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Göttingen Leine: Kein Abwasserkanal, sondern Lebensader
Die Region Göttingen Leine: Kein Abwasserkanal, sondern Lebensader
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20:38 14.08.2011
Von Jürgen Gückel
Badetag in der Leine: 25 Schwimmer und 150 Schaulustige kamen auf Einladung des BUND.
Badetag in der Leine: 25 Schwimmer und 150 Schaulustige kamen auf Einladung des BUND. Quelle: Heller
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Das zu ändern, darum ging es: Die Leine soll wieder ins Bewusstsein der Göttinger gelangen, nicht als Abwasserkanal, sondern als Lebensader mit ökologischer Funktion und zur Freude der Menschen, die sich darin erfrischen und daran erholen. So begründete Ralph Mederake vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) den Leinebadetag, der diesmal am Westufer im noch nicht renaturierten Abschnitt nördlich der Godehardbrücke organisiert worden war. Jene Bereiche, die erst in diesem und im letzten Sommer umgestaltet wurden, wollten die Badenden noch schonen, erklärt Organisatorin Ulrike Teuscher. 2009 fand der zweite Badetag noch in Höhe der Lokhalle statt.

Als so ganz ideal erwies sich die Stelle dann doch nicht: Fionn Pape, demnächst im freiwilligen ökologischen Jahr beim BUND, fischte zunächst noch die Reste eines Fahrrades und eine Einkaufstasche aus den Fluten. Dann konnte gebadet, ja gar gegen den Strom geschwommen werden. Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) und Ehefrau Annette, er mit Innerstewasser getauft, ist nun auch mit Leinewasser gewaschen. Und er kann sich vorstellen, dass nach der Renaturierung besonders im Bereich Lokhalle die Stadt und ihre Bürger näher an den Fluss rücken – mit Badetuch und Grill. „Wie in den Isarauen vielleicht nicht, aber so ähnlich“, sagt er.

Dass es überhaupt dazu gekommen ist, der kanalisierten Leine im Stadtgebiet nach und nach ein natürliches Bett zu geben, rechnen sich auch die BUND-Leute selbst an. Gemeinsam mit den Anglern hatten sie gegen einen Planfeststellungsbeschluss zum Hochwasserschutz protestiert, der eine Vertiefung des Flusses und Erhöhung der Deiche vorsah. Nach dem neuen Beschluss von 2007 darf die Leine nun Sandbänke und Röhrichtzonen, ja sogar einige hochstämmige Bäume im Flussbett haben. Seltene Flussneunaugen fühlen sich jetzt schon wohl darin – menschliche Badegäste auch.