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Göttingen Linken-Spitzenkandidat Diether Dehm singt in der Göttinger Fußgängerzone
Die Region Göttingen Linken-Spitzenkandidat Diether Dehm singt in der Göttinger Fußgängerzone
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16:15 30.08.2013
Von Jürgen Gückel
„Imagine“ mit Asylbewerber: Ali Ismail (v. l.) singt mit Linken-Spitzenkandidat Diether Dehm, Pablo Ardouin und Gerd Nier. Quelle: Heller
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Göttingen

Nachbarn hätten sich beschwert, die wollten in Ruhe arbeiten, trug Oberkommissar Peter Jung vor und wollte die Genehmigung für den Wahlkampfauftritt sehen. Die konnte Patrick Humke vorweisen. Von einer Lautstärke-Begrenzung stand darin nichts. „Wie großzügig“, kommentierte das einschlägig gebrannte Kind Humke. Dann sei ja alles gut, beschied der Oberkommissar und wandte sich der nächsten Ruhestörung zu.

57 Auftritten in Fußgängerzonen

Für Dehm und das Kamerateam des NDR, das den Kandidaten auf seiner Tour durch Niedersachsen mit 57 Auftritten in Fußgängerzonen von Cuxhaven bis Göttingen begleitete, kam der Besuch wie gerufen. „Wir machen ja auch keine schlechte Musik. Ich hoffe, sie gefällt ihnen“, haucht der Musiker mit charmantem Augenaufschlag der begleitenden Kommissarin hinüber. Und die bejaht. So gut haben sich Linke und Polizei in Göttingen selten verstanden.

Doch es wäre kein Wahlkampf, ginge es nicht auch um Politik. Die flicht der promovierte Künstler, bekannt auch durch die von ihm geschriebenen Songs „Tausendmal berührt“, „Faust auf Faust“, „Was wollen wir trinken, sieben Tage lang“ oder „Monopoli“ geschickt durch ein Rätselspiel ein: „Wer hat in den letzten zehn Jahren mehr Steuern gezahlt, die Deutsche Bank oder Giovanni L. (der Inhaber der Eisdiele gegenüber)?“ Wer als erster „Giovanni“ ruft, gewinnt eine Konzertkarte.

Nein, nicht im Linke-Parteiprogramm

„Wo steht: Eigentum verpflichtet...?“ Nein, nicht im Linke-Parteiprogramm, sondern im Grundgesetz. Und wie lange muss man zum Mindestlohn arbeiten, um eine menschenwürdige Rente zu erarbeiten? 106 Jahre lautet die Lösung.

Und natürlich geht es dann auch um den Syrien-Krieg, darum, dass wieder ein Vorwand konstruiert werde, damit die USA ihre Waffen einsetzen könne, und schließlich um lokale Themen, die der örtliche Kandidat Gerd Nier einbringt.

Vorher aber hatte es einen Gänsehaut-Moment gegeben, einen, der nicht einmal bestellt so gut gewirkt hätte: Ali Ismail, 28 Jahre alt, Flüchtling aus dem Libanon, Asylbewerber im Grenzdurchgangslager Friedland, war gekommen und hatte gebeten, singen zu dürfen. Dehm gab ihm das Mikro, dann sang Ali John Lennons „Imagine“ (sich vorstellen) – und die Linken malten sich kurz aus, wie viele sie wohl wählen würden.