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Göttingen Grabstein 2.0? "Jeder nach seiner Fasson"
Die Region Göttingen Grabstein 2.0? "Jeder nach seiner Fasson"
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09:09 26.02.2016
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Göttingen

„Wer es unbedingt will, soll es machen, aber für mich kommt es nicht in Frage“, sagt Rainer Schlag aus Herberhausen. In anderen Ländern, erläutert er weiter, seien die Grabsteine ohnehin wesentlich freier gestaltet. Ein Beispiel sei der Friedhof Père Lachaise in Paris.

Andrea Tappenbeck Quelle: bl

Andrea Tappenbeck aus Göttingen hat zu QR-Codes auf Grabsteinen eine eindeutige Meinung: „Ich finde das überflüssig. Der Friedhof sollte ein Ort zum Nachdenken sein und nicht dazu animieren, sich über den Tod hinaus zu präsentieren.“ Die Erinnerung an den Verstorbenen werde im Herzen getragen, sagt sie.

„Das ist nicht schön“, sagt Mandy aus Göttingen. Für die junge Mutter nimmt die Technisierung in der heutigen Zeit zu viel Raum ein. Ähnlich sieht es eine Göttingerin, die anonym bleiben will: „Wir sollten die Erinnerung lieber in uns tragen.“

Anke (rechts) und Alexander Neubauer Quelle: bl

„Leute, die alles von sich Preis geben wollen, sollen es ruhig machen“, sagt hingegen Anke Neubauer aus Thüringen. Ihr Mann Alexander schließt sich dem an: „Für mich wäre das nichts. Wem es gefällt, der soll es ruhig machen. Der Friedhof ist ja auch eine Parkanlage zum Spazierengehen und um an Verstorbene zu denken.“ „Jeder nach seiner Fasson“, sagt eine Göttingerin, die ihren Namen nicht nennen will.

Wie frei die Gestaltung der Inhalte hinter den QR-Codes sein darf, ist noch nicht eindeutig geklärt. Allerdings will die Verwaltung klare Regeln dazu aufstellen. Die Umsetzung der Vorgaben überprüft die Verwaltung nur bei einer Antragstellung. Ob die Inhalte nachträglich verändert werden, wird nicht kontrolliert. Per QR-Code können dann Fotos, Videos, Texte oder Internetseiten abgerufen werden. Für deren Inhalte müssen die Hinterbliebenen gegebenenfalls haften. Damit will die Göttinger Verwaltung einer aktuellen Entwicklung im Bereich Bestattung entgegenkommen. Superintendent Friedrich Selter hingegen äußerte sich vor der Ausschusssitzung skeptisch, denn für ihn ist es „doch sehr befremdlich, wenn damit persönliche Lebensgeschichten und Eigenschaften von Gestorbenen für jeden öffentlich gemacht werden“. bl