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Göttingen Lymphdrüsenkrebs mit 16: So hat Lotta von der Elternhilfe Göttingen profitiert
Die Region Göttingen Lymphdrüsenkrebs mit 16: So hat Lotta von der Elternhilfe Göttingen profitiert
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10:54 10.09.2019
Lotta Wagner kann nach ihrer schweren Erkrankung wieder lachen. Quelle: vw
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Göttingen

Über Kleinigkeiten regt sich Lotta Wagner nicht mehr auf. „Die Krankheit hat mich viel reifer gemacht, meine Sicht auf die Welt hat sich verändert“, sagt sie. 17 Jahre ist sie alt, 16 war sie, als bei ihr ein Hodgkin-Lymphom, besser bekannt als Lymphdrüsenkrebs, diagnostiziert wurde. „Ich habe einen Knoten am Hals ertastet, mir aber gar keine Gedanken darüber gemacht“, erinnert sich die Schülerin, die aus der Nähe von Witzenhausen kommt.

Sie zeigte ihn erst ihrer Schwester, dann ihrer Mutter. Als noch Schulterschmerzen hinzukamen, ließ Mama Kerstin Wagner nicht mehr mit sich reden und schleppte Lotta zum Arzt. „Innerhalb von zwei Wochen wusste ich, was ich habe“, berichtet sie. In der Zeit der Ungewissheit machte sich der glühende Justin-Bieber-Fan immer noch keine ernsthaften Gedanken. „Ich habe nie damit gerechnet.“ Die Tränen flossen, als die Ärztin ihr und ihren Eltern die Diagnose mitteilte. „Sie hat nicht drum herumgeredet, hat das Wort Lymphdrüsenkrebs ausgesprochen.“ Und plötzlich war Lotta mittendrin in der Maschinerie. Der Junge und das Mädchen, die sie bereits in der Wartezone gesehen hatte und denen es offensichtlich nicht gut ging, Lotta hatte die beiden innerlich bedauert – nun waren sie Leidensgenossen.

Sterben war keine Option

„Mein Kopf war total voll, aber gleichzeitig auch total leer“, spricht Lotta mit ganz klarer Stimme über diese Situation. „Ich habe akzeptiert, dass ich da nicht rauskomme, aber Sterben war keine Option.“ Mit einer Chemotherapie hatte sie sich vorher nie auseinandergesetzt, im Fernsehen über auftretende Nebenwirkungen wie Übelkeit gehört. Übel war ihr nicht, aber sie hatte starke Schmerzen, war immer sehr erschöpft und auf Hilfe angewiesen.

Und das Unvermeidliche trat auch ein. Fast zwei Wochen dauerte es, ehe sich Lotta im Spiegel angucken konnte – ohne Haare. Die waren immer ihr ganzer Stolz gewesen, reichten ihr bis zur Taille. „Ich wusste, dass es passiert.“ Als es dann so weit war, war es hart für sie, sehr hart. Doch die Kämpferin überwand auch diesen Tiefpunkt. Anfänglich trug sie eine Mütze, heute weiß sie eigentlich nicht mehr ganz genau warum. Und sie wollte trotz aller Strapazen hübsch sein. Für ihre Mutter war sie es ohnehin, auch ohne Haare, Wimpern und Augenbrauen. „Sie hat so eine schöne Kopfform und hat wirklich bildhübsch ausgesehen“, sagt Kerstin Wagner und wirft ihrer Tochter einen liebevollen Seitenblick zu.

Kerstin Wagner. Quelle: vw

Obwohl Lotta Komplimente aus allen Richtungen für ihre neue Kurzhaarfrisur bekommt, steht für sie fest: Sie möchte die Haare wieder länger tragen. Während des Klinikaufenthaltes nahm sie an einem Schminkkurs teil, den die DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) anbot. Sie ging zu diesem Zeitpunkt ganz offensiv mit der Erkrankung um, versteckte sich nicht, nahm sogar ein Fotoshooting wahr. Die Fotos wurden in der Elternhaus-Zeitung veröffentlicht, zeigen sie noch mit Tuch. „Im Nachhinein habe ich mich ein bisschen geärgert, dass ich es nicht abgenommen habe.“

Bett-Picknick veranstaltet

So erstaunlich wie es klingt, aber Lotta und ihre Mutter verdrängen die Zeit in der Klinik und im Elternhaus für das krebskranke Kind keineswegs. Ganz im Gegenteil. „Wir haben uns, soweit es möglich war, eine schöne Zeit gemacht, haben beispielsweise ein Bett-Picknick veranstaltet. Und sind in dieser Zeit noch mehr zusammengewachsen“, erzählt Kerstin Wagner. Vier Blöcke Chemotherapie galt es für sie zu überstehen. „Ich habe an einer Studie teilgenommen, dadurch war die Chemo insgesamt zwar kürzer, aber intensiver.“

Inzwischen geht sie wieder zur Schule, einen Berufswunsch kann sie noch nicht definieren. Aber ihre Eltern machen ihr keinen Druck, sie sich selbst auch nicht. Etwas wünscht sie sich allerdings aus ganzem Herzen. Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen. „Ich möchte, dass meine Familie und ich ein Leben lang gesund bleiben.“ Ein Wunsch, den sie nicht selbst in der Hand hat. Erfüllbar erscheint hingegen ihr „kuscheliger“ Wunsch, denn die Katzennärrin möchte für British-Kurzhaar-Kater Elvis einen vierbeinigen Spielgefährten. Oder auch zwei oder drei.

Stolz auf die Mutperlenkette

Zu einem lieb gewonnenen Begleiter ist ihre Mutperlenkette geworden. „Sie ist Gott sei Dank nur 1,43 Meter lang. Wenn ich da an andere Patienten denke, dann habe ich ja noch Glück gehabt“, meint Lotta. Für jede Behandlung, für jeden Pieks, für jede Chemo gab es eine Perle, die völlig unterschiedliche Bedeutungen haben. „Ich gucke mir die Kette sehr gerne an und bin stolz darauf, dass ich das alles durchgestanden habe“, erklärt sie. Momente, in denen sie Angst hat, die gibt es auch, wenn auch nicht so häufig, aber es gibt sie. „Vor einer Neuerkrankung habe ich Angst“, sagt sie mit fester Stimme, in der ganz viel Hoffnung mitschwingt, dass es niemals dazu kommen wird.

Elternhaus vermittelt Geborgenheit

„Es ist wie ein Ersatz -Zuhause. Man fühlt sich einfach aufgehoben“, umschreibt Kerstin Wagner die Zeit im Elternhaus für das krebskranke Kind, als sie zwischen Wut und Verzweiflung schwankte, ihr ganzes Denken und Handeln sich nur um ihre kranke Tochter Lotta drehte. „Die Betreuung im Elternhaus stellte einen Sicherheitsfaktor dar, nicht nur in der Akutphase, sondern auch hinterher“, erinnert sie sich. In einer Zeit, als es ihr eigentlich gut gehen sollte, weil es auch Lotta wieder besser ging, fiel sie in ein tiefes Loch. „Ich habe die Welt nicht mehr verstanden, und im Leben draußen kennt sich ja keiner damit aus. Da waren die Gespräche mit Herrn Miest (im Elternhaus zuständig für die Nachsorge, Anm. d. R.) ein absoluter Vorteil.“ Mutter und Tochter kommen noch heute gern ins Elternhaus, genießen den Kontakt zu den anderen Familien, fühlen sich geborgen.

Von Vicki Schwarze

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