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Göttingen „Lauf geht’s“: Mit polarisiertem Training soll der Halbmarathon gelingen
Die Region Göttingen „Lauf geht’s“: Mit polarisiertem Training soll der Halbmarathon gelingen
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18:00 17.03.2020
„Training ist mehr als Laufen“: Wolfgang Grandjean bei seinem Vortrag im Hotel Freizeit In. Quelle: Pförtner
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Göttingen

„Lauf geht’s“: Dieser Aufforderung kommen auch in diesem Jahr viele Bewegungshungrige nach und nehmen an der gleichnamigen Tageblatt-Aktion teil. Das Ziel: in einem halben Jahr so fit zu sein, dass beim Kassel-Marathon im September die Halbmarathon-Distanz bewältigt wird. Für rund 120 Teilnehmer gab es im Hotel Freizeit In einen Einführungsvortrag mit ersten wichtigen Informationen von „Lauf geht’s“-Initiator Wolfgang Grandjean. Sein Thema: „Training ist mehr als Laufen.“

„Jetzt wird’s ernst“, begrüßte Grandjean die angehenden Dauerläufer. „Unser Anliegen ist es, Sie ein bisschen mit dem Laufvirus zu infizieren“, fuhr er fort. „Denn die Immunabwehr zu stärken, ist das Beste, was man in diesen Tagen machen kann.“

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Teilnehmer gelangen an Belastungsgrenze – aber nur kurzzeitig

Die Zauberformel trägt den Titel „Polarisiertes Training“ – nach diesem Konzept wird trainiert. Polarisiert wird der Ansatz deshalb genannt, weil grundsätzlich in einem moderaten Bereich trainiert wird, die Teilnehmer aber andererseits auch kurzzeitig an ihre absolute Belastungsgrenze gelangen.

Im Ergebnis provoziert der Ansatz laut Grandjean eine höhere Sauerstoffaufnahme des Körpers, eine hohe Dauberbelastungsschwelle, einen besseren Trainingseffekt und eine geringere Verletzungsanfälligkeit. Vor allem aber fällt das kräftezehrende Training im mittleren Belastungsbereich weg.

Der Trainingspuls – ein Rechenexempel

Dass zielführende Einheiten auch mit Mathematik zu tun haben, verdeutlichte Grandjean anhand der Kalkulation des idealen Trainingspulses. Die Formel lautet: 220 minus drei Viertel des Lebensalters minus Ruhepuls, das Ergebnis in der Folge multipliziert mit dem individuellen Trainingszustands (mittelmäßig wäre der Faktor 0,7) plus Ruhepuls. Anschließend werden zehn Prozent abgezogen.

Grandjean erläuterte im Hotel Freizeit In den Teilnehmern, dass ihr Körper im Hinblick auf die Energiebereitstellung mit einem Hybridmotor zu vergleichen ist: Kohlenhydrate und Fette werden verbrannt. Die Fettverbrennung erfolgt im sogenannten Grundlagenausdauerbereich, also bis zu einer Geschwindigkeit von acht Stundenkilometern, und bei diesem Tempo bilden sich Mitochondrien aus, die Kraftwerke der Zelle. Deshalb: „Das meiste Training sind immer die langsamen, langen Läufe“ – so lautet die Vorgabe des „Lauf geht’s“-Vordenkers.

Im Prinzip gilt: Der sonntägliche Lauftreff ist für die Teilnehmer die härteste Einheit der Woche. Ihre Belastungsgrenze erreichen die Läufer jedoch nur hin und wieder bei Tabata-Training (schnellstmögliches Laufen auf der Stelle) oder bei Sprints, die der Regeneration dienen, weil andere Muskelgruppen angesprochen werden.

Vor allem Männer nehmen Regeneration nicht ernst

Regeneration sei nicht zu unterschätzen, unterstrich Grandjean und warnte: „Bitte nicht zu viel in kurzer Zeit wollen. Sie müssen dem Körper Zeit geben, sich zu regenerieren.“ Insbesondere Männer neigten zur Übertreibung – und plagten sich dann mit schmerzhaften Muskelfaserrissen herum. Unterstützung erfahren die Teilnehmer in dieser Hinsicht durch Move100, Sportmarke des Sanitätshauses o.r.t. und neuer Partner des Göttinger „Lauf geht’s“-Projekts.

Regeneration sei aber nicht nur verletzungsvorbeugend, sondern auch leistungsfördernd, berichtete Grandjean den verblüfften Zuhörern. Denn: Das Körperprinzip der „überschießenden Wiederherstellung“, der sogenannten Superkompensation, führe zu einem Leistungszuwachs durch Regeneration. Allerdings sollte die Regenerationsphase nicht zu lange währen – sonst drohe Stagnation.

In Zeiten von Corona sei das Wichtigste allerdings: Bleibt gesund! Darauf wies Grandjean am Montag hin und erläuterte die nun veränderte Vorgehensweise: Auf absehbare Zeit (wahrscheinlich bis Mai/Juni) werden sämtliche geplante Vorträge abgesagt. Als Ersatz werden mehrere Online-Videos mit Tipps angeboten. Weil die sonntäglichen Lauftreffs zunächst ausfallen müssen, werden die Teilnehmer gebeten, zunächst für sich selbst zu beginnen. Sobald die Treffs starten, werden alle Teilnehmer per Mail informiert.

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Von Eduard Warda

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