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Göttingen Lebertransplantationen: Neues Ermittlungsverfahren gegen Klinikum Göttingen
Die Region Göttingen Lebertransplantationen: Neues Ermittlungsverfahren gegen Klinikum Göttingen
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16:29 30.08.2013
Von Jürgen Gückel
Erneut im Fokus der Ermittler: Universitätsmedizin Göttingen. Quelle: CH
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Göttingen/Braunschweig

Der sieht in der Tatsache, dass im Frühjahr 2012 nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen den Leiter der Transplantationen, Aiman O., zahlreiche Namen von dessen Warteliste auf eine Organverpflanzung gestrichen wurden, einen Angriff auf deren Gesundheit oder gar das Leben der Betroffenen. Diesen Menschen seien durch das Versagen der Möglichkeit, eine neue Leber zu erhalten, Überlebenschancen genommen worden, argumentiert Strafverteidiger Steffen Stern, der auch Aiman O. in seinem Verfahren vor dem Göttinger Schwurgericht vertritt.

25 Änderungen an Warteliste

Das Göttinger Tageblatt hatte am 14. Juni 2012 im Zusammenhang mit einem Interview mit dem UMG-Transplantationskoordinator Ralf Werner davon berichtet, dass es 25 Änderungen an der Warteliste gegeben habe – überwiegend waren das Streichungen, weil Patienten nicht ausreichend lange alkoholabstinent waren oder bei denen angeblich keine Indikation für eine Transplantation vorgelegen habe. Die am 26. Juli 2013 erstattet Anzeige beinhaltet sogar 66 Fälle. Die einst 131 Namen umfassende Liste O.s, so geht es aus den Prozessakten hervor, sei auf nur 65 zusammengestrichen worden. Ebenfalls in der Prozessakte spricht ein Ermittler der Polizei von rund 80 Patienten, die von der Warteliste genommen wurden.

Folgt man der Argumentation des Anzeigeerstatters, wurde durch die Streichung der Tod dieser Menschen billigend in Kauf genommen: der Verdacht auf Totschlag in etlichen Fällen. Zunächst, so der Anzeigeinhalt, solle die Staatsanwaltschaft prüfen, ob Menschen wegen der Steichung nicht mehr leben.

Tragische Folgen bekannt

In einem konkreten Fall sind bereits tragische Folgen bekannt. Während des zweiten Prozesstages bestätigte die Staatsanwaltschaft den Fall eines Patienten, der auf der Liste stand, weil seine Leber Auslöser war für einen Imundefekt, der binnen kurzer Zeit zwangsläufig zu einem unheilbaren Gallengang-Karzinom führen würde. O. und mit ihm die Transplantations-Konferenz wollten den Patienten vorsorglich rasch transplantieren. Dann wurde der Patient von der Warteliste gestrichen. Inzwischen hat sich der Krebs erwartungsgemäß entwickelt – aller Wahrscheinlichkeit nach unheilbar.