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Göttingen Die EU –Die Partei – Der Sonneborn: „Zeiten sind zu ernst, um keine Satire zu machen“
Die Region Göttingen Die EU –Die Partei – Der Sonneborn: „Zeiten sind zu ernst, um keine Satire zu machen“
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17:28 09.04.2019
Die Europaabgeordneten Martin Sonneborn und Terry Reintke zu Gast an der Uni Göttingen. Quelle: Heller
Göttingen

Die Jungen Europäischen Föderalisten (JEF) sind mit 25 000 Mitgliedern die größte proeuropäische Jugendorganisation. Sie haben im Vorfeld der Europawahl am 26. Mai in der Reihe „Unser Europa – Wir mischen uns ein!“ einen EU-Hochschuldialog organisiert, der am Montagabend im Zentralen Hörsaalgebäude in Göttingen sein furioses Finale erleben sollte.

Der Plan geht auf. JEF-Landesvorsitzender Tobias von Gostomski konstatiert bereits vor Beginn der Veranstaltung: „So viel Andrang hatte wir noch nie.“ Tatsächlich sind zwei Hörsäle nötig, um die Besucher unterzubringen. In einem wird live diskutiert, im zweiten live übertragen. Nur schwer auszumachen ist dabei, ob das Interesse an Europa oder die Wahl der Gäste ursächlich für diesen Andrang sind.

Signierte Bierflaschen

Denn auf dem Podium sitzt neben der Grünen-Abgeordneten Terry Reintke der ehemalige Titanic-Chefredakteur und Vorsitzende der Satire-Partei Die Partei Martin Sonneborn. Der Mann, der stets um einen ernsthaften Gesichtsausdruck bemüht scheint, hatte bereits im Vorfeld vor dem Hörsaalgebäude signierte Bierflaschen der Marke Sonnebräu verteilt. So kann Werbung für Europa auch aussehen.

Über eine Online-Plattform können die Besucher in den folgenden zwei Stunden ihre Anliegen an die Abgeordneten formulieren. Um den Bezug zum Motto des Abends „Die Macht des Europäischen Parlaments – Mehr als nur Selbstbespaßung?“ herzustellen, eröffnet Moderatorin Rosanna Martens mit der Frage nach dem lustigsten Brüsseler Momenten der vergangenen fünf Jahre.

Skurrile Gestalten

Reintke bemüht sich hier wie am restlichen Abend um eine ernsthafte Beantwortung und berichtet von etlichen Frustrationsmomenten aber auch diesen kleinen Erfolgen, die das Abgeordnetenleben sinnvoll erscheinen lassen. Sonneborn erzählt von seinen Sitznachbarn. Als Fraktionsloser säße er inmitten vieler „skurriler Gestalten“, wie dem polnische Monarchisten, den drei griechischen Rechtsradikalen oder der Enkelin des Duce Alessandra Mussolini.

Wahl vor fünf Jahren

Gefüllte Hörsäle im ZHG. Quelle: Heller

Mit Jogginghose im Parlament

Die Göttinger Studentenschaft interessiert sich im Weiteren für die Fraktionsdisziplin oder die Kleiderordnung im europäischen Parlament? Deutlich wird durch Reintkes Schilderungen: Beides gibt es eigentlich nicht. „Auch ich war schon in Joggingshose bei einer Sitzung.“ Studierende erkundigen sich nach der durchschnittlichen Arbeitszeit eines Europaabgeordneten oder den persönlichen Ambitionen der Podiumsgäste. Andere wollen wissen, wie man dem wachsenden Rechtspopulismus in Europa begegnen sollte, oder ob in Brüssel jemand bemerkt, wenn in Deutschland Schüler und Studierende für ein besseres Klima auf die Straße gehen.

„Kann man stolz sein auf Europa, wenn im Mittelmeer Menschen ertrinken?“ ist schließlich an der digitalen Fragewand zu lesen. Sonneborn quittiert das mit einem für ihn typische Satz: Wenn er nach seinem Job gefragt werde, gebe er mittlerweile ungern zu, EU-Abgeordneter zu sein. Lieber antworte er, er komme gerade aus dem Gefängnis und müsse sich noch orientieren. Jeder Einzelne könne dafür sorgen, dass in Europa andere Entscheidungen gefällt werden, schiebt Reintke hinterher und appelliert: „Geht am 26. Mai wählen.“

Von Markus Scharf

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