dass etwas passiert“

Stadt und Landkreis wollen die Zahlen der Inobhutnahmen senken. Dafür bauen sie derzeit das Netzwerk „Frühe Hilfen & Kinderschutz“ auf, wobei sie von vielen Partner unterstützt werden. Ziel ist eine bessere Zusammenarbeit von Menschen, die im Bereich Kinderschutz tätig sind.

Schwerpunkte sind mehr Prävention, frühzeitige Information zu Hilfsmöglichkeiten, das bessere Erkennen einer Kindeswohlgefährdung. In diesem Rahmen gab es gestern erstmals ein Fachforum. Thema: „Kindeswohlgefährdung? Sicher erkennen, sicher handeln“.

Das Interesse sei überwältigend gewesen, sagen Lieske und Riethig. Man sei auf einem guten Weg. „Dennoch ist man nie davor gefeit, dass etwas passiert.“

Notfallnummern

Notfallnummern bei einer Kindeswohlgefährdung: bei der Stadt unter 05 51 / 400 37 37, beim Landkreis unter 05 51 / 52 51 69.