Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Mehr als 150 Menschen demonstrieren gegen türkische Angriffe
Die Region Göttingen Mehr als 150 Menschen demonstrieren gegen türkische Angriffe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:27 24.03.2018
Mehr als 150 Menschen demonstrieren gegen türkische Angriffe
Mehr als 150 Menschen demonstrieren gegen türkische Angriffe Quelle: Brakemeier
Anzeige
Göttingen

Veranstaltungsanmelder Kay Langemeier, Direktkandidat des Internationalistischen Bündnisses Göttingen zur Bundestagswahl 2017, erneuerte in seiner Rede die fünf Forderungen aus seinem Aufruf zur Kundgebung: der Abzug türkische Truppen aus der Provinz Rojava, das Ende deutscher Waffenlieferungen und militärischer Unterstützung für die Türkei, das Ende „der Kriminalisierung der Solidarität mit dem kurdischen Befreiungskampf“, die Aufhebung des Verbots der PKK und kurdischer Symbole sowie Freiheit für Abdullah Öcalan.

„Die türkische Regierung nutze den Deckmantel der Terrorbekämpfung, um gegen die Kurden vorzugehen. Und die Bundesregierung ist dabei williger Helfer“, erklärte Langemeier. Nicht nur würden deutsche Rüstungsexporte in die Türkei steigen, deutsche Behörden würden immer repressiver gegen kurdische Kundgebungen und Einrichtungen vorgehen. „Newroz heißt heute Kampf um Demokratie und Freiheit“, sagte Langemeier.

Nicht gegen das türkische Volk, gegen die Regierung in Ankara

Eine Sprecherin des MLPD-Jugendorganisation mahnte: „Wir haben die Verantwortung uns gegen den Krieg zu wenden.“ Ein Sprecher der Antifaschistischen Linken International erinnerte an die 26-jährige Britin Anna Campbell, die in der vergangenen Woche im Kampf um Afrin ums Leben gekommen ist. Eine Rednerin machte deutlich, dass sich der Protest nicht gegen das türkische Volk wende, sondern ausschließlich gegen die Regierung in Ankara.

An der Kundgebung in Göttingen nahmen Kurden und verschiedene linke Gruppen teil. Die Veranstaltung verlief friedlich, die Polizei hielt sich im Hintergrund. Nur vereinzelt waren die kurdischen Farben rot, grün, gelb auf Tüchern zu sehen.

SPD-Zentrale besetzt

Proteste gegen das türkische Vorgehen gab es am Mittwoch auch in Frankfurt. Rund 50 pro-kurdische Aktivisten haben vor und in der Parteizentrale der Frankfurter SPD demonstriert. Sie befestigten ein Banner mit der Aufschrift „Freies Afrin“ am Gebäude und ließen farbigen Rauch aufsteigen, wie ein Polizeisprecher sagte. In einer am Morgen versandten Mitteilung sprachen die Aktivisten von einer Mitverantwortung der SPD am „momentanen Angriffskrieg der türkischen Armee und islamistischen Milizen gegen die kurdische Provinz Afrin“.

Hintergrund der Göttinger Kundgebung und der Proteste bundes- und weltweit ist der Angriff und die Eroberung der Stadt Afrin durch türkische Truppen und mit ihnen verbündete islamistische Milizen. Die türkischen Streitkräfte und syrische Verbündete hatten die vor allem von Kurden bewohnte Region Afrin und die gleichnamige Stadt im Nordwesten Syriens am Sonntag nach zweimonatigen Kämpfen erobert. Medienberichten zufolge kam es dabei zu massiven Zerstörungen und Plünderungen. Zehntausende Menschen sollen auf der Flucht sein.

Deutsche Waffen richten Unheil an

Der deutsche Arzt Michel Wilk, der in Nordsyrien als Helfer im Einsatz ist, sagte am Dienstag im Deutschlandfunk, Frauen brächten ihre Kinder am Straßenrand zur Welt. Er schäme sich dafür, welch immenses Unheil in Afrin mit deutschen Waffen angerichtet werde.

Die türkische Regierung stuft die Kurdenmiliz YPG wegen ihrer Verbindungen zur PKK als Terrororganisation ein und bekämpft sie. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef brauchen 100 000 Menschen aus Afrin dringend Hilfe, die Hälfte davon Kinder. Das Internationale Kommittee des Roten Kreuzes meldete am Dienstag, ein Hilfskonvoi habe den von Kurden kontrollierten Ort Tal Rifat erreicht. Dort haben nach UN-Angaben mindestens 75 000 Vertriebene aus Afrin Zuflucht gefunden.

Merkel verurteilt türkisches Vorgehen in Afrin

Am Mittwoch hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Militäroffensive der Türkei gegen die kurdische YPG-Miliz in Syrien erstmals in aller Deutlichkeit verurteilt. „Bei allen berechtigten Sicherheitsinteressen der Türkei ist es inakzeptabel, was in Afrin passiert, wo tausende und abertausende von Zivilisten verfolgt sind, zu Tode kommen oder flüchten müssen“, sagte die CDU-Vorsitzende am Mittwoch im Bundestag. „Auch das verurteilen wir auf das Schärfste.“ Auf einem Transparent in Göttingen stand am Mittwoch die Forderung: „Deutsche Panzer raus aus Kurdistan.“

Bereits Anfang Februar hatten rund 500 Menschen friedlich in Göttingen gegen den Krieg in Afrin demonstriert. Am Wochenende demonstrierten in Hannover 11000 gegen die türkische Militäroffensive in Syrien.

Von Michael Brakemeier (mit dpa und epd)

22.03.2018
21.03.2018
Göttingen Zunächst kein Einbruchsradar in Göttingen - 2018 schon 32 Einbrüche im Stadtgebiet Göttingen
24.03.2018