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Göttingen Mein Landleben: Ewige Winternächte
Die Region Göttingen Mein Landleben: Ewige Winternächte
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19:39 04.01.2019
Wird in langen Winternächten auf dem Land wirklich so viel gehäkelt oder geschnitzt? Quelle: Foto: Weber
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Januar und Februar – da passiert nicht viel auf dem Land. Tagsüber höre ich aus dem Wald noch die Motorsägen. Doch mit der Dämmerung stellt sich rund um mein Haus die Stille ein. Manchmal sehe ich noch einen späten Jogger im Abendrot. Kurz darauf scheint sich bereits die Nacht über die Dörfer zu senken. Sie ist im Winter wirklich lang. Während in der Stadt zu diesem Zeitpunkt die Menschen in die Bars, Restaurants und Kinos strömen, kehrt auf dem Land wahre Ruhe ein. Die umliegenden Dorfkneipen sind längst für immer geschlossen worden. Ein Abstecher an gesellige Theken wäre echter Aufwand. Abgesehen davon, dass ein Kneipenbesuch mit dem Auto auch den Genuss von alkoholischen Getränken ausschließt.

Ich mache es also so, wie es die meisten Landmenschen während der Woche handhaben. Ich bleibe zu Hause vor dem Ofen. Dort sitze ich und denke darüber nach, was ich nun alles endlich machen könnte. Die Fotos sortieren. Das ist seit der Digitalfotografie nicht einfacher geworden. Nur, dass die Fotos nicht mehr in Schubladen liegen, sondern irgendwo auf Computer-Datenspeichern. Ich könnte auch meinen Kleiderschrank ausmisten. Oder nach und nach die Dinge auf dem Dachboden sortieren. Schließlich ist so ein neues Jahr auch ein Neuanfang. Da wäre es doch schön, sortiert zu starten. Aber diese Dunkelheit ist nicht gerade ein Motivations-Verstärker. Bei mir lässt sie vielmehr ein überwältigendes Feierabend-Gefühl aufkommen, das nach Sofa und Fernseher schreit. Zu diesem Gefühl gesellt sich direkt das schlechte Gewissen. Ich wurde darauf geprägt, dass Fernsehen verblödet und abstumpft. Ja, auch ein Kommunikationskiller ist. Außerdem gefällt mir das Programm nicht. Und die Werbung nervt. Natürlich gibt es Alternativen.

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Anke Weber Quelle: R

Den romantischen Bildern in diversen Medien zufolge müssten Landbewohner abends im Feuerschein entweder stricken oder Holzfiguren schnitzen. Kann ich aber beides nicht. Von meinen Nachbarn weiß ich auch nichts über vergleichbare Aktivitäten. Und wenn ich abends mal mit dem Auto durchs Dorf fahre, sehe ich hinter den meisten Fenstern ebenfalls nur das Flimmern der Fernseher.

Außerdem gucke ich ja auch gar kein Fernsehen, sondern Serien. Ich habe mir einen Zugang bei einem dieser Video-Anbieter gekauft, die Filme und Serien per Klick aus dem Internet direkt auf den Bildschirm liefern. Zu jeder Uhrzeit und ganz ohne Werbung. Macht also gar nicht blöd. Das ist quasi Landkino. Nur ohne die anderen Menschen und ihr Popcorntütengeraschel drumherum. Ich habe gerade eine neue Serie angefangen. Ein Glückstreffer. Sie hat mehrere Staffeln. Der Winter ist gerettet. Das reicht mindestens bis März.

Sie erreichen die Autorin unter: E-Mail: autorin@anke-weber.de Instagram:@ankeweber_author Facebook:@ankeweberautorin

Von Anke Weber

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