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Göttingen Max-Planck-Gymnasium für Kunstaktion abgeriegelt
Die Region Göttingen Max-Planck-Gymnasium für Kunstaktion abgeriegelt
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00:17 02.03.2017
Von Christoph Höland
Heute abgeriegelt: das Max-Planck-Gymnasium. Quelle: Richter
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Göttingen

Nur durch eine Einlasskontrolle konnten die Schüler am Montagmorgen das Gebäude betreten - doch was längst nicht allen gefiel, kommentierten uniformierte Zwölftklässler wortkarg mit "das ist für die Sicherheit". Es folgten oberflächliche Taschenkontrollen und mahnende Worte der Grenzwächter vom Kunst-Leistungskurs unter Leitung von Tina Lüers.

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Dieser hatte das Schulgebäude zum Teil einer großflächigen Inszenierung gemacht: außen Zäune mit Stacheldraht, innen Wächter, die von hölzernen Hochsitzen auf die Schüler blickten. Ein provisorisches Zeltlager, Schlauchboote und abgedruckte Zitate von Flüchtlingen sollten zugleich verdeutlichen, dass Sicherheit Abschottung mit sich bringt - "auch vor denen, die versuchen, in Europa Hilfe zu finden", wie es Lawrenz Söltka vom ebenfalls beteiligten Kurs "Darstellendes Spiel" formulierte.

Kontrollen lösen gemischte Gefühle aus

Bei den anderen Schülern lösten die Kontrollen gemischte Gefühle aus: Während viele sich anstandslos fügten, reagierten andere unwirsch - was für Hannah Algermisse einkalkuliert war. Projekte wie Trumps Mauerbau und die europäische Grenzsicherung bedeuteten einerseits Ausgrenzung von Flüchtlingen, andererseits aber auch mehr Überwachung und damit weniger Freiheit, erklärte sie.

Stacheldraht-bewehrte Zäune, Wachtürme und Einlasskontrollen: Im Zuge eines Schulprojekts war das Max-Planck-Gymnasium in Göttingen am Montag regelrecht abgeriegelt. Mit der Inszenierung "Borders - make our lives safe again"" wollen Schüler eine Diskussion über Sicherheit und Ausgrenzung anstoßen.

"Wir wollen Überlegungen anstoßen, wie wir sie hatten", versuchte Frederico Bormann seine Motivation in Worte zu fassen. Er und seine Mitschüler hatten sich im Unterricht zuvor mehrere Monate mit den Themen Grenzen und Migration befasst. Dazu gehörten ihm zufolge sowohl die Erfahrungen mit innereuropäischen Grenzkontrollen auf der letzten Urlaubsreise als auch die aktuelle politische Diskussion über Flüchtlinge

Diese empfinden viele der Schüler als aufgeheizt: Während sich Algermisse als aktive Flüchtlingsunterstützerin für eine Ausnahme hält, beklagte Söltke, dass eine ergebnisoffene Diskussion über begrenzte Aufnahmekapazitäten nicht möglich sei. In der Rolle als Grenzwächter fühlten sich die Schüler allerdings nicht wohl: "Man stellt sich über andere", versuchte Sara Mrowetz das Gefühl zu beschreiben, das ihr der rigorose Umgang mit ihren Mitschülern bereitete.

Die English-Drama-Group unter Leitung von Ellen Runte führt im Zuge des Projekts am Mittwoch, 1. März, das Stück "Borders - Make our lives safe again" auf. Beginn der Premiere ist um 19.30 Uhr im MPG, Theaterplatz 10.