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Göttingen Marinekameradschaft: Abschied vom heimischen Hafen
Die Region Göttingen Marinekameradschaft: Abschied vom heimischen Hafen
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18:27 22.07.2009
Umzug mit Mann und Modellschiff: Marinekameraden Axel Rach, Dieter Wolter, Holger Quentin, Wolfgang Reiter und Ludwig Beyland (v. l.) beim Räumen des Marineheims. Im Hintergrund das Gebäude des alten Zoologische Instituts.
Umzug mit Mann und Modellschiff: Marinekameraden Axel Rach, Dieter Wolter, Holger Quentin, Wolfgang Reiter und Ludwig Beyland (v. l.) beim Räumen des Marineheims. Im Hintergrund das Gebäude des alten Zoologische Instituts. Quelle: Gückel
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Der Flaggenmast muss noch umgelegt werden, für die schwere Boje fehlt noch ein geeigneter Platz. Nur die Wand für die alte Vereinsfahne ist im Weender Schützenhaus schon ausgesucht. Das meiste aber, was die aktuell 129 Mitglieder der Marinekameradschaft Göttingen in drei Jahrzehnten zusammengetragen haben, muss in zwei angemieteten Räumen und im Haus eines Mitglieds eingelagert werden. Im neuen Vereinslokal, dem Schützenhaus Weende, ist die Kameradschaft künftig nur zu Gast.

Es ist ein schmerzvoller Abschied. So schön, wie im Heim am Beginn der Groner Landstraße, wird es nicht wieder. Vor 30 Jahren und sechs Monaten hatte der Verein der Seeleute die ehemalige Dienststelle der Bahnpolizei von der Stadt Göttingen angemietet – zunächst für zehn Jahre. Das gut 200 Quadratmeter große barackenähnliche Holzhaus mit dem angebauten ehemaligen Kiosk, der „Grillstation“ im großzügigen Innenhof und den eigenen innenstadtnahen Parkplätzen wurde mit viel Aufwand saniert und wurde über Jahrzehnte zum sicheren Hafen.

Mit Tränen in den Augen

Hier fanden Weihnachtsfeiern und Sommerfeste statt, hier übte der Shanty-Chor, und die Besatzungen des einstigen Minensuchbootes Göttingen und der Fregatte Niedersachsen waren ebenso oft zu Gast wie die Jungen und Mädchen des städtischen Kinderheims, um die sich die Kameradschaft stets kümmerte.

Doch der letzte langfristige Vertrag lief nur bis Juni 2008. Bis März 2009, dann bis 30. August gab die Stadt als Vermieter noch Schonfrist – jetzt ist ganz Schluss. „Wir hätten uns weiter herumquälen können, aber irgendwann muss man in die Zukunft schauen. Es war ja nichts mehr planbar“, erklärt der Vorsitzende Holger Quentin, warum die Kameradschaft sich nicht um noch weiteren Aufschub bemüht hat, obwohl noch längst nicht entschieden ist, ob und wann die 900 Quadratmeter wirklich benötigt werden, auf denen das Marineheim steht.

Einigen Kameraden standen Tränen in den Augen, als Himmelfahrt das Abschiedsfest gefeiert und das letzte Fass Bier bis zur Neige geleert wurde. Inzwischen ist das Heim fast ausgeräumt. Einen Ersatz hat der Verein nicht finden können, „jedenfalls nicht für einen bezahlbaren Preis“, sagt Quentin.

Inzwischen übt der Chor bereits jeden Montag in den Räumen des Schützenhauses Weende, Stumpfe Eiche 20. Am 30. August, ab 10 Uhr, ist dort auch das Sommerfest der Kameradschaft. Wie ein Vereinslokal dient das Schützenhaus den Marinern, denn das von Dirk Schinkel, dem Vorsitzenden der Schützen, geführt Haus ist eine öffentliche Gaststätte mit Konzession, in der auch ein weiterer Schützenverein und ein Chor regelmäßig üben.

Von Jürgen Gückel

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