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Göttingen Martin Schulz wirbt in Göttingen für Europa
Die Region Göttingen Martin Schulz wirbt in Göttingen für Europa
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00:23 24.09.2018
Vor mehr als 70 SPD-Mitgliedern aus dem Unterbezirk Göttingen wirbt Martin Schulz für Europa. Quelle: Christina Hinzmann / GT
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Göttingen

Er ist Europäer durch und durch. Auch auf heimischem Terrain kämpft der hemdsärmelige SPD-Politiker für die europäische Idee und die Zukunft der Europäischen Union. Vor mehr als 70 Genossen aus dem Unterbezirk Göttingen hat der 62-jährige frühere Präsident des Europäischen Parlamentes am Freitag mit packenden und aufwühlenden Worten für Europa und die Europawahl am 26. Mai 2019 geworben.

Provozierende „Renationalisierer“

Bei dieser Europawahl gehe es um wesentlich mehr als um eine Vereinigung der europäischen Staaten mit gemeinsamer Währung, betonte Schulz. Es gehe darum, den Bruch der Europäischen Union durch provozierende „Renationalisierer“ an der Spitze europäischer Nationen wie Italien und Ungarn und immer lauter werdende Rechte zu verhindern. Wer permanent „mein Land first“ propagiert und die Europäische Union zerstören will, spreche in der Sprache derer, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts „die ganze Welt in den Abgrund gerissen haben“, mahnte Schulz.

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Ankunft in der Groner Mehrzweckhalle –viel Applaus für Martin Schulz. Quelle: Christina Hinzmann

 

„Wir müssen kämpfen für diese europäische Idee der Kooperation von Staaten über Grenzen hinweg“, appellierte er an die Zuhörer – „weil das das Beste ist, was unserem Land in seiner langen Geschichte passiert ist.“ Und das gelte nicht nur für das Verhältnis der Mitglieder in der Gemeinschaft: „Wir leben heute in einer globalisierten Welt, in der Entscheidungen in irgendeinem Land zu irgendeiner Frage uns unmittelbar berühren. Und wir leben in einer Welt, in der es einen Wettbewerb der ökonomischen und ökologischen Systeme gibt.“ In dieser Welt sei die EU eine Demokratien-Gemeinschaft in der ihre Währung von 19 souveränen Staaten und ihr Wirtschaftsraum von bald 28 Staaten gemeinsam organisiert wird. „Und alle sind Verfassungsdemokratien“, so Schulz.

Kern dieser Gemeinschaft sei eine Grundrechtecharta, an deren erster Stelle steht: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Dieses gemeinsame Ziel – der Schutz der Menschenwürde und Freiheit eines jeden – sei in der ganzen Welt einmalig. Das gelte es zu wahren und zu schützen.

„Ich hoffe, das Berlin endlich daran arbeitet“

Das sei aber nur möglich durch die Kraft der Demokratiengemeinschaft. Auch die SPD stehe für diese internationale Kooperation. Darum habe sie den Koalitionsvertrag mit dem Satz überschrieben: „Ein neuer Aufbruch für Europa.“ „Und ich hoffe, verdammt noch mal, dass in Berlin endlich einmal genau daran gearbeitet wird“, gab Schulz der Bundesregierung unter Applaus einen Seitenhieb.

Deutschland sei das Land in der Mitte dieses Kontinents und habe auch aus dieser geografischen Position heraus eine besondere Verantwortung in der EU. Und Deutschland sei ausschließlich von Freunden umgeben. „Das hat es in der Geschichte unseres Landes noch nie gegeben“, sagte Schulz. Deshalb sei das Programm für die Europawahl auf einen Nenner zu bringen: „Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein – respektvoll und tolerant.“

Die in der Groner Mehrzweckhalle versammelten Delegierten und weitere Mitglieder des SPD-Unterbezirks quittierten Schulz’ Rede mit langem Applaus – dann blieb es unerwartet still. Kaum weitere Fragen zur kurzen Aussprache, bevor der Europa-Kämpfer weiter musste: Nach Goslar, wo sein einstiger interner Widersacher Sigmar Gabriel die Ehrenbürgerschaft der Stadt verliehen wurde.

Von Ulrich Schubert

21.09.2018
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