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Göttingen Im zweiten Anlauf: Nur leiser Protest gegen Thomas de Maizière
Die Region Göttingen Im zweiten Anlauf: Nur leiser Protest gegen Thomas de Maizière
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20:33 26.11.2019
„Freie Radikale lesen radikal frei“: Gegenveranstaltung zur Lesung mit Thomas de Maizière im Alten Rathaus. Quelle: Richter
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Göttingen

Die Mehrheit der Menschen, die sich am Dienstagabend rund um das Alte Rathaus aufhielten, waren wohl nicht gekommen, um den ehemaligen Bundesinnenminister Thomas de Maizière zu sehen oder gegen ihn zu protestieren. Sie standen an einem der Glühwein- oder Bratwurststände und erfreuten sich am frisch eröffneten Göttinger Weihnachtsmarkt.

Bei genauerer Betrachtung sah man sie aber doch: Die Besucher, die den Worten des CDU-Politikers folgen wollten und diesmal ungehindert ins Innere des Alten Rathauses gelangten. Die etwa 100 Demonstranten, die auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes gegen die Abschiebepolitik der Bundesregierung und für die Unterstützung der Kurden in Rojava protestierten. Die Polizisten, die sich dezent im Hintergrund hielten. Und die Kamerateams, die es nicht verpassen wollten, wenn sich die Ereignisse aus dem vergangenen Monat wiederholen sollten.

Thomas de Maizière las trotz Protest im Alten Rathaus. Quelle: Niklas Richter

Erster Anlauf

Am 21. Oktober war de Maizières im Rahmen des Literaturherbsts nämlich schon einmal hier gewesen, seine Lesung aber kurzfristig abgesagt worden. Mehr als 50 Demonstranten hatten die Zugänge zum Rathaus blockiert und den Ex-Bundesminister lautstark für eine „rassistische Politik“ verantwortlich gemacht. Der verzichtete auf seinen Auftritt und kündigte an, den Termin später nachholen zu wollen. Johannes-Peter Herberhold, Geschäftsführer des Literaturherbstes war nach eigenen Schilderungen sogar körperlich angegangen worden, als er in den Saals des Rathauses gelangen wollte. Dennoch hatte die Polizei auf eine Räumung verzichtet, die Lage beruhigte sich nach kürzester Zeit.

Bei der angekündigten Wiederholung nun kam es bereits im Vorfeld zu Eskalation. Unbekannte verübten vor zwei Tagen einen Brandanschlag auf die Göttinger Ausländerbehörde und stellten in einem mutmaßlich echten Bekennerschreiben im Netz einen Zusammenhang zum Besuch de Maizières her. „Die Politik von Politiker*innen wie Thomas de Maizière ist eine mörderische Politik!“, hieß es dort unter anderem. Er stehe für ein menschenverachtendes System, dem man den Kampf ansage.

Gesang und heißer Tee

Der Vehemenz dieser Worte folgte allerdings am Dienstagabend eine eher familiäre Protestveranstaltung. Die Gruppe „Antifaschistische Linke International“ (A.L.I.) und das „Solidaritätsbündnis für Rojava“ hatten eine öffentliche Lesung zum Thema „Außerordentlich demokratisch – Freie Radikale reden radikal frei!“ angemeldet. Vom ursprünglichen Standort auf dem Markt war man aus Platzgründen in Richtung Rote Straße ausgewichen. Hier sang man Lieder und trug Texte des verbotenen „kurdischen Mezopotamien-Verlages“ vor. So hatte man es zumindest angekündigt.

Ein Sarg, einige Transparente, ein wenig Gesang und heißer Tee – nichts, was die Veranstaltung im Inneren des Alten Rathauses hätte behindern können. Noch kurz vor seiner Lesung hatte de Maizière die anwesenden Medien zu einem kurzen Pressegespräch gebeten. Der Minister nahm deutlich Stellung zu den Ereignissen der letzten Tage in Göttingen. Er sei bestürzt gewesen, als er von dem Brand im Amtshaus und der Bedrohung der Mitarbeiter erfahren habe. „Die Intensität der politischen Auseinandersetzung nimmt zu“, so de Maizière vor Journalisten. Dann wandte er sich fast pünktlich um 19 Uhr seiner Lesung zu.

Polizei zufrieden

Bis zu diesem Zeitpunkt war das Geschehen rund die Lesung ruhig verlaufen. Rainer Nolte, Einsatzleiter der Göttinger Polizei, zeigte sich zufrieden. Zwar sei es für eine endgültige Bilanz noch zu früh, aber bislang hätten sich alle an die Absprachen gehalten. Und für die zahlreichen Weihnachtsmarktbesucher war der Abend ohnehin gelungen – mit oder ohne Ex-Minister.

Von Markus Scharf

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