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Göttingen Laufender Prozess: Staatsanwalt fordert lange Haft für Kickboxer
Die Region Göttingen Laufender Prozess: Staatsanwalt fordert lange Haft für Kickboxer
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19:41 20.06.2013
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Göttingen

Der selbst ernannte Kickbox-Europameister Wisram Nasreddine, schon vor dem Prozess mit einem stattlichen Vorstrafenregister ausgestattet, soll einem Lotto-Millionär aus Gieboldehausen 425 000 Euro abgepresst haben (Tageblatt berichtete).

Der hatte im Juni 2011 im Lotto 1,77 Millionen Euro gewonnen. Nachdem der Kickboxer ihm von seinen Plänen für ein Jugendcamp am Södderich an der B 27 erzählte hatte, soll dieser ihn am 25. Oktober 2011 an den Wendebachstausee gelockt und unter Gewaltandrohung gezwungen haben, ihm 40 000 Euro in bar zu übergeben. Weitere Geldzahlungen in sechsstelliger Höhe per Überweisung folgten – aus purer Angst.

Angebliche Alibis für den Kickboxer nahm Staatsanwalt Torben Asmus nach allen Regeln der Kunst auseinander. Für den Mitangeklagten Marvin O. forderte er wegen Beihilfe zwei Jahre und drei Monate Haft.

Langwieriger Prozess

Mit den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigern am Donnerstag sollte der langwierige Prozess langsam zum Ende kommen – eigentlich. Den Schlussvortrag mit der Forderung eines uneingeschränkten Freispruchs ergänzte Verteidiger Oliver Hille jedoch mit einer Fülle zusätzlicher Beweisanträge, beispielsweise nach Offenlegung von Telefon- und SMS-Kontakten des angeblichen Erpressungsopfers am Tage des Treffens am Wendebachstausees, der nochmaligen Befragung der ermittelnden Polizisten und von Arbeitskollegen, die den Kickboxer am Tattag an der Arbeitsstelle im Obereichsfeld gesehen haben wollen.

Von Verängstigung keine Spur

Tenor: Täter ist nicht Nasreddine, sondern der Lotto-Millionär, der an eben diesem Tage verliebte Nachrichten mit seiner Freundin ausgetauscht habe – von Verängstigung keine Spur. Mit seiner Strafanzeige versuche er, Nasreddine seinerseits um Geld zu erleichtern. Und die Ermittler der Polizei hätten gar nicht erst versucht, den wahren Sachverhalt zu ermitteln, sondern die Vorwürfe einfach nur behauptet. Außerdem hätten sie den Mitangeklagten dazu gezwungen, gegen Nasreddine auszusagen. Das Geständnis hatte Marvin O. später widerrufen.

hein