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Göttingen Landwirt aus Gieboldehausen kritisiert EU-Vorgabe
Die Region Göttingen Landwirt aus Gieboldehausen kritisiert EU-Vorgabe
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06:00 29.04.2019
Das Saatgut von Zuckerrüben darf nicht mehr wie bislang gebeizt werden. Das Verbot soll Bienen und andere als nützlich geltende Insekten schützen. Quelle: R
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Gieboldehausen

Es gibt ein Problem mit der Zuckerrübe - kein wirklich neues, aber ein wieder aufkommendes. Denn nicht nur der Mensch mag diese Feldfrucht. Auch Insekten wie etwa der Rübenerdfloh, Blattläuse und der Moosknopfkäfer finden Gefallen an der süßen Rübe. Seit Jahrzehnten werden diese - aus menschlicher Sicht – Schadinsekten durch eine Beizung des Saatgutes ausgemerzt. Dafür kommen Neonicotionide zum Einsatz. Drei Stoffe aus dieser Gruppe von Insektiziden hat die Europäische Union (EU) vor Jahresfrist speziell für den Rübenanbau verboten. Denn Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid schädigen beziehungsweise töten leider auch Bienen sowie andere Insekten, die wiederum Nahrung sind für Singvögel. Bekanntlich gehen beide Populationen seit Jahren zurück. Umweltverbände setzen sich für ein komplettes Verbot von Neonicotioniden ein. Ein solcher Schritt ist umstritten und trifft auch bei Markus Gerhardy auf Ablehnung. Gerhardy ist Landwirt in Gieboldehausen und stellvertretender Vorsitzender des Landvolks Göttingen.

Beizung schützt die junge Pflanze

Die Zuckerrübe zählt in dem von ihm geleiteten Familienbetrieb zu den traditionell angebauten Feldfrüchten. Um das Gesamtproblem, das er sieht, zu erklären, holt er etwas aus. „Die Beizung schützt die junge Pflanze in den ersten acht Wochen vor dem Insektenfraß“, sagt Gerhardy. Die bislang eingesetzten Insektenschutzmittel würden sich um die Hülle des Saatgutes legen. Mit dem Keimen der Pflanze dringe der Stoff in sie ein. Die junge Rübe wird quasi geimpft. Schadinsekten, die sie anfraßen, starben ab. In der weiteren Zeit des Wachstums der Pflanzen hätten sich die Neonicotionide soweit verdünnt und verflüchtigt, dass sie für den Menschen als Konsumenten keine Gefahr mehr darstellten. Folglich gehe es beim EU-Verbot auch nicht um den Menschen, sondern um den Bienenschutz. Ein wichtiges Anliegen, findet Gerhardy. Aber: „Was wir hier mit dem Wegfall der Beizung versuchen, ist nicht zielführend.“ Zum einen, argumentiert der Landwirt, sei die Zuckerrübe keine von Bienen gesuchte Pflanze. Zum anderen würden Bauern, um ihre Zuckerrüben zu schützen, jetzt unter Umständen mehrfach die Felder mit Insektiziden besprühen. Damit kämen womöglich mehr Giftstoffe in die Umwelt, als mit der Beizung. „Die Beizung ist eine sehr zielgerichtete, genaue Geschichte“, hebt Gerhardy hervor.

Folgenabschätzung bei Verboten dringlich

Ist also die diesjährige Rübenernte in Gefahr? „Das würde ich so nicht sagen“, wägt der 47-Jährige ab. Die Gefahr bestehe vielmehr darin, dass immer mehr Landwirte auf den Anbau der Zuckerrübe verzichten. Ein solcher Effekt sei beim Raps zu beobachten. Denn bei dieser Frucht gelte das Einsatzverbot von Neonicotioniden bereits seit drei Jahren. Der Anbau sei deutlich zurückgegangen. Bei der Zuckerrübe komme hinzu, dass ebenfalls vor drei Jahren die Zuckermarktordnung weggefallen ist. „Die Weltpreise für Zucker sind derzeit sehr niedrig, die Preisaussichten für den Rübenanbau schlecht“, weiß Gerhardy. Da stelle sich konsequenter Weise die Frage, ob sich Rübenanbau noch lohnt. Was dem Landwirt zudem missfällt, ist, dass in fünf Ländern der EU, wie Polen, Nofallverordnungen gelten. Polnische Bauern also dürfen die in Deutschland verbotenen Insektizide einsetzen. Das sei wettbewerbsverzerrend. „Ich fordere von der Politik eine Folgenabschätzung beim geplanten Verbot von Stoffen, um Vorteile und Risiken abwägen zu können. Und außerdem müssen auf europäischer Ebene getroffene politische Entscheidungen in allen Mitgliedsstaaten gelten.“ Das Verbot der Beizung von Rübensaatgut sei, so der Vertreter der Bauernschaft, ein unüberlegter Schnellschuss.

„Wir sind auf dem Holzweg“

Eine Frage noch: Wie ist das Problem früher gelöst worden? „Die Vorgängersysteme vor der Beizung bestanden aus einem großflächigen Ausbringen von Insektiziden, wie Lindan. Das hat jeden Regenwurm getötet. Die Beizung war ein deutlich besseres System“, vergleicht Gerhardy. „Wir sind auf dem Holzweg, wenn wir etwas abschaffen, ohne etwas Besseres zu haben. Es braucht entsprechende Entwicklungszeiten, um neue Systeme auf ihre Tauglichkeit überprüfen zu können.“

Von Ulrich Meinhard

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