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Göttingen Massenhaft kranke Busfahrer in Göttingen: GöVB fährt neue Krisenstrategie
Die Region Göttingen Massenhaft kranke Busfahrer in Göttingen: GöVB fährt neue Krisenstrategie
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17:57 02.09.2019
Um Ruhe in den Göttinger Fahrplan zu bekommen, stoppt die Linie 50 nur noch stündlich. Betroffene Anwohner fühlen sich abgehängt. Quelle: Michael Brakemeier
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Göttingen

Die Lage auf den Göttinger Stadtbuslinien entspannt sich – ein wenig zumindest. Nach wie vor sind viele Busfahrer krank. Bittere Folge: Auf zwei Linien fahren die Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB) bis auf Weiteres mit halber Kraft. „Das aber wenigsten verlässlich“, sagt GöVB-Sprecherin Steffanie Gallinat-Mecke.

Bürger aus dem oberen Ostviertel reagieren dennoch sauer: „Das ist doch alles Käse“, klagt Udo Wedeken. Belastet würden auf dieser Strecke Kunden, die besonders auf Busse angewiesen seien – immobile ältere.

Bis zu 50 Busfahrer krank

Seit Monaten bringen massive Fahrerausfälle den Fahrplan der Göttinger Stadtbusse immer wieder durcheinander. Zeitweise hatten sich mehr als 50 der 250 GöVB-Fahrer zugleich krank gemeldet. Mehr als 100 Fahrten mussten oft spontan am Morgen gestrichen werden.

Begonnen hatte die Krankheitswelle bereits im Herbst 2018. Viele der betroffenen Kollegen hatten sich auch noch für einen langen Zeitraum abgemeldet. Eine Ursache sei die hohe Belastung der Fahrer durch zahlreiche Dauerbaustellen in Göttingen, hatte GöVB-Geschäftsführer Michael Neugebauer zuvor bereits erklärt.

Gute Nachrichten: viele der Fahrten, die heute und morgen auszufallen drohten konnten noch an Kolleginnen und Kollegen...

Gepostet von GöVB - Göttinger Verkehrsbetriebe am Sonntag, 14. Juli 2019

In den vergangenen Monaten hatten die Verkehrsbetriebe immer wieder spontan auf Krankmeldungen reagiert. Fast täglich mussten am Morgen Fahrten abgesagt werden – zum Leid der Kunden an den Bushaltestellen. Immer wieder hatte es auch heftige Beschwerden gegeben, weil Ausfälle an den Haltestellen nicht mitgeteilt wurden. „Das konnten wir so spontan einfach nicht leisten“, erklärt Gallinat-Mecke.

Erste Umschüler im Einsatz

Inzwischen habe sich die Lage allerdings deutlich entspann. Zur Zeit seien im Schnitt „nur noch“ 25 bis 30 Mitarbeiter krank. Zugleich seien die ersten Fahrer nach einer gemeinsamen Kampagne mit der Göttinger Arbeitsagentur inzwischen im Fahrdienst eingesetzt. Sie waren gezielt geworben und umgeschult worden. Und: Zum 1. August hätten die GöVB statt bisher sieben mehr als zehn neue Auszubildende verpflichtet.

Außerdem fahre das Unternehmen inzwischen eine andere Krisenstrategie, ergänzt Gallinat-Mecke. Seit gut zwei Wochen würden die Linien 50 (Bahnhof-Rohns) und 33 (Weststadt-Klinikum über Autobahnzubringer) bis auf Weiteres nur noch eingeschränkt bedient. Konkret: Dort fährt der Bus nur noch im Stunden- statt Halbstunden-Takt. Auf der Line 50 werden zudem sonnabends Linientaxen statt Busse eingesetzt. Ausnahme: Für Schüler der Neuen IGS und zu Beginn der Arbeitsschichten in den Kliniken gebe es auf der Linie 33 morgens und nachmittags passgenau Einsatzbusse in kürzeren Abständen, so Gallinat-Mecke.

Die Mitteilung zur neuen Strategie

Diese Linien fahren seltener

Vor der außerplanmäßigen Änderung im Liniennetz haben die Göttinger Verkehrsbetriebe darüber informiert. Hier ein Auszug aus ihrer Mitteilung:

Zum 15.08.2019 bleibt das Fahrplanangebot reduziert. Folgende Linien sind weiterhin für die Zeit nach den Sommerferien betroffen:

Montag bis Freitag

Linie 33wird zu 60 Minuten-Takt reduziert.

Linie 50 wird zu 60 Minuten-Takt reduziert, Betriebszeit der Busse zwischen ca. 6 Uhr und 20 Uhr.

Linie 62 Schnellbusfahrten zwischen 15.30 Uhr und 18:.0 Uhr entfallen; die Fahrt 15.09 Uhr ab Markt wird durchgeführt.

Samstag

Linie 33– nur einzelne Fahrten früh und nachmittags werden durchgeführt.

Linie 50 – zwischen den Haltestellen „Rohns“ und „Jugendherberge“ fährt im Zeitraum zwischen 10 Uhr und 18 Uhr ein Linientaxi (LT); dort gibt es jeweils Anschluss an Linie 80.

Zusätzlich entfallen auf den Linien 41/42 an allen Wochentagen die Pendelwagen in der Schwachverkehrszeit zwischen „Klinikum“ und den Linienendpunkten. Die Fahrten wurden wieder in den normalen Linienweg integriert.

Diese Fahrplanmaßnahmen gelten zunächst bis 22.09.2019.

Die Fahrpläne ab 15.08.2019 finden Sie auf unserer Homepage im Schnellzugriff "Linien" auf der Startseite.

Weniger Spontanausfälle

Der Vorteil dieser Lösung: Sie sei verlässlich, es gebe kaum noch Spontanausfälle, „und es bringt Ruhe in den Fahrplan“, so die Unternehmenssprecherin. Die Fahrplanänderungen seien beantragt und von der zuständigen Landesbehörde auch genehmigt worden. Über die zunächst dauerhafte Änderung seien die Kunden informiert: durch Aushänge an den Haltestellen, die digitalen Fahrpläne, über die Internetseite der GöVB und ihren Facebook-Kanal.

Udo Wedeken. Quelle: Brakemeier

Das bezweifelt Bus-Kunde Wedeken aus dem Ostviertel. „Erst vergangenen Samstag“ habe er auf den Digitalanzeigen am Innenstadt-Busring für die Linie 50 tagsüber wie gehabt die Halb-Stunden-Fahrzeiten gesehen. Viel mehr aber ärgert ihn, dass überhaupt gerade diese Linie „drastisch eingeschränkt“ wurde: „Hier wohnen viele ältere Menschen, die oft einen Rollator nutzen. Sie sind auf den Bus angewiesen, wenn sie einkaufen wollen oder einen Arzttermin in der Stadt unten haben.“ Es sei eine erhebliche Belastung und Einschränkung für die Betroffenen. „Wir werden gezielt abgehängt“, klagt Wedeken weiter, zumal ab etwa 17 Uhr gar kein Bus mehr fahre. Für viele grenze das an Betrug. Sie hätte eine teure Abo-Karte bezahlt, bekämen aber nur die halbe Leistung geboten.

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„Nicht gerade rühmlich“ für Göttingen

Unbequem „und nicht gerade rühmlich für Göttingen“ sei die eingeschränkte Linie 50 auch für Besucher der Erdbebenwarte. Wedeken betreut dort Führungen, „und viele Gruppen kommen von außerhalb“. Schon mehrfach seien Besucher verspätet angekommen, weil der Bus ab Bahnhof nur noch stündlich fährt. Oder Führungen müssten verkürzt werden, damit Besucher mit dem nächsten Bus noch ihre Bahn erreichen.

„Das ist für manche natürlich ärgerlich“, räumt Gallinat-Mecke ein, „aber wir wissen nicht, wie wir es sonst hinkriegen sollen. Die Linien 50 und 33 seien bewusst ausgewählt worden, weil dort grundsätzlich weniger Fahrgäste registriert werden. Und: „Das ist das kleiner Übel von allen.“

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