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Göttingen Lieske wirft CDU Ausgrenzung junger Menschen vor
Die Region Göttingen Lieske wirft CDU Ausgrenzung junger Menschen vor
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15:33 19.01.2018
Umstritten: Das Jugendzentrum Innenstadt, genannt Juzi an der Bürgerstraße in Göttingen. Quelle: Christina Hinzmann
Göttingen

Die Junge Union im Stadtverband Göttingen hatte kürzlich dem rot-grünen Mehrheitsbündnis im Rat der Stadt vorgeworfen, es „fördert Extremisten statt Bedürftige“. Vorausgegangen war eine Empfehlung des Jugendhilfeausschusses, das Juzi mit mehr Geld als bisher zu unterstützen. Mit den geplanten 100000 Euro für 2018 werde eine „Keimzelle des Linksextremismus“ unterstützt.

Theuvsen hatte sich der Kritik öffentlich in einem Facebook-Post angeschlossen: „Wer sich nach den Gewaltexzessen rund um den G20-Gipfel in Hamburg gefragt hat, wie sich die linksextremistische Szene eigentlich finanziert, kennt jetzt einen Teil der Antwort: Aus dem Haushalt der Stadt Göttingen“.

Diese Aussagen erstaunten ihn sehr, kontert jetzt Lieske (Grüne) in einem Brief an Theuvsen. Sie zeugten von einer offensichtliche Unkenntnis über die Arbeit dieser Einrichtung. Das JuzI sei das einzige Jugendzentrum in der Stadt, das junge Menschen unterschiedlicher Milieus aus dem gesamten Stadtgebiet und darüber hinaus anspricht. „Es ist in Göttingen einzigartig“, so Lieske.

Göttingens Stadtrat Siegfried Lieske. Quelle: Arne Bänsch

Weiter führt der Dezernent aus: Das Juzi sei selbstverwaltet und stehe allen Jugendlichen offen. Die Arbeit zeichne sich durch ein

hohes Maß an Eigeninitiative sowie Mitgestaltungs- und Beteiligungsmöglichkeiten für die Besucher aus. Es sei Teil des Konzeptes, die Jugendlichen an nahezu allen Prozessen zu beteiligen. Darüber hinaus biete das Juzi jungen Menschen die Möglichkeit, Räumlichkeiten jenseits kommerzieller Anbieter zu nutzen - zum Beispiel für Feiern und selbstorganisierte Konzerte. Dazu bietet es Übungsräume für Bands.

Dass junge Menschen im Laufe ihrer Persönlichkeitsentwicklung auch konträre, manchmal unbequeme Haltungen zeigen, sei nicht ungewöhnlich,. tatsächlich würden sich auch viele Juzi-Besucher politisch interessieren und dabei Position beziehen - auch zum G20-Gipfel. „Es ist nicht in Ordnung“, schreibt Lieske an Theuvsen, „dass Sie daraus herleiten, die Stadt finanziere die linksextremistische Szene“. Und es sei schon gar nicht „in Ordnung, dies in einen direkten Zusammenhang zu den selbstverständlich zu verurteilenden Gewalttätigkeiten rund um den G20-Gipfel zu bringen“.

Diese Einschätzung Theuvsens sei ungeeignet für einen politischen Diskurs und beschreibe einen „Weg der Ausgrenzung, der nicht Brücken baut, sondern versperrt“. Lieske weiter: „Ich wünsche mir im Gegenteil den Dialog, bei dem von mir aus auch mal sprichwörtlich, nicht konkret, die Fetzen fliegen.“

Den Brief im Wortlaut lesen Sie hier

die Berichterstattung des Göttinger Tageblattes über Ihr als Zitat gekennzeichnetes Statement zu Aussagen der Jungen Union zum Jugendzentrum Innenstadt erstaunt mich doch sehr, da es von offensichtlicher Unkenntnis über die Arbeit dieser Einrichtung zeugt. Richtig ärgerlich macht es mich, dass Sie den Eindruck zu erwecken versuchen, die Stadt Göttingen finanziere mit öffentlichen Mitteln linksradikal motivierte Straftaten. Sie überschreiten mit einer solchen Behauptung die Grenzen seriöser Kommunikation und verunglimpfen die Stadt, für die Sie sonst unschätzbare Arbeit u.a. als CDUStadtverbandsvorsitzender und Ratsherr leisten.

Das JuzI ist das einzige Jugendzentrum in der Stadt, das junge Menschen unterschiedlicher Milieus aus dem gesamten Stadtgebiet (und darüber hinaus) anspricht. Es ist in Göttingen einzigartig. Das JuzI ist elbstverwaltet und steht allen Jugendlichen offen. Die Arbeit zeichnet sich durch ein hohes Maß an Eigeninitiative sowie Mitgestaltungs- und Beteiligungsmöglichkeiten für die Besucherinnen und Besucher aus. Es ist Teil des Konzeptes, die Jugendlichen an nahezu allen Prozessen zu beteiligen. Selbstverwaltung, Mitbestimmung, Beteiligung sind für den Entwicklungsprozess junger Menschen wichtige Übungsfelder. Das JuzI bietet jungen Menschen hierfür vielfältige Entfaltungsmöglichkeiten und fördert deren Eigeninitiative. Darüber hinaus bietet es ihnen die Möglichkeit, Räumlichkeiten jenseits kommerzieller Anbieter zu nutzen für z.B. Feiern, selbstorganisierte Veranstaltungen/ Angebote, kulturelle Angebote/Konzerte. Dazu bietet es Übungsräume für Bands.

Dass junge Menschen im Laufe ihrer Persönlichkeitsentwicklung auch konträre, manchmal unbequeme Haltungen zeigen, ist nicht ungewöhnlich. Und tatsächliche sind viele, aber bei Weitem nicht alle Besucher/innen des JuzI politisch interessiert und beziehen zu politischen Themen - teilweise deutlich - Stellung. Dies ist auch zum G20-Gipfel erfolgt, und zwar wie bekannt sehr kritisch.

Es ist nicht in Ordnung, Herr Prof. Dr. Theuvsen, dass Sie daraus herleiten, die Stadt finanziere die linksextremistische Szene und dies dann obendrein in einen direkten Zusammenhang zu den selbstverständlich zu verurteilenden Gewalttätigkeiten rund um den G20-Gipfel bringen. Das ist der Weg, der den so notwendigen politischen Diskurs erst gar nicht entstehen lässt. Das ist derWeg der Ausgrenzung, der nicht Brücken baut, sondern versperrt. Ich wünsche mir im Gegenteil den Dialog, bei dem von mir aus auch mal sprichwörtlich, nicht konkret, die Fetzen fliegen.

Ich will Ihnen gern noch ein paar Fakten zur Finanzierung der Jugendzentren nennen: Die finanziellen Zuwendungen für die freien Jugendzentren folgen einer grundsätzlich für alle gleichen Vorgabe aus dem vom Rat der Stadt beschlossenen Rahmenkonzept für die offene Kinder- und Jugendarbeit: Es sollen in der Regel mindestens zwei hauptamtliche Mitarbeiter/innen beschäftigt sein. Der Gesamtumfang der Beschäftigung ist auf 58,5 Std./ Woche festgelegt. Die Stellen sollen mit je einer dreiviertel Stelle Soz.-Päd. (EG S 11 b Stufe 3) und einer dreiviertel Stelle Erzieher/in (EG S 9, Stufe 3) besetzt sein und nach aktuellem Tarif vergütet werden (ohne Zusatzversicherung und LOB).

Über die Verwendung der städtischen Fördermittel haben alle freien Träger einen Nachweis zu erbringen. Das JuzI kommt dem alljährlich geradezu mustergültig nach. Die jüngste Erhöhung der Zuwendungen für die freien Jugendzentren ist ausschließlich auf die Personalkosten bezogen und resultiert ausschließlich aus der Wendung der für alle freien Jugendzentren geltenden oben genannten Grundsätze.

An der sehr aufwendigen, beteiligungsorientierten Erarbeitung des Rahmenkonzeptes waren übrigens dankenswerterweise auch Politikerinnen und Politiker der CDU beteiligt, die sich stets inhaltlich eingebracht haben und Impulse setzen konnten.

Ich bin als Jugenddezernent der Stadt sehr froh über das vielfältige Angebot an offener Kinder- und Jugendarbeit in der Stadt, gestaltet von städtisch getragenen Einrichtungen, aber eben auch von freien Trägern. Die Unterschiedlichkeit und Breite des Angebotes ist mit einem Schatz aus in unterschiedlichen Farben schimmernden Edelsteinen zu vergleichen. Dabei wird der einen diese Farbe oder jene Form besser gefallen als anderen, bei dem anderen wird es vielleicht umgekehrt sein. Das Spektrum, das den Jugendlichen in der Stadt offensteht, ist grandios. Und in dieses Spektrum gehört nach meiner Überzeugung auch das JuzI, das - gemessen an den Besucherzahlen - wahrscheinlich das preiswerteste Jugendzentrum Göttingens ist.

Gern stehe ich für einen Austausch zum Thema zur Verfügung.

Bitte haben Sie Verständnis, dass ich diesen Brief der Presse zur Kenntnis gebe.

Mit freundlichem Gruß

In Vertretung

(Siegfried Lieske)

Von Ulrich Schubert

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