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Göttingen Verfahren um Kükensortierer: Auch zweiter Prozess endet mit Bewährungsstrafen
Die Region Göttingen Verfahren um Kükensortierer: Auch zweiter Prozess endet mit Bewährungsstrafen
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21:38 23.04.2019
Kükensortierer sind speziell darauf geschult, bei frisch geschlüpften Eintagsküken das Geschlecht zu bestimmen („Chicken Sexing“). Quelle: Ramona Heim
Uslar / Göttingen

Seit mehr als zwölf Jahren beschäftigt sich die Justiz mit einer in Uslar ansässigen Vermittlungsfirma für asiatische Kükensortierer. Jetzt hat das Mammutverfahren eine weitere Etappe genommen: Vor dem Landgericht Göttingen ist der zweite Prozess um den so genannten „Chicken-Sexing“-Fall zu Ende gegangen. Die Kammer verurteilte den 58-jährigen Geschäftsführer der Vermittlungsfirma wegen Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt in 59 Fällen sowie wegen Beihilfe in vier Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Der mitangeklagte 62-jährige Bruder habe wegen Beihilfe in fünf Fällen eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten erhalten, die ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt wurde, teilte eine Justizsprecherin mit.

Strafhöhe aus dem ersten Urteil

Das jetzt verhängte Strafmaß entspricht der Strafhöhe aus dem ersten Urteil des Landgerichts vom November 2014. Weil der Bundesgerichtshof (BGH) dieses Urteil später aufgehoben hatte, musste eine andere Wirtschaftsstrafkammer erneut über den „Chicken-Sexing“-Fall verhandeln. Die Neuauflage des Prozesses verlief deutlich zügiger: Während sich der erste Prozess rund zweieinhalb Jahre hinzog, war der zweite Prozess nach rund zwei Monaten zu Ende.

In dem Verfahren ging es vor allem um die Frage, ob die von der Uslarer Firma vermittelten Kükensortierer als nichtselbständige Beschäftigte oder als Freiberufler gelten. Kükensortierer sind speziell darauf geschult, bei frisch geschlüpften Eintagsküken das Geschlecht zu bestimmen („Chicken Sexing“).Die Wirtschaftsstrafkammer war der Auffassung, dass die asiatischen Arbeitskräfte als abhängig Beschäftigte einzustufen seien.

Die Staatsanwaltschaft hatte für die beiden Angeklagten Gesamtfreiheitsstrafen von einem Jahr und neun Monaten beziehungsweise einem Jahr und zwei Monaten gefordert. Die Verteidiger plädierten dagegen auf Freispruch.

Von Heidi Niemann

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