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Göttingen Mädchenaktionstag im Kreis Göttingen: bohren, sprayen und einmal D-Jane sein
Die Region Göttingen Mädchenaktionstag im Kreis Göttingen: bohren, sprayen und einmal D-Jane sein
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12:47 24.11.2019
Einmal D-Jane sein: Ella, Sarah, Marie und Dilara (v.l.) am Mischpult Quelle: Ulrich Schubert
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Rosdorf

Vorsichtig drückt Sophia den Hebel, langsam zieht sich der Bohrer ins Holz. Die Elfjährige arbeitet konzentriert, dann hat sie es geschafft. Das vorgebohrte Loch für die kleinen Haken ist fertig. „Zwei sind nämlich schon abgebrochen“, erklärt Sophia Herbst aus Nesselröden. Sie ist eine von 47 Mädchen aus dem Landkreis Göttingen, die an diesem Sonnabend am „Mädchen*Aktionstag“ des Landkreises in Rosdorf teilnehmen.

Der Aktionstag hat Tradition. Seit vielen Jahren organisiert der Mädchenarbeitskreis der Jugendreferenten im Landkreis Göttingen an einem Tag im November mehrere Workshops nur für Mädchen zwischen 10 und 18 Jahren. Und die sind immer ausgebucht. Das verwundert nicht. Das Team um Helga Steininger, die die Mädchenarbeit im Kreis koordiniert, hat immer wieder neue Ideen. Und fast alle haben etwas mit Handwerk zu tun.

Schlüsselbrett und Kuschelkissen

Und so bohrt und klebt Sophia, um ihr Schlüsselbrett fertigzustellen: mit mehreren Schlüsselhaken, Magnetbändern und einer herzförmigen Tafelfolie für Notizen. Gleich neben ihr an der Werkbank schleift Valerie Herbst (14) aus Gelliehausen die Bretter für ihr Regal. Das ist fast schon eine Profiarbeit.

„Wir bieten möglichst immer handwerkliche Projekte an“, erklärt Steininger – entweder aus dem Kunsthandwerk, verbunden mit viel Kreativität, oder aus dem klassischen Handwerk. Und so nähen die anderen Mädchen wie Almira Hadzovic (13) aus Duderstadt und Joyjana Winkelmann (11) aus Reinhausen aus alten Klamotten Kuschelkissen und Püppchen. „Das macht mir total Spaß“, sagt Almira, die zu Hause eine eigene Nähmaschine hat.

Mehr Bilder vom Mädchenaktionstag 2019:

Sie haben Regale gebaut, aus Kokosnussschalen Schmuck gebastelt und sich am Mischpult als D-Jane ausprobiert. 47 Mädchen aus dem gesamten Landkreis Göttingen haben am in Rosdorf am großen „Mädchen*Aktionstag“ teilgenommen. Ein Rundgang durch die Werkstätten in Bildern.

Einige Mädchen verzieren Holzkästchen und -bretter mit Brandmalerei – eingebrannt mit einem Lötkolben. Oder sie prägen Fotos auf Holz. Fototransfere heißt dieser neue Kreativhit mit einem gar nicht so einfachen Verfahren. Dabei müssen die Mädchen am Schluss lange mit Wasser und bloßen Fingern auf den Bildern reiben, um den speziellen Kleber wieder zu lösen. „Das ist anstrengend, macht aber nichts“, versichert Julia Winiarski (10) aus Duderstadt und zeigt stolz das Holzbrett mit einem Fotodruck ihres Hamsters.

Organisiert und fachlich begleitet werden die Workshops fast ausschließlich von Jugendreferentinnen aus dem Kreis, sagt Steininger, aber unterstützt von einigen Honorarkräften. Zu ihnen gehört auch Julia Schimanski, Künstlername Joe. Sie gestaltet mit einigen Mädchen Graffiti für Poster oder Stofftaschen. Alwine (12) aus Bovenden entscheidet sich für Blau und Orange, um ihr zuvor gemaltes und als Schablone ausgeschnittenes Freundschaftssymbol auf eine Tasche zu Sprühen. „Das Ausschneiden war am schwersten“, sagt sie. Dann schüttelt sie kräftig die nächste Farbdose, sprüht einmal kurz die Düse frei und bringt die Farbe souverän auf den Stoff.

Neuer Aktionstag in Eigenregie geplant

Der Mädchenaktionstag gehört zum festen Jahresprogramm des Mädchenarbeitskreises im Landkreis. Parallel will er jetzt aber noch etwas Neues ausprobieren. Interessierte Mädchen aus allen Gemeinden sollen fast ganz alleine einen zusätzlichen Aktionstag organisieren – von der Ideenfindung über Raum- und Betreuerbuchung bis zum Projekttag selbst. „Es ist ein Experiment“, sagt Steiniger und versichert zugleich, dass die Mädchen natürlich nicht ganz alleine gelassen werden. Der Start ist an diesem Aktionstag erfolgt. Wer noch mitmachen möchte, kann sich unter Telefon 05 51/52 56 25 67 melden.  

Unterdessen raspelt Ester Dietrich aus Westerode im Nebenraum mit einer Feile an einem Stück Kokosnussschale. „Die Fasern müssen ab, damit es schön glatt wird“, erklärt die Zehnjährige. Mit einem Hammer hatte sie das Stück vorher aus einer halben Kokos-Schale gebrochen. Später soll daraus eine Kette werden.

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Mehr zum Mädchenarbeitskreis:

Kinder- und Jugendarbeit im Kreis

Der Landkreis Göttingen und seine angeschlossenen Gemeinden haben seit den 1980er-Jahren eine flächendeckende Jugendarbeit aufgebaut. Sämtliche kreisangehörige Städte, Gemeinden und Samtgemeinden haben mit Förderung des Landkreises dezentral, das heißt vor Ort, hauptamtliche Stellen für Jugendreferenten eingerichtet. Hinzu kommen in vielen Ortschaften Jugendräume, die von den jeweiligen Jugendreferenten mit betreut werden.

Vernetzt sind alle Kinder- und Jugendbüros sowie Referenten in den Gemeinden über das Kinder- und Jugendbüro des Landkreises. Aus dem Kreis der Referenten hat sich auch ein Mädchenarbeitskreis herausgebildet. Er bietet zusammen mit dem Kinder- und Jugendbüro besondere Aktionsangebote und Mädchentage an. Dabei sollen die Mädchen in fremden Feldern experimentieren können, um neue Erfahrungen zu sammeln, heißt es in einer Projektbschreibung. Hintergrund: Das Kinder- und Jugendbüro arbeitet nach den Richtlinien des Gender Mainstreamings. Danach sind die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jungen zu berücksichtigen und Benachteiligungen abzubauen und die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen zu fördern.

Kontaktperson für die Mädchenarbeit im Fachdienst Kinder- und Jugendarbeit ist Helga Steininger. Erreichbar ist sie unter Telefon 0551/5252110.

Von Ulrich Schubert

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