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Göttingen Leere Kassen – und jetzt auch noch leere Schränke
Die Region Göttingen Leere Kassen – und jetzt auch noch leere Schränke
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21:28 26.03.2012
Von Andreas Fuhrmann
„Kleinkariert“: Brigitte Grütz, zuständig für das Dorfgemeinschaftshaus, und Joachim Grotewahl vor leeren Schubladen.
„Kleinkariert“: Brigitte Grütz, zuständig für das Dorfgemeinschaftshaus, und Joachim Grotewahl vor leeren Schubladen. Quelle: Hinzmann
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Rosdorf / Settmarshausen

Dort räuberte die Gemeinde in Schubladen und Schränken des Dorfgemeinschaftshauses (DGH) – und ließ außer zwei Messern, zwei Löffeln und vier Tellern nichts übrig. Geschirr und Besteck benutzen jetzt die Schüler der Heinrich-Grupe-Schule in Rosdorf beim Mittagessen in der Mensa. Die Settmarshäuser sind deswegen natürlich ziemlich angefressen.

Allen voran Ortsbürgermeister Joachim Grotewahl (Bürgerliste). „Kleinkariert“ nennt er das Vorgehen der Gemeinde, über das er sich nur wundern könne. „Das ist doch ein Witz. Da bauen die für mehr als 300 000 Euro eine neue Mensa und haben dann kein Geld für Geschirr.“ Lachen kann Grotewahl darüber aber nicht.

„Abenteuerliche Begründung“

Ebenso wenig über die „abenteuerliche Begründung“, warum es ausgerechnet Settmarshausen traf. „Unser Dorfgemeinschaftshaus wurde letztes Jahr nur fünfmal vermietet. Da lohne es sich nicht mehr, das gemeindeeigene Geschirr dort zu lassen“, habe es geheißen. „Demnächst holen sie auch noch unsere Tische und Stühle“, echauffiert sich Grotewahl.

Bei der Gemeindeverwaltung gibt man sich betont gelassen. „Das stimmt so“, sagt Manfred Hampe. Das DGH Settmarshausen werde „nur relativ gering“ genutzt. Als man dann Geschirr und Besteck für die Mensa benötigte, sei der Verwaltung schnell die zündende Idee gekommen: „Na gut, dann holen wir uns das Geschirr und Besteck aus Settmarshausen.“ Zumal die Gemeinde das DGH ohnehin mittelfristig abstoßen wolle.

Geschirr zu Bruch gegangen

Die Schule sei mit dem Geschirr zwar anfangs nicht so glücklich gewesen, weswegen ursprünglich von einer Übergangslösung die Rede gewesen sei, sagt Hampe. Es sei aber entgegen erster Annahmen nur wenig Geschirr zu Bruch gegangen. „Deswegen kann und will die Schule das jetzt dauerhaft nutzen.“

Mieter des DGH müssen künftig also immer Geschirr mitbringen, wenn sie dort Geburtstag, Konfirmation oder goldene Hochzeit feiern wollen. Auch das hat die Gemeinde übrigens bedacht und dem Ortsrat jetzt mitgeteilt, die Miete herabsetzen zu wollen – von 63 auf 50 Euro.
Damit wird es noch schwieriger für den Ortsrat, über Einnahmen aus der Vermietung neues Geschirr zu kaufen. Daher will man jetzt bis zu 800 Euro aus Ortsratsmitteln investieren. Ob dieses Vorhaben jedoch umgesetzt wird, ist noch offen. Der Ortsrat will das bei einer Tasse Kaffee besprechen. Treffen ist im DGH. Das Kaffee-Service hat die Gemeinde immerhin dort gelassen.