Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Kanuten trainieren im Wildwasser
Die Region Göttingen Kanuten trainieren im Wildwasser
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:11 28.07.2017
Von Britta Bielefeld
Die beiden Kanuten auf dem überschwemmten Sandweg sind absolute Spezialisten - Für Anfänger ist es dort viel zu gefährlich.
Die beiden Kanuten auf dem überschwemmten Sandweg sind absolute Spezialisten - Für Anfänger ist es dort viel zu gefährlich. Quelle: r
Anzeige
Göttingen

Die Warnstufe wurde vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasser und Küstenschutz (NLWKN) aufgehoben, nur in Northeim und Greene bestand an der Leine noch die Warnstufe zwei.

Bei weiter sinkenden Pegelständen an der Leine  hofft die Göttinger Stadtverwaltung darauf, die Straße “Am Sandweg” am Freitag wieder für den Verkehr öffnen zu können. “Wenn wir viel Glück haben, gibt es morgen im Laufe des Tages wieder freie Fahrt”, so Verwaltungssprecher Detlef Johannson am Donnerstag.

Während die Autofahrer wegen der Sperrung in der Stadt Umwege in Kauf nehmen und sich durch verstopfte Straßen schlängeln mussten, hatten einige Göttinger ihre Freude an den Fluten. Nicht nur Spaziergänger, die sich die braune Brühe  anschauten, auch Wassersportler nutzen die seltene Gelegenheit für eine turbulente Wildwasser- Kanu-Tour. Wie Gerd Bode, stellvertretender Leiter der Kanuabteilung des Turn- und Wassersportvereins TWG 1861, mitteilte, gebe es dieses Gelegenheit nur alle fünf, sechs Jahre. “Wenn der Höchststand der Leine überschritten ist und der Pegel wieder sinkt, sind auch Baumstämme und anderes Treibgut bereits durchgespült”, sagt er.

Nur dann sei der Sport dort möglich. An einigen Abschnitten zwischen Sandweg und ehemaliger Flüthebrücke  hätten sich  Schwälle und Strudel gebildet an denen in der braunen Brühe  geübt werden konnte.  “Schlucken sollte man das Wasser natürlich lieber nicht”, sagt er. Gegen 20 Uhr am Mittwoch haben Tabea Lürs  (Göttinger Paddler Club) und Jan Austen, Übungsleiter  vom TWG  das Hochwasser genutzt, um durch die Wasserwalzen und Kehrwasserströmungen zu paddeln. Bode: “Die beiden sind absolute Spezialisten.” Für Anfänger sie es dort viel zu gefährlich. Die Kanuten und einige Zuschauer freuten sich laut Bode über den derzeitigen Wasserstand  auf der Straße und im Flüthe-Becken.

Andauernder Regen hatte bereits von Montag auf Dienstag binnen 24 Stunden mehr Regen über Göttingen vom Himmel fallen lassen, als sonst im gesamten Monat Juli. Wie Brigitte Haase vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Hamburg mitteilt, sind von Montag auf Dienstag (Zeitraum 7.51 bis 7.50 Uhr) 64,3 Liter Regen binnen 24 Stunden gefallen, von Dienstagmorgen bis Mittwoch waren es noch einmal 61, 2 Liter und am Mittwoch ab 7.50 Uhr  2,9 Liter Regen. Die Dauerregenphase brachte also 128,4 Liter Wasser pro Quadratmeter Fläche in Göttingen. Die Werte in Ossenfeld liegen laut Haase ähnlich hoch. In Ossenfeld hat der DWD von Montag auf Dienstag 77,4 Liter und 59 Liter am Folgetag gemessen. An der Messstation in Ossenfeld fallen dem langjährigen DWD-Mittel zufolge im gesamten Juli im Schnitt 72,3 Liter Regen.

Während der Pegel der Leine in Südniedersachsen kräftig sank, erwartete das NLWKN für den Unterlauf wie beispielsweise  im Bereich Bad Salzdetfurth ein weiteres Ansteigen. Auch der Pegel der  Werra im Bereich Letzter Heller bei Hann.Münden stieg bis Donnerstagnachmittag noch an, Meldestufe eins war erreicht. 3,53 Meter hoch war der Pegel. Auch für die Rhume bei Northeim und Elvershausen galt noch Meldestufe eins. Das bedeutet laut NLWKN einen “Bordvollen Abfluss und stellenweise Beginn der Ausuferung.” Also volle Flüsse.