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Göttingen Lesen statt Laub fegen: Projekt für Straftäter
Die Region Göttingen Lesen statt Laub fegen: Projekt für Straftäter
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18:26 12.01.2011
Initiatoren des Lesen!-Projekts (v. l.): Brigitte Krompholz-Roehl (Stadtbibliothek), Michael Löhning (Jugendgerichtshilfe Landkreis), Margrit Kleuker (Jugendgerichtshilfe Stadt), Dagmar Schlapeit-Beck, Oliver Jitschin und Karin Danielowski (Freundeskreis).
Initiatoren des Lesen!-Projekts (v. l.): Brigitte Krompholz-Roehl (Stadtbibliothek), Michael Löhning (Jugendgerichtshilfe Landkreis), Margrit Kleuker (Jugendgerichtshilfe Stadt), Dagmar Schlapeit-Beck, Oliver Jitschin und Karin Danielowski (Freundeskreis). Quelle: Heller
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Kultur- und Sozialdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck fast zusammen: „Bildung statt Strafe.“ Die Idee stamme aus Fulda. Die dortige Jugendgerichtshilfe habe bereits gute Erfahrungen gesammelt, so Margrit Kleuker von der Jugendgerichtshilfe der Stadt. Auch in Dresden gebe es ein ähnliches Projekt. Das Besondere an dem Göttinger Model: die Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek.

Man will mit dem Projekt eine straftatbezogene Alternative oder Ergänzung zu der richterlichen Weisung anbieten. Die neue Auflage soll in „geeigneten“ Fällen ausgesprochen werden, erläutert Jugendrichter Oliver Jitschin. In Frage kommen jugendliche Ersttäter, die ein Bagatelldelikt begangen haben und auch die Bereitschaft mitbringen, die Auflage zu erfüllen. So gebe es durchaus auch Delinquenten, die lieber Arbeitsstunden abreißen als ein Buch zu lesen. In einigen Fällen, zum Beispiel im Jugendarrest, wurde die neue Auflage bereits aufgegeben, mit „sehr guten“ Erfolgen, wie Jitschin und Kleuker finden.

Der Freundeskreis der Stadtbibliothek, der das Projekt finanziell unterstützt, hat elf Buchtitel angeschafft die sich mit Themen wie Alkohol, Drogen, Schwänzen, Mobbing, Diebstahl und Körperverletzung beschäftigen. Die Jugendlichen wählen gemeinsam mit der Jugendgerichtshilfe ein passendes Buch aus, was dann in der Stadtbibliothek ausgeliehen werden kann. Über das Buch soll dann eine Art Aufsatz verfasst werden, in dem auch individuelle Fragen beantwortet werden müssen: „Kannst du dich mit einer der Personen identifizieren?“, „Warum?“ So soll Abschreiben verhindert werden.

Im vergangenen Jahr betreuten die Jugendgerichtshilfen von Stadt und Landkreis knapp 1400 Verfahren. In etwa zehn Prozent der Fälle soll das neue Projekt in Frage kommen. Jitschin betont aber, dass die Leseauflage die Arbeitsstunden keineswegs ersetzen soll.

Von Lukas Breitenbach