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Göttingen „Leine-Philharmonie“ im BER-Format?
Die Region Göttingen „Leine-Philharmonie“ im BER-Format?
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22:00 08.02.2019
„Kachelofen“ am Göttinger Albaniplatz.
„Kachelofen“ am Göttinger Albaniplatz. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Komische Kunst hat nicht nur etwas ungemein Unterhaltendes, sondern auch das Privileg, Wahrheiten auf den Punkt äußern zu dürfen. Man kann’s zur Not immer noch unter „Satire“ verbuchen. So geschehen am vergangenen Sonntag. Bei der Verleihung des „Göttinger Elches“ an Gerhard Haderer erklärten die Well-Brüder, früher in ähnlicher Besetzung als „Biermösl Blosn“ bekannt“ dem faszinierten Publikum im rappelvollen Deutschen Theater, warum die Sparkasse diesen Satirepreis nicht mehr sponsert: Die Kohle fließt jetzt in die Stadthallensanierung.

Wenn’s richtig dumm läuft, entwickelt sich der Kachelofen am Albaniplatz tatsächlich noch zur „Leine-Philharmonie“ im BER-Format. Für viel Geld hingefrickelt, und zum Schluss stellt jemand fest: Mist, Steckdosen vergessen. Da kann einem der Oberbürgermeister auch wirklich leid tun. Er muss einen Klotz sanieren, dessen äussere Hülle von fesselnder Hässlichkeit ist und innen aussieht wie ein Kulturhaus in der havarierten DDR. Im sanierten Zustand wird der Klotz übrigens nicht ein Stück hübscher. Kann in das Ding nicht mal ein ordentlicher Blitz einschlagen?

Etwas länger im Dienst, aber bedeutend besser in Schuss als die Göttinger Stadthalle ist der Herr des Duderstädter Stadthauses. Wolfgang Nolte wartet Sanierungsstau gar nicht erst ab, sondern nimmt sich nach mehr als 30 Jahren selbst aus dem Rennen. Zum Verständnis für jüngere Leser: Der ist schon so lange Verwaltungschef, dass er zu Beginn seiner Amtszeit noch auf der anderen Seite des Zaunes eines Dachdecker aus dem Saarland als DDR-Babo erlebt hat, der „Deutsche Demokratische Republik“ in 1,5 Silben aussprechen konnte. Eine gleichermaßen unerreichte wie unnütze Leistung. Und kaum war Nolte Boss im Rathaus, war der Zaun weg. Reife Leistung.

Sie erreichen den Autor unter E-Mail: c.oppermann@goettinger-tageblatt.de
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Von Christoph Oppermann

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