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Göttingen Mehr Tagespflege-Plätze in 2018
Die Region Göttingen Mehr Tagespflege-Plätze in 2018
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00:17 30.12.2017
Immer mehr ältere Menschen entscheiden sich für die Tagespflege.   Quelle: dpa
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Göttingen

 Die Tagespflege gilt als geeignet für Menschen mit Demenz, die in ihrem Alltag eingeschränkt sind und auf diese Weise tagsüber kompetente Hilfe und Unterstützung erfahren. Der Vorteil dabei: „Die Tagespflege bietet pflegenden Angehörigen eine Möglichkeit zur phasenweise Entlastung in der Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz. Die Nachfrage nach Tagespflegeplätzen ist landesweit steigend. In Osnabrück, Emden, Goslar sind deshalb für das kommende Jahr neue Tagespflegeplätze vorgesehen. Auch in Göttingen werden im ersten Quartal 2018 nach Angaben des Landkreises Göttingen mehr als 20 neue Plätze entstehen, das berichtet der Norddeutsche Rundfunk. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Ältere Menschen leiden immer häufiger unter Demenz.

Demenz ist der Oberbegriff für Erkrankungsbilder, die mit einem Verlust der geistigen Funktionen wie Denken, Erinnern, Orientierung und Verknüpfen von Denkinhalten einhergehen und die dazu führen, dass alltägliche Aktivitäten nicht mehr eigenständig durchgeführt werden können. Der Begriff Demenz bezeichnet rund 50 Krankheitsbilder. Der damit verbundene Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit und das quälende Verlöschen der Persönlichkeit betrifft weltweit rund 45 Millionen Menschen. Jedes Jahr kommen weltweit über 300 000 Betroffene hinzu. Allein in Deutschland sind 1,6 Millionen Menschen an Demenz. Laut Schätzungen von Krankenkassen wie der Barmer GEK werde sich die Anzahl an Demenzkranken bis 2060 auf 2,5 Millionen mehr als verdoppeln.

„Gegen Demenz hat die Medizin bislang wenig Lösungen anzubieten und es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich daran kurzfristig etwas ändern würde“, heißt es im Demenz-Report des Berlin-Institutes. Im frühen Stadium von Demenz sei ein ganz normaler Umgang mit den Betroffenen möglich und erwünscht, heißt es weiter. Menschen mit Demenz seien aber auch dann noch Teil der Gesellschaft, auch wenn sie sich vielleicht nicht der Norm entsprechend verhalten. Menschen mit Demenz können von einem bestimmten Stadium der Erkrankung an nicht mehr sagen, ob ihnen etwas weh tut oder ob sie etwas benötigen, sie benötigen dann fachlich kompetente Unterstützung. „Forschungsergebnisse zeigen, dass auch in Spätstadien der Erkrankung noch reiche emotionale Ressourcen erschlossen werden können“, heißt es im Demenz-Report.

Doch in der Regel sind pflegende Familienmitglieder mit den Erscheinungsformen von Demenz überfordert. Für Abhilfe kann die Tagespflege sorgen. Dort können pflegebedürftige Senioren von 8 bis 16 Uhr von entsprechend geschulten Personal betreut werden. Die Nachfrage nach solchen Plätzen ist groß. In der Region Göttingen hatte man aus diesem Grund bereits in den vergangenen Jahren das Angebot an Tagespflegeplätzen deutlich ausgebaut. So wurde zum Beispiel der Ausbau in Seulingen im Haus Johannes sowie der Ausbau der Diakonie-Tagespflege in Adelebsen angeschoben. Eine neue Tagespflegeeinrichtung hatte der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) im Jahr 2016 in Dransfeld eröffnet. Auch in der Samtgemeinde Gieboldehausen gibt es seit 2016 neben fünf Pflegeeinrichtungen eine Tagespflege mit temporärer Betreuung. 20 Tagesgäste sollen künftig im geplanten Tagespflege-Haus in Weende betreut werden. Rund zwanzig Pflegeeinrichtungen bieten im Landkreis Göttingen aktuell Tagespflegeplätze an. Informationen unter www.landkreisgoettingen.de.

Von Bernard Marks