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Göttingen Mehr Menschen von Obdachlosigkeit bedroht
Die Region Göttingen Mehr Menschen von Obdachlosigkeit bedroht
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19:18 02.09.2009
Ein Leben auf der Straße: Auch in Göttingen sind immer mehr Menschen davon bedroht.
Ein Leben auf der Straße: Auch in Göttingen sind immer mehr Menschen davon bedroht. Quelle: Hinzmann
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„Die Zahl der Bedürftigen ist gestiegen“ sagt Gerd Schneemann, Mitarbeiter bei der Straßensozialarbeit des Diakonieverbands Göttingen (Straso): Waren es noch 153 Erstkontakte mit Bedürftigen im Jahre 2000, sind es 443 im Jahre 2008. Das Ausmaß der Obdachlosigkeit in Göttingen sei aber schwer fassbar. Offizielle Zahlen und Statistiken gibt es nicht. Viele Wohnungslose kommen bei Freunden für einige Zeit unter. Außerdem hat die Obdachlosigkeit einer Familie, die ihre Hypothek nicht bezahlen kann, eine andere Qualität als dauerhafte Wohnungslosigkeit, meint Detlef Johannson, Pressesprecher der Stadt Göttingen. Obdachlosigkeit sei folglich nicht zwangsläufig ein Maßstab für ernsthafte Bedürftigkeit.

„Die Stadt Göttingen ist zur Unterbringung obdachloser Menschen verpflichtet“, erklärt Johannson. Dies bedeute, dass im Extremfall Bedürftige in Pensionen untergebracht werden müssten. Das sei aber bis jetzt nie nötig gewesen. Individuell werde nach Alternativlösungen gesucht. In Göttingen bestehe, so Johannson weiter, mit finanzieller Unterstützung der Stadt ein Netzwerk von Wohn-, Versorgungs- und Betreuungsmöglichkeiten, zu denen die Straßensozialarbeit und die Heilsarmee gehören.

Alle Plätze belegt

Um Männer, die nicht auf der Straße leben wollen, kümmert sich die Heilsarmee in der Unteren Maschstraße 13b. Das Heim verfügt über 16 Zimmer für Festbewohner und acht Kurzzeitübernachtungsplätze. Zur Zeit sind alle Plätze belegt und es bestehen Wartelisten. Die Bewohner erhalten Vollverpflegung. „Bei uns gilt ein strenges Drogen- und Alkoholverbot“, sagt Lutz Bünger, Offizier der Heilsarmee und Leiter des Heims: „Für einige ist es deshalb eine Überwindung, sich in das Heim zu begeben.“ Meist sind es Männer zwischen 40 und 75 Jahren, die von dem Angebot der Heilsarmee Gebrauch machen. Jüngere, meint Bünger, kämen oft bei Freunden unter oder könnten besser mit dem Leben auf der Straße umgehen als Ältere. Die Straßensozialarbeit kümmert sich ebenfalls darum, Wohnungslosigkeit und ihre Ursachen zu bekämpfen. Die soziale Integration von Obdachlosen oder von der Wohnungslosigkeit bedrohten Menschen soll gewährleistet werden. Nach Aussage der Straso sind es häufig alleinstehende Männer, die permanent von der Obdachlosigkeit bedroht sind und sie aufsuchen. Doch die Zahl an Frauen und jungen Menschen steigt ständig.

Von Robin Dyck