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Göttingen Auf dem Bau helfen
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21:52 08.02.2019
Jahrzehnte lang abgelagerter  Bauschutt und Müll.
Jahrzehnte lang abgelagerter Bauschutt und Müll. Quelle: Foto: Weber
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Freunde haben ein Gehöft gekauft. Daran muss nun viel gebaut werden. Aber vorher müssen Dinge entsorgt werden. Man weiß nicht so genau, ob man sich über die ganzen Fundstücke, darunter Zinkwannen, Bücher und antike Kinderspielzeuge, freuen soll, oder sich wegen des ebenfalls vorhandenen Schrotts die Augen zuhalten möchte.

Meine Freunde leben in einem gut bewohnbaren Häuschen auf dem Hof. Aber sie haben immer die Baustelle vor dem Fenster. Und jeder, der dort zu Besuch ist, sagt irgendwann den Satz: Wir helfen euch. Mein Mann und ich haben den Satz auch gesagt. An einem Tag, an dem man grundsätzlich lieber den Ofen anmacht und liest, haben wir also gemeinsam mit ein paar anderen Leuten, die ebenfalls den Satz gesagt hatten, jahrzehntelang abgelagerten Baumüll in Container sortiert.

Im Auto – draußen Schneegestöber – wünschte ich noch, ich würde niemals aussteigen müssen. Statt der Kälte waren dann eher die Brombeerdornen, die alles märchenhaft überwucherten, das Problem. Ich hätte besser Stiefel tragen sollen. Dornen und Bauschutt landeten ständig in meinen Schuhen und nervten mich am Anfang sehr. Im Eifer des Gefechts nahm ich beides später gar nicht mehr wahr. Auch die Tatsache, dass ich eine eher ungeliebte Arbeit verrichtete, spielte nach wenigen Minuten keine Rolle mehr. Der kleine Hilfseinsatz machte richtig Spaß. Zumal ich noch Beute machte. Jeder durfte seine Fundstücke behalten, weshalb ich jetzt ein gelbes Imkerschild sowie eine alte Transportkiste besitze. Statt eines Aufräumtrupps waren wir auf einmal Sachensucher. Erstaunlich, dass sich unter Tonnen von Schutt noch gut erhaltene Porzellantassen befanden.

Die ganze Angelegenheit wurde zu einem Erlebnis, das mich an den Hausbau meiner Eltern erinnerte. Baustellen auf dem Dorf waren für uns Kinder die besten Abenteuerspielplätze. Die Berge, die durch den Aushub für das Fundament entstanden waren, boten Rodelfläche und Grabungsfelder, auf denen wir Tierknochen fanden. Manchmal redeten wir auch so lange auf die Maurer ein, bis wir einen Stein setzen durften.

Aber das Beste am Bau, daran hat sich nichts geändert, ist das Frühstück. Auf dem Bau meiner Eltern wurde es in einer kleinen Holzhütte serviert. Die Hütte hatte einen Namen: Ponderosa – nach der gleichnamigen Bonanza-Ranch. Man war auch damals schon den Serien verfallen. Natürlich bekamen wir auch nach unserer kleinen Hilfsaktion neulich ein Frühstück. Auf dem Bau merkt man erst, dass man Hunger hat, wenn man die Brötchen sieht. Und man merkt erst, dass man sich verausgabt hat, wenn man gegessen hat und der Körper sich wieder langsam erwärmt. Grundsätzlich ist Faulenzen vor dem Ofen im Winter voll mein Ding. Aber so ein helfender Arbeitseinsatz in der Kälte, zusammen mit lustigen und motivierten Menschen, macht definitiv glücklicher.

Sie erreichen die Autorin unter EMail:autorin@anke-weber.de Instagram: https://www.instagram.com/ ankeweber_author facebook:https://www.facebook.com/ ankeweberautorin

Von Anke Weber